„sei wenigstens freundlich“

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inzwischen trinke ich café aus afrika, mein lieferant führt den peruanischen nicht mehr. ich fühle mich verpflichtet, dem café anbau und sonstigem in Uganda nachzugehn.

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schweres grau, windgetrieben, bäume fallen auf strassen. die katzen wollen nicht hinaus. die ältere schaute mich länger an heute morgen, als wir uns auf dem treppenabsatz begegneten, und sagte was auf katzisch, ich nickte ihr zu, tatsächlich war die nacht unruhig, heimgesucht wie ich war von gespenstern und geistern und eine traumfigur wollte unbedingt einen kostbaren blaublauen stein aus canada (ich sah ihn funkeln).

das ist mein ausweichmanöver heute morgen, ich pirsche mich langsam heran, über nachtgeröll und unbestimmte trauer.

die bestimmung erfolgt erst später am morgen.

das brausen des windes als willkommene ablenkung, hingebungsvolles lauschen.

in mir eine festgefahrene stelle, ich will sie nicht genau sehn, die angst, marie nun ganz zu verlieren, sie mit nichts mehr festhalten können, kein bild mehr, keine einigermassen konturierte vorstellung, ja, auch keine erinnerung an eine gestalt, einen gang, eine haltung und nur sehr fern noch eine stimme.

aber das ist nur meine nächtliche angst.

wenn ich auf dinge von ihr stosse, wie heute morgen zum beispiel, ertrinke ich in den bildern und sinke,  schnappe nach luft und schlage fast um mich, in einem zimmer ganz allein.

der sturm braust heran, in unregelmässigen wellen, das dachgebälk antwortet prompt.

wieviel ist mir gleichgültig seither, wieviel erreicht mich nicht, berührt mich nicht, lässt mich kalt. das erschreckt mich manchmal, wie sehr meine welt auf ihre bezogen war, ausschliesslich, und was war ausgeschlossen, wieviel von dem Grösseren war darin und was kam gar nicht in frage.

das flache.

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während sie sich zurück zog und wegrückte von hier, bin  ich in die zwischenwelt geraten, weder hier noch dort, traumartig, enthoben, ihr tod hat das radikalisiert, noch immer lebe ich nicht ganz hier, nicht in der erinnerung, in einem dazwischen, einem spalt zwischen tod und hier.

und mir wird klar, schon immer war ich nicht ganz ansässig, sondern zugereist, fremd,  geraten ich weiss nicht wie ins unverständliche.

umso mehr jetzt.

mein rätseln über tod und leben.

mehr denn je merke ich bei meinen lektüren, wie sehr man sich bemüht, in einem rahmen zu bleiben, wer darüber tritt hat jegliche zustimmung verloren. irgendwo lese ich den satz, seit sich herum gesprochen hat, dass die die erde rund ist, ist das denken allmählich abgeflacht. zu dem heutigen.

ich lebe in der zone der rätsel.

seit geraumer zeit meide ich das allerneueste vom tage,  kein massenaufschrei,  die ungeheuerlichkeit gibt sich normal.

lauschen auf die stimme des sturms: ich entziffere die tonalitäten des windgebrauses, zähle den ansturm der böen, vermesse das schwanken der baumwipfel, sage  knacken oder ächzen der balken zuverlässig voraus und daraus folgere ich zwingend, marie will mir unbedingt etwas sagen.

ganz deutlich: „sei nicht kleinmütig, sei wenigstens freundlich.“

das reicht in meine lektüren.

Andrea Camilieri, Certi Momenti.

Hiromi Kawakami, Die zehn Lieben des Nishino.

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