woher ich das weiss

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was haben die leute denn gedacht, woher die nahrungsmittel kommen und wie das zugeht in der landwirtschaft und sogenannten viehhaltung oder was autos anrichten oder kreuzfahrten, das geht ja  munter weiter, die finanzindustrie boomt, es wird produziert, wie eh und je und unser ziel ist wachstum (wegen der diversen mauern, ein ponzi scheme ist es in wirklichkeit, wenn vorne gestoppt wird, stürzt die chose ein).

wenn eine einzelperson so funktioniert, erklärt man sie für verrückt und setzt sie auf meds oder bringt sie hinter mauern, andere nun.

die ausgrenzung von vernunft und gefühl und  beziehung (die ein in der weltsein ist und also, aber auch das ist schon hunderttausend mal gesagt worden, zugewandt, fürsorglich) zugunsten einer menschenfernen objektivität, kühl, distant, rational,  so gibt sie sich, sie ist hochabstrakt, der mensch, wie gesagt kommt darin nicht vor, sie funktioniert technisch hervorragend, Mumford hat das produkt aus dieser schizophrenen denkweise schon vor längerer zeit die technische megamaschine genannt, die uns nun überrollt.

ach was, ich lese keine zeitung mehr, ich schlage sie auf, da gibt es das gerede von der klimakrise und dort, wo es drauf ankommt, rollt die maschine weiter, ich sehe, es tut mir leid, ausser gebastel hier und dort, und das war heute nicht einmal vorhanden, nicht einmal am rande, nichts ausser gejammer, hilfloses zum beispiel über den anstieg des populismus. woher der wohl kommt, kein ansatz für eine einkehr, umkehr.

ich weiss, ich weiss, die realität ist nicht die zeitung, und die kirche ist noch im dorf, gerade läutet es nebenan, es hat soeben zehn geschlagen.

vielleicht lese ich nur noch gedichte, sehe mir nur noch kunst an, meide den blick in die nachrichten, mir wird schlecht von unserer eingefleischten doppelmoral.

und jetzt stehen die wahlen ins haus, was mich daran erinnert, dass es in der stadt (wir haben eine, eine kleine) nur 25000 wähler gibt, aber über hunderttausend einwohner, genauer, nach wikipedia, 116.323 (stand 1. Januar 2018). „wir wollen hier bestimmen, was läuft.“, heisst es zur begründung, als ob das nicht lachhaft wär, hier bestimmt doch längst eine andere kraft, aber das bewusstsein hinkt der entwicklung hinterher, wir sind, wie Günther Anders im letzten jahrhundert festgestellt hat, moralisch nicht auf der Höhe unserer erfindungen. wir sind tragikomisch. wir haben eine gespaltene zunge, wir lügen uns gern in die tasche.

ach was, ich sehe mir keine nachrichten mehr an, es bekommt meinem teint nicht, meine laune verdirbt es. früher konnte man wenigstens sagen, ich wandere aus, wenn der ort einem verleidet war, aber heute entkommt man dem schlammassel nirgendwo mehr.

manchmal stelle ich mir vor, jemand sieht uns zu, viele augen schauen uns an, wir merken es nur nicht. stattdessen schauen wir hinaus, einige von uns zumindest, und wir finden nichts, höchstens schwarze löcher.

ich stelle mir vor, jemand sieht das, was wir tun und fragt sich ratlos, was fummeln die dort zusammen, unglaublich.

es gibt keine technische lösung für unsere gemütserkrankung und bewusstseinsstörung. aber in der zeitung sah es heute morgen so aus, zufriedene wirtschaftsgesichter und fondslächeln, jemand hat sich zum zeitvertreib in einen fussballklub eingekauft und in der autoindustrie herrscht vorübergehend erleichterung.

und jetzt wird mir nahe gelegt, europa zu retten. mit meiner stimme, die ist plötzlich sehr wichtig. wegen dem populismus, dem nationalismus, dem brexit und was ist mit den flüchtlingen auf lesbos, in süditalien, in ungarn, in der türkei.

da wird einem so richtig behaglich, weil hier alles so wunderbar in ordnung ist, heute morgen gab es doch tatsächlich einen falter im garten und das gras ist so grün und bald dürfen wir alle kiffen, was das zeug hält und verbrennen dürfen wir unsere überreste auch lassen, was für ein unaufhaltsamer fortschritt.

ich bin ungerecht? unsachlich? das ganz gewiss auch.

ich lese keine zeitung mehr.

andererseits, schon der morgendliche gang zum briefkasten, noch mehr als das antippen und wischen der apps, verschafft mir das nötige adrenalin und erst das umblättern, tut mir leid, wenn die zeitung eine eigene stimme hätte beim aufschlagen, so hörte ich ganz sicher hohngelächter.

ich lese keine zeitung mehr, ich kann dieses stammtischgerede nicht mehr ab, das dann bei mir entsteht, diesen rundumschlag, der einen zerstörerischen impetus hat.

dabei liebe ich diesen flecken und den planeten, auch wenn ich nie nach Papua Neuguinea komme und keine kreuzfahrt in die Karibik machen werde. am ehesten vielleicht noch nach Feuerland, wegen dem wind, der dort weht und wegen dem fabulierer Bruce Chatwin, dessen geschichten ich so sehr mag. überhaupt unsere fähigkeit geschichten zu erfinden, auch zur selbsttäuschung, von der musik ganz zu schweigen und unsere begabung zu hören, richtig zu hören, was jemand sagt und was er meint.

ich denke dann, ganz unstammtischmässig, still sitzen, schweigen und in sich gehen. könnte das uns retten vor uns selber?

Von Jochen Kirchhoff habe ich die geschichte vom garten, in den wir bei der geburt geraten sind, wir haben allerdings die anzeigetafel am eingang übersehen: hier gibt es nur einen ausgang und der heisst tod.

der tod ist der grosse veränderer.

der tod setzt eine menge von dingen in anführungszeichen und hebt andere hervor, das vordenken, das nachdenken, das innehalten, die gelassenheit, das langsame voran, den austritt aus einer falschen und schiefen erzählung, das gran distanz zu uns selber, die freundlichkeit, die fürsorge…

woher ich das weiss?

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