terre à terre, aber wenigstens lustig, ein nachtrag

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das verfahren ist alt, ich praktiziere es seit langem, aber es ist unzweifelhaft äusserst riskant, besonders dann, wenn der erste adressat  abhanden gekommen ist, der einem unweigerlich und sehr deutlich sagte, ob das, was man gerade von sich gab,  unausgereift war oder geradezu schwachsinnig.

ich rede von meinen verstreuten lektüren, die keinem klaren prinzip folgen, sondern eher lust und laune und hinweisen am weg.

ich probierte das angelesene immer zuerst an Marie aus, die mich dann schräg ansah und spöttisch feststellte: „aha, du hast wieder was gelesen.“

es ging – nun eben ohne vorprüfung durch Marie und das heisst, meine argumentation ist noch halbgar und grün – um die klimakrise und die allenthalben vernehmbaren appelle an reduktion, verzicht und downsizing des ressourcen fressenden lebensstil, den wir so lieb gewonnen haben. dass er zuviele ressourcen frisst, ist wohl kaum anzuzweifeln, so dass wir seit geraumer zeit beharrlich an unserm ast sägen.

die autoren meinten nun, die ressourcen reichten eben nicht für alle, wir seien zuviele und eine reduktion, eine kräftige beschneidung unserer lebensweise auch zum zwecke der herstellung sozialer gerechtigkeit und umverteilung laufe auf eine vergeselllschaftung des elends, der kargheit und öde hinaus. sie bestritten nicht, dass unsere wirtschaftsweise an sich schon zu viele ressourcen unnötig verbrauche, obwohl dieser aspekt eher am rande auftauchte, betonten aber vor allem den bevölkerungsaspekt, das heisst die überbevölkerung und die notwendige reduzierung unserer zahl.

„nur wer im wohlstand lebt, lebt angenehm“, ich habe den spruch von Brecht bemüht, aber als ich mich reden härte, vernahm ich gleichzeitig eine leise stimme, die mir mitteilte, du redest wie ein privilegienreaktionär.

aber eines steht fest, wenn eine einigermassen friedliche, also wenigstens nicht katastrophale  wandlung gelingen soll, dann kann sie nicht allein auf einen verzicht hinaus laufen, auf eine art klimawandel puritanismus, auf eine strenge askese allein und eine schwarzgraue enthaltsamkeit, sondern …

innehalten, tief luft holen.

vielleicht liegt es auch nur daran, dass ich einer puritanischen katholischen familie entstamme, dort herrschte eine asketische strenge vor, ora et labora, das einfache leben beruhte auf harter arbeit, heute würde man eventuell von armutsgrenze reden, es gab genug zu essen, man hatte eine ordentliche hose an, ein bett und ein dach überm kopf, die freuden waren rar und sehr einfach und die moral wurde von der höllendrohung gestützt. es war von allem genug da, aber es war nicht lustig, es war keine sinnliche, freudige feier des lebens, es war beschwerlich, aber stolz. dort habe ich nicht gelernt, wie das leben auch spass machen kann, wie es eine lust zu leben ist.

und genau das fehlt mir auch in allen klimawarnungen und untergangsszenarien. mit angst und schreckensverkündigungen wird sich voraussichtlich nichts ändern und vermutlich wird es dann doch auf eine vergesellschaftung des minimums und eventuell des kargen öden elends für die vielen und einige verbleibende oasen für privilegierte hinauslaufen. ich denke an den ausdruck, das leben fristen, so recht wie schlecht, nichts zum lachen eben.

vielleicht sollten wir uns eher ausmalen, wie wir wieder etwas zu lachen hätten, wie gute alternativen aussähen, eine vernünftige produktionsweise, eine menschenfreundliche arbeitswelt, eine intaktere natur, statt stadtblechlawinen ein geselligeres leben in den strassen, fussgänger, radfahrer und flaneure stattdessen, schönheit, aber nachhaltigen konsum, dauerhaftere dinge, kurzum ein würdigeres besseres lustigeres leben.

„Let’s talk about the dream, not just the nightmare. Imagine the cities and towns of the future: clean, green, with decent air quality, hospitable to walking and cycling, powered by renewables, with green space, not concrete jungles, and rewarding jobs in green industries. That isn’t just a conceit for the imagination but a tangible vision of the future produced today by Common Wealth, the thinktank of which I am a board member.“ Ed Miliband im Guardian vom 4.Juli

so in etwa.

sonst sehe ich schwarz.

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