ein wind, der einen beunruhigt

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wiederholung, ich hole wieder in mein bewusstsein die fliegenden dächer, die videos in endlosschleife des einheimischen tornados, da wird man stumm. da wird man klein und duckt sich. das war haarscharf vorbei. das war kein vorgeschmack, das war keine warnung. das war die sache selbst. nicht wie kriegsverwüstung und die leute stehen fassungslos davor, nein, krieg, ganz einfach krieg.

das lachen, das unsere sonstigen seltsamen anstrengungen begleitet, ist ein bitteres.

c’était un cas de force majeure.

sind sie versichert, gegen hagel, sturm, tornado, hurrikan, erdbeben, weltuntergang?

in der nacht begegne ich mir selber und einer von uns beiden sagt, wir sind wieder einmal heil davon gekommen. das ist nicht selbstverständlich.

nachts die sorge um haus und hof und kind und kegel. nachts liegt man wach. keine geräusche im haus, kein knacken der holztreppen, überhaupt nur stille.

man ist sprachlos.

man erholt sich sehr schnell und redet zu viel, wie man noch einmal davon gekommen ist. überhaupt sagt man sich jeden tag, du bist noch einmal davon gekommen. nicht erst nach diesem sturm, nicht erst nach diesen bildern.

nachts fliegende dächer.

das erschüttert einen, diese verletzlichkeit, diese brutale gewalt, diese zerstörungswut; denn die ist es selber. als hätte sie sich von uns losgelöst und sei als solche erschienen, zehn minuten nur. das reicht völlig.

ich seh darin keine personifikation, das war nicht persönlich, obschon es persönlich trifft, dein haus, ihr haus, das war allgemein und zufällig und dann auch wieder nicht.

man ist sehr klein, das zur erinnerung.

ich stelle keine vergleiche an, ein existentieller tornado oder ein perönliches erdbeben meinetwegen. ich schwelge auch nicht in sturmvisionen.

aber sehr beeindruckt bin ich schon.

am besten sagt man nicht zuviel, am besten lässt man sowas auf sich wirken; still, man wird still. man schaut, man sagt gar nichts, man kann beschreiben, aber die beschreibung wird dem ding nicht gerecht.

man geht in deckung.

am nächsten tag scheint die sonne, aber es ist ein wind, der einen beunruhigt.

am übernächsten tag scheint die sonne und es ist windstill, es ist sonntag mitten im august und ganz still, mitten hinein läuten glocken, unbeschwerte stimmen vor dem fenster, ein auto, ich halte das fest zu meiner beruhigung.

die normalität ist eine scheinbare, sie reisst manchmal auf und  und erschüttert den festen grund, auf dem man gerne stehen würde.

das unerwartete sitzt in einer ecke, geduldig, meine zeit kommt.

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