streifzüge

mit grossem genuss drei sachen gelesen, das neue buch von Handke (auf einem seltsamen rachefeldzug), Karl-Heinz Ott über „Hölderlins Geister“, zeitgenossen, geistesverwandte, solche, die das auch fälschlicherweise annahmen, seltsame nachbarschaften (vereinnahmung von rechts), eine reiseflucht von aperçus, amüsant und ironisch (ich kann Ott nicht überall hin folgen) und nicht zuletzt Andreas Rumlers buch über Brecht und Feuchtwanger im Exil („Brecht“: der name einer literarischen produktionswerkstatt mit vielen beteiligten).

da ich keinem zeitrahmen folgen muss,  führt die lektüre in die nächte hinein, bis es nicht mehr geht. bewegte träume daraufhin, meine geschichte in fremdem gewand, lektürennachhall.

gestern in der sonne hinunter ins zentrum durch die parks der stadt und von dort unter der brücke ins baustellenviertel, ein wenig wind hatte die strassen geleert, aber es war nur halb so wild. nach dem café an meinem lieblingsort in der kleinen seitenstrasse dann hinaus in den regenbeginn und von dort eiligen schrittes, aber doch nicht panisch, es war schon kein nieseln mehr, in die neuen läden am boulevard über vier stockwerke, zum einkauf eines regenschirms, sturmsicher, sagte mir die verkäuferin, und nun voller erwartung in den kräftigen regen mit sturmböen an den kreuzungen, am glacis musste ich definitiv den schirm einklappen, der wind riss ihn weg und nun gemessenen schrittes (im regen, mittel bis stark) den weg hoch nachhause, bis die einkaufstüten aufgeweicht waren und ich den inhalt vom gehweg aufklauben musste.

bei solchen gelegenheiten stelle ich fest, dass ich ein alt gewordenes kind bin, es freute mich, als ich den schirm in sicherheit bringen musste, nun stand fest, ich würde richtig schön nass werden und als der regen mir heftig ins gesicht fuhr und die hose durchnässt war, musste ich lachen, herzhaft lachen. es war unwiderstehlich. so wie jüngst, als es schneite und ich den gehsteig räumte.  es begann als gluckerndes lachen im bauch, dann stieg es hoch und ich lachte, dass es mir fast das gesicht zerriss, reine freude über den schnee, nach dem ich mich gesehnt hatte. 

erinnerung an eine rätselhafte frau, im traum, ist es ein traum, gehen wir durch eine unbekannte landschaft und reden, so sehe ich uns.

beim flanieren durch die stadt die freude an allem gesehenen, am schauen selber, am gehen, an allen begegnungen, an allen gesichtern.

baustellenverfremdungseffekt.

die stadt wirkte fast unbekannt, neue wege ergeben nicht gekannte perspektiven und verwunderung, war ich schon mal hier, so, auf die weise.

wenn jemand in einem buch das leidlich bekannte nicht unter einem mir noch  fremden blickwinkel zeigt, dann klappe ich das buch zu. das geistige als landschaft, in die man hinein geht und überm gehen weitet sie sich. manchmal auch wie bei der lektüre von Ott, ein weiter heller  flur mit fast unendlich viel türen und an jeder eine freudige spannung, was befindet sich dahinter.

in der zeitung das interview mit Myriam Leroy („Les yeux rouges“) und dort die versicherung, sie komme seit einem jahr ganz gut ohne die sozialen netzwerke aus. klingt doch hoffnungsvoll oder?

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