das leben der marie z.

 

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am ende kein theater, nicht mehr so tun, als wüsste man eine antwort, vielleicht besteht der neuanfang gerade darin.

diese müdigkeit, die aufkommt, wenn nach dem warum in einem leben gefragt wird. es war, es war genau so, wie es war, mit allem drum und dran, am ende bleibt ein lächeln. das ist die antwort.

überhaupt diese aussagen, so lebt man, am besten, so ist es richtig, denn …

und überhaupt die wenn …, dann … konstruktionen. dann … wenigstens das ewige leben oder ein sehr langes. eine belohnung jedenfalls, am besten eine garantie.

gegen den tod natürlich, diese unangenehmste aller überraschungen.

und der antwortet nie auf die frage warum.

wir aber rätseln, wollen erklärungen, verlangen auskunft, das ist eine folge von …

wenn jemand zuhört und sich in dienst stellt, gibt er nichts von sich preis? wir kennen ihn nicht und nun hat er sich davon gemacht? und dies ohne geschichten? er hat niemand hinein sehen lassen in sein streben, sein sterben und seinen tod?

ich rede von ihr, von marie und dass sie ihre freunde ausschloss von ihrem letzten gang. sie duldete nur noch einen sehr kleinen kreis um sich herum, mich und unsere kinder. sie zog sich aus allem heraus und behielt ihre kraft für die letzten verrichtungen. sie sammelte sich. sie redete wenig. sie klagte kaum, sie bat um das allernötigste. langsam verging sie.

ich habe nicht gefragt, warum, und bekam dann allerhand antworten.

das leben funktioniert nicht so.

wie funktioniert es?

so, wie ich es mit ihr erlebte. es war ein wunder, tauchte auf wie aus dem nichts und verschwand wieder, der rest ist eingegraben in mich. alles also, alles ohne irgendeine ausnahme. das warum ist anzuschauen in dem wie.

aber sie hat so gesund gelebt, so achtsam, so aufmerksam.

sie hat gerne zugehort, sie hat gerne aus dem zuhören heraus einen rat gegeben.

nun weiss man nichts von ihr?

man träumt von mehr  kontrolle: wenn man dies tut oder jenes, dann … aber das leben ist nicht so. das leben ist einem nichts schuldig. wenn es eine belohnung gibt, dann ist es das, dieses leben genau so, von anfang bis zum ende. mit genau diesem ende.

gibt es vorbehalte? einwände?

das leben der marie z. war so, genau so, wie es war und ich durfte dabei sein für eine weile. soll ich reklamieren, die zeit habe nicht gereicht, sie habe noch pläne gehabt, noch eine aufgabe gesehn. sie wurde aus dem leben gerissen?

maries leben ist unvollendet und doch hat es eine abgeschlossene gestalt. sie lächelt, das ist mein bild ihres lebens, sie lächelt.

auch die frage, warum das mir, warum wird sie aus meinem leben gerissen, warum hatten wir keine zeit mehr, beantworte ich mit meinem leben. jedenfalls weiss ich so langsam, so mühselig langsam, was sie in meinem leben war und jetzt gerade ist.

ich sehe ihr lächeln.

und lächle zurück.

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2 Gedanken zu “das leben der marie z.

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