à bout d’inquiétude

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Am Ende der Angst, nicht der Ängste, reicht das Geld, hast du deinen Führerschein dabei, riechst du gut oder schlecht, der vergessene Namen ist noch kein Zeichen von Alzheimer oder doch? oder doch? bei allem? der Zweifel, bei allem? Oder die Panikattacke mitten in der Stadt und ich gehe weiter, tue, als sei gar nichts, pfeife vor mich hin, wie das verlorene Kind nachts im Wald, wenn ich allein in meinem Bett lag, hielt ich die Luft an, um besser zu hören, bis das Blut im Kopf klopfte und ich nur noch dieses fremde Pochen hörte, was sagen die Leute? Sie sagen nichts, sie denken allerhand, ich kenne sie kaum, bin ich mit ihnen befreundet, mir sagen sie nichts, habe ich mir Sorgen zu machen, wann gibt es essen.

Aber DIE ANGST ist weg, jeder Tag, jeder Mittag und Abend schiebt mich näher an den Abgrund, das Ende hier und sonst weiss ich nicht viel, aber das weiss ich. Higelin sprach vor seinem Tod von dem letzten Abenteuer und seiner ungebrochenen Neugier, lebend sterben sagte ein anderer und meinte damit nicht schon halb verwest und stinkend, nicht schon halbtot.

Dann aber der andere Spruch vom nötigen Sterben vor dem Sterben und manchmal geschieht es ganz unfreiwillig, ich kann ein Liedchen davon singen, nachts im Wald das Rascheln, das Scharren, das Kratzen und was ist das, ich halte die Luft an, wie damals, wenn ich allein da lag und keiner kam.

Halt die Luft an, Mensch. Aber ich gebe nicht an, ich schwindle nicht, warum sollte ich irgendjemand etwas vormachen.

Einmal schien etwas Kräftiges auf, etwas Durchmischtes, wie man das Leben eben so kennt (und dann hat man noch Glück gehabt, man kann sich vergleichen, man kann sich Zustände vorstellen, aber wie sie sich anfühlen und was man dazu denkt, da hat man nicht die geringste Ahnung und hält also den Mund. Klagen? Das Reklamationsbüro hatte vor einer Sekunde geöffnet, nun ist es geschlossen).

Es gibt keinen Gott, bei dem man sich über das plötzliche Ableben einer Person, dazu noch einer Geliebten und Freundin, beschweren könnt. Er ist schlicht dafür nicht zuständig. Jammern ist möglich, es ist gewiss nicht sehr elegant, für eine Weile erleichtert es gewiss, bis man merkt, es gibt keinen Adressaten.

Alter ist nichts für Weicheier. Der Planet ist noch immer schön, aber kein Paradies für die grosse Zahl und auch die Superreichen haben diese verborgene Todesdepression, darauf kann man zählen, aber die Ablenkungen sind natürlich luxuriös und nur vom feinsten. Aber ein Arschloch bleibt ein Arschloch.

Und es gibt Leute, leider genug davon, die bestehen darauf, den Ast, auf dem sie sitzen, beharrlich abzusägen. Aus Dummheit, aus Gier, aus Unbewusstheit. Weiss der Geier warum. Einige werden den Klimawandel leugnen, bis ihnen der letzte Rest Gehirn ausgelaufen ist und es gibt eben die seltsamsten Überzeugungen, am schlimmsten ist es, wenn man den Mist einem Sündenbock in die Schuhe schiebt, das nennt sich dann sehr rechts bis ultrarechts. Immer ist es jedenfalls ein anderer.

Ich persönlich finde das nicht nur beklemmend, sondern auch langweilig, in der Schule nicht aufgepasst und nichts gelernt, Doofheit ist antrainiert. Man kann sich Doofheit auch einreden, indem man die Fähigkeit des Denkens ignoriert. Denken tut ein wenig weh, man findet dann nämlich allmählich, manchmal ist es etwas mühsam, heraus, es ist nicht der Nachbar.

Ach, wem sage ich das.

Und nun im Ernst: wenn man durch irgendwelche Umstände in eine andere Realität katapultiert wird, sei es der Tod eines geliebten Menschen, sei es ein überwältigender Schmerz, die Realisierung der Flüchtigkeit von allem, eine tiefe Einsicht, die einen überfällt und trifft, richtig erwischt in der Tiefe, dann kann man durchaus in Panik geraten, zuerst, richtig Angst kriegen, eine Scheissangst, rasendes Herzklopfen, sich jagende Gedanken, der reinste Horror kann einen überfallen, man hechelt, man atmet sehr flach, eine Attacke jagt die nächste, bis irgendetwas einem „zuruft“: tief durchatmen, die Augen auf, schauen, hören, fühlen, das geht sehr schnell wieder.

Wenn man danach die Zeitung aufschlägt, kneift man sich besser vorher in den Arm und tatsächlich, es ist der vorherige (bekannte) alltägliche, galoppierende Wahnsinn, der ist noch immer da und du darin, ein zweites mal kneifen, aber nun ist es anders, der Blickwinkel leicht oder doch heftiger verschoben. 

Als du die Anzahl der Geschäfte in der neuen Shopping Mall liest, fängst du an zu lachen, zu prusten, du hältst dir den Bauch, du kannst gar nicht mehr aufhören, der neue homo oeconomicus, der Koofmich der Postpostmoderne, ist, wenn er kauft. Und dazwischen zweifelt er, ob es ihn gibt, in den Kaufpausen löst er sich auf und steht wieder auf, im Kaufen.

Das sanfte Raunen überhört er, das anhaltende Flüstern, was machst du hier, wenn der Paradies Ausgang der Tod ist.

Und bei dem Glauben, der vorherrscht, ist er das endgültige Ende.

Ich finde das lustig.

Ich würde allerdings nie über die Beunruhigten spotten, wenn einer zu mir kommt, versuche ich Trost zu spenden.

Wie das denn?

Ganz einfach, ich singe Kinderlieder vor, das vom Hänschen klein, der ging in die Welt allein. Ich lese die Tafel am Eingang (des Lebens) vor. Und die Bedingungen des Ausgangs lese ich auch vor. Alles, was man am Ende mitnehmen darf. also nichts als die Substanz eines Lebens.

Das ewige Halleluja Singen halte ich für eine Geschichte, à s’endormir debout.

Wie einem die Einrichtung vorkommt? Das frage ich auch. Ich weiss die Antwort für mich: Es ist ein absolutes Rätsel. „Warum es etwas gibt und nicht nichts.“

Ich spüre dem Rätsel nach, jeden Tag, jede Nacht.

„Marie hilf!“, sage ich, wenn ich nicht weiter weiss und oft weiss ich es nicht. Woher sollte ich? Müsste ich?

Meine Gewissheiten schmelzen wie Butter in der Sonne, es hört gar nicht mehr auf.

Im Ernst, ich bin kein Guru, kein Lehrer /  gottseidank / hallelujah/ ich habe das Zeug nicht dazu. Ich fahre Fahrrad und Mountainbike, ich gehe gerne zu Fuss. am liebsten im Wald und an zweiter Stelle in der Stadt. Mein Lieblingsort dort ist die Fussgänger und Velofahrer Unterführung an der Brücke in die Avenue de la Liberté.

Menschen vergessen sehr schnell, das Allerwichtigste vergessen sie sehr schnell. Die neue Unfreiheit ist immer anders als die alte. Günther Anders sagte einmal, die neuen Ketten tragen Blumenguirlanden. Ich glaube nicht an eine rettende Mehrheit, an eine mehrheitliche Einsicht. Ich bin ein optimistischer Pessimist.

Die alten Methoden des sogenannten Lehrens und Lernens sind endgültig bankrott. das kann man sehen, hören, lesen, fühlen. Die Denkmuster auch.

Etwas gelernt? Warum sind wir dann da, wo wir sind? Und dann die geteilten Meinungen darüber? Die Argumente? Die Verbohrheiten? Das Nichtdenken, der Abgrund des Nichtdenkens, der Verweigerung des Denkens, die Gefühlsverweigerung auch, die Anästhesierung.

Öfter setze ich mich hin und spüre nach Innen nach Aussen.

Marie ist tot.

Was heisst ihr Totsein für mich? Gar für sie?

Etwas hält mich.

Wie nenne ich das?

Ich nenne es Marie.

Es ist mir über.

„Ich kann nur staunend zustimmen“

(Sonne I. Rose Ausländer, Im Aschenregen die Spur deines Namens. S. 158)

 

P.S.: à bout d’inquiétude, der Ausdruck ist von einer Freundin, die so nachsichtig ist und diesen Blog liest. Ich wollte die genaue Bedeutung und Übersetzbarkeit wissen und habe gegoogelt, an erster Stelle erschien, zu meiner Verwunderung, der obige Link und Françoise Sagan. Soviel zu meiner Belesenheit…

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