„cleaning the house“

Etwas ganz intimes sollte es werden, so von ganz tief unten, dann merke ich aufeinmal, ich verliebe mich in wörter, immer weiter weg von allem, gerade indem ich genauer zu fassen glaube, was mich beunruhigt und was ich noch nicht wirklich kenne, ich glaube worte tun es, das kennen und dann stelle ich fest, das kennen geht dem voraus, es ist bloss so unbestimmt, dass es angst macht, man will weg davon, flüchtet sich in wörter, mit denen man zu begreifen meint, aber wörter sind in diesem speziellen fall wie lullabies, beruhigungskram für meine kindliches gemüt. oder bestenfalls treffen sie einen nerv, so sagt man doch, setzen dem erkannten das i-tüpfelchen auf. aber gerade daran redet man dann wieder vorbei. man glaubt mit einem wort fange man schmerz ein oder freude, aber sie halten sich woanders auf.

vielleicht kann man mit wörtern die konturen eines zustands einmal ungefähr nach fahren. vielleicht singt man, weil man gequält wird von etwas, aber es geht mit dem gesang nicht weg.

vielleicht will man sich auch nur erinnern, dass einmal etwas war und es entfernt sich, vielmehr hat man angst, es entfernt sich. aber es bleibt im raum, nur weiter weg.

oder es ist ein gebet, aber man hat vergessen, worum man betet und zu wem.

melancholie lässt sich gar nicht dingfest machen mit dem wort melancholie, überhaupt diese vergeblichkeit, alles fliegt fortwährend heran und schon ist es wieder weg. eben noch war es gegenwart und man steht verdutzt da; anfangs fühlt man sich regelrecht düpiert. dann denkt man, man sollte sich auf gar nichts einlassen, denn es tut weh, es wird gewiss weh tun, denn es bleibt nicht. aber man weiss, so ist die chose, so verhält sie sich.

und dann geht es doch um wenigstens etwas festes oder bleibendes, etwas verlässliches.

der tod setzt die suche danach erst richtig in bewegung. deshalb weiss man, jedes zipfelchen freude hat diesen schwarzen rand, diesen trauerrand, so etwas wie randlose freude erscheint einem utopisch. auch noch aus anderen gründen, die man sich nicht ausdenkt, sondern erlebt.

also wenigstens sowas wie inneren frieden, aber nichts zum einschlafen, eher zum erwachen oder erkennen oder erinnern, längst vergessenes, übersehenes. nichts spektakuläres. eher etwas sehr ruhiges, innerliches, keine show.

deshalb frage ich mich im augenblick, wie ich diesen blog fortsetzen soll, ob überhaupt und wie.

mit leidensexposition errichtet man keine monumente; das sagen hat mit dem erleben nur sehr entfernt  zu tun.  es ist bestenfalls ein widerschein. eine geschichte.

eigentlich geht es nicht um mich, es geht um Marie. es geht darum, wie nah oder fern sie ist. was von ihr bleibt, in mir, und inwiefern das eine bedeutung hat, ausser erinnerung. also die frage, bin ich noch der alte, aus der zeit vor ihr, oder hat es eine veränderung gegeben, der ich mir bewusst werden kann, einen zuwachs (hier halte ich so etwas für legitim). (das ist etwas peinlich, aber der nächste begriff ist dann ein typisch utilitaristischer, was hat es gebracht.)

dieser vorstoss ins unbekannte, an dessen spitze ich nun stehe, wissend, es gibt kein zurück, zusammen dort zu sein wäre  einfacher in dem kalten wind. ein gefühl, als sei ich der sache nicht ganz gewachsen, so allein und wohin weiter. und dann geht man doch, stapft trotzig voran, bis die schwäche einen stoppt. dieses gefühl, ist die stärke auf der strecke geblieben. wie lebt man mit dem eingeständnis der verletzlichkeit. wieviel verträgt man davon. 

anders gesagt, wer ist man. jetzt, danach. hat man etwas gelernt, was hinaus läuft auf, erlebt man den zuwachs, keine schönen reden, gefühlte substanz, die sich beschreiben lässt.

nicht: sie ist weg. sondern: was bleibt. ich kenne kaum eine (offizielle) welterklärung, in der diese frage sinn macht. etwas in mir ist von der frage ganz unberührt, nicht im sinne von gleichgültig, indifferent, etwas beleuchtet all das, alles erlebte steht in diesem licht. also gibt es doch eine art öffnung.

morgen fahre ich zu einem workshop, der heisst „cleaning the house“.

6 Gedanken zu “„cleaning the house“

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