ein freund, ein feind

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was sagt mein freund, mein feind mir heute ins ohr, sein flüstern setzte früh ein, da träumte ich noch, er wird mich doch eines tages erwischen. er zeigt mir die dinge der welt und sie werden nicht weniger schön, ihren glanz bekommen sie von ihrer vorläufigkeit.

ich verstehe die hast immer weniger, suche in passanten gesichtern vergeblich eine bestätigung, dass es nicht die angst vorm vergehen ist, die sie antreibt. es ist nicht der tod, der alles so hässlich macht. es ist der unsterblichkeitswahn, der das leben vertreibt.

ob das leben wirklich flach wird und das vergnügen, die freuden und die begeisterung, das frage ich mich, ist es vielleicht nur meine eigene wahrnehmung, weil marie die farben und konturen der dinge mitgenommen hat und meine welt nun verwischt und schwarzweiss, wenn nicht einfach nur grau und neblig geworden ist. und ich mit.

das ist inzwischen mein thema, ich lese nicht nur bei konservativen kulturdiagnostikern, dass das wohlfühlen wollen, um jeden preis, und die jouissance, wie Melman das phänomen nennt, ich habe ihn hier schon zitiert, alles platt macht, weil leiden, leidenschaft, schmerz und alle weiteren unangenehmen affekte nicht mehr in sind, ja, gemieden werden wie die pest, der mensch nicht mehr der sapiens sapiens sondern ein festivus festivus.

immer mehr leute suchen die verlorene intensität im extremen, nebenher, beruf und leben sind zwei getrennte kompartimente und diese trennung treibt die seltsamsten erscheinungen hervor. man rennt durch den wald mit scheuklappen an den ohren und sieht die bäume nicht mehr, man fährt, bis der herzinfarkt einen in den strassengraben kippt, manche rennen in wüsten, im nordpoleis, in den bergen vier- fünffache marathons, rennen mit ihren bikes über grate, dass einem schwindlig vom zusehen wird, laufen felswände schneller hoch als andere hochhaustreppen, klettern an fassaden, schmeissen sich mit brettern schründe hinunter und fallen vom himmel, menschenmeteore.

ich bewundere das, lese interviews solcher leute und bin gespannt, was sie über den gewinn sagen, ein bewusstsein, das keinen augenblick flackern darf, nicht im geringsten. sie deuten mit dem, was sie tun, in die richtung des menschenmöglichen.

andererseits zeigt die zunahme solcher extremen unternehmungen, dass der alltag die intensität vermissen lässt; in todesnähe erst blüht das leben richtig auf.

das ist auch meine erfahrung, maries tod ist pein, manchmal laufe ich weg davon, stürze mich in die bewusstlosigkeit, aber insgesamt, soweit ich es zuzulassen vermag, hat ihr tod die intensität meines erlebens ins vielfache gesteigert. es ist fast immer elektrisch, deutlicher, farbiger auf allen seiten der skala, in freude und schmerz und selbst das abtauchen bleibt qualvoll am rande. und ich empfinde eine grössere freiheit, so seltsam das klingen mag. ich habe genau zugesehen, wie sie starb, ich habe ihren tod meditiert (ich bin, wie gesagt, auch davor weggelaufen), aber diese beschreibung gibt das erleben von maries tod nicht wirklich wieder. ich war ihr näher denn je und ferner, denn den weg der toten geht man allein, ich blieb zurück, habe mich gezwungen stehen zu bleiben, ihr nachzusehen, wie sie im licht verschwindet und ich nun allein, eine folter zuerst, so habe ich es empfunden, ein gefühl, das dich mitten durch reisst. eis und feuer.

inzwischen ist es stiller geworden, ruhiger, aber intensiv und manchmal, sage ich mir, des guten zuviel. dann gehe ich in meinen garten.

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