zunehmende unordnung

leicht bewegtes grau und eine kleine aufhellung auf den horizont zu. es nieselt. gegen halbacht ist alles noch sehr still.

die wundersame geschichtes des engländers, der den Japanern die Kirschblüte zurückbrachte„. eine abseitigere lektüre ist fast nicht auszudenken, wie ein traum von insel und meer, so entfernt, aber die beschreibung von Naoko Abe führt ins zentrum der dinge zurück, zu einer verbohrten aggressiven ideologie, die in eine katastrophe mündet.

und selbst die bande dessinée, die ich (fast) zufällig) in dem neuen laden heraus gegriffen habe, erzählt von viren, einer neuartigen impfung, in die adn eingebaut, welche die spezies schliesslich fast ausrottet, aber dann doch einige kinder verschont und diese, da nun allein, fallen zurück in alte zeiten.

das war als evasion igemeint, wurde aber schliesslich zur begleitmelodie der „zweiten welle“, die, wenn mich nicht alles täuscht, gerade rollt und leichte panik in die stimmen bringt.

gestern nacht gröhlte und lärmte eine bande jugendlicher in der nachbarschaft für kurze zeit und auch sonstwo gibt es anscheinend ein wenig jugendanarchie und unbotmässigkeit,

die ruft wohlmeinende auf den plan.

das durchschnittsalter lag vor tagen noch bei 44, hat aber nun die 35 erreicht. auf der strasse hat mich eine jüngere passantin etwas kritisch gemustert, so à la „was macht der greis denn noch hier draussen“, in der freien wildbahn multiplizieren sich die maskenträger, die maske hängt unter dem kinn, des öfteren auch – leicht obszön – unter der nase. die grenzen schliessen sich wieder um den hotspot, die urlaubsreise wackelt, auf den balearen haben sie bars und lokale dicht gemacht. einer kommentiert hämisch, die weissen letzeboia dürften nun nicht mehr im suv ins nahe ausland vorstossen, er findet, sie verdienten eine demutslektion.

langsam geraten wir in mythische gefilde, corona pandemie, die geissel gottes.

einige versuchen sich in der debatte über die gefährdung von grundrechten und demokratie. aber die fallzahlen steigen, der verstand schaltet auf sicherheit und kontrolle, der tonfall wird giftig. es war sogar wieder vom pranger die rede und von kennzeichnung der gefährdeten. die frage, ob die polizei nicht doch zuhause nachsehen darf, hängt in der luft.

das wörtchen „nur“ hat konjunktur. und dessen kusine „aber“.

die selbstverständlichkeiten fallen.

die unordnung, die sich als ordnung gebärdet, nimmt zu. das ist kein gutes zeichen. die zahl der gläubigen schwillt an, seltsame kulte werden zelebriert. die sprache wird heimgesucht von kurzschlüssen, einfachste welterklärungen haben trumpf.

wir leiden an einer seltsamen zahlenkrankheit. das mysterium wird undurchdringlich.

was uns noch vereint ist die sehnsucht nach bewegung, am besten weit weg, und weiter noch, dorthin, wo keine hiobsbotschaften uns erreichen, zu fernsten kontinenten, die es nicht mehr gibt.

der traum von der insel hält sich, an ihrem gestade landet keine unruhe an und kein nachricht von irgendwelchen übeln. deshalb lese ich entferntestes, aber auch das wird von kriegen heimgesucht, von beben und konflikten aller art. vom tod auch. wir geben uns gerne vornehm menschlich, mitfühlend, solidarisch, mit gefühl für schönheit. doch wie schnell der lack abblättert und hässlichstes sich breitmacht.

deshalb lese ich die symptome an der einen stelle als repräsentativ für andere stellen, zum beispiel dass diversität abnimmt und nur in schönen reden gewürdigt wird, dass alle zustimmend nicken und im gleichen atemzug mit „aber“ kommen. dass eine denkschiene bevorzugt wird und alles andere suspekt erscheint und gleich verdächtigt wird. dass abweichungen von der linie beschrien werden wie ehemals.

und wundere mich, dass es in den gärten noch blüht in allen erdenklichen farben, grössen und arten, dass grün grün ist, aber mit grossen abweichungen von der norm und vögel zwitschern, dass der himmel grau ist, aber von wolken grauer noch gesprenkelt und die ziehn eilig und dass es regen gibt im nieseln und dann im stärkeren aufklatschen auf dem pflaster, dass hunde bellen und der garten ganz still da steht und die bewegung, wenn es welche gibt, im wind, fast unmerklich ist.

dann sitze ich still da, und selbst wenn ich unter bäumen geh, kann ich es nicht vergessen, denn die unordnung nimmt zu.

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