ein monument für Katzie

gerade hat mich im gefolge der irrungen und wirrungen meiner lektüren (zum beispiel Sylvain Tesson, L’énergie vagabonde) die frage beschäftigt, wie salaud, crapuleux die menschen sein können, und die antwort lautet, natürlich und nicht verwunderlich, sehr, sehr sehr.

obwohl weitere beweise dafür keineswegs nötig sind, fand wieder jemand vor ein paar tagen das gegenteil und inszenierte deswegen den qualvollen tod einer mir gut bekannten, ja, befreundeten Katze.

vergiftet, sagte die tierärztin, die das arme kleine zitternde bündel einschläferte.

Katzie, so wurde das tierchen gerufen (es liess sich nach katzenart natürlich nicht rufen und erschien nach gutdünken, hauptsächlich zur futterzeit) hat niemand je etwas zuleide getan, nicht einmal das, was katzen so zu tun pflegen, weil sie eben katzen sind.

im gegensatz zu Blimmi, der viel jüngeren, machte sie keine jagd auf vögel und deponierte auch keine ziemlich toten mäuse an der haustür, um sich erkenntlich zu zeigen (? – eine kühne hypothese). sie war auch nicht so aufdringlich wie die traumatisierte Blimmi, die unaufhörlich gestreichelt werden will und dazu ausgiebig sabbert. nein, Katzie war diskret (abgesehen von den sehr gelegentlichen häufchen, die sie auf teppichen hinterliess, was ich als protestaktion interpretierte, obwohl mir auch der gedanke nicht fremd ist, dass ein teppich eine luxuriösere bedürfnisanstalt sein kann als ein triviales katzenklo aus plastik mit deckel, immerhin, im Louvre hoben die anscheinend den teppich auf, um danach die geschäfte diskret festzutreten).

Katzie war mir zugetan, nicht nur, wenn es futter gab.

der feige katzenmörder, der Katzie ein qualvolles sterben beschert hat, ist mir unbekannt. irgendjemand nettes aus der nachbarschaft, nehme ich an.

zuerst, das gebe ich ohne weiteres zu, habe ich mir einen raffinierten vergeltungsschlag nach klassischer chinesischer vorlage (孫子, Sūnzi), Die Kunst des Krieges (孫子兵法) vorgestellt. ich habe jedoch schnell von einem rachefeldzug abstand genommen (gegen wen auch?), weil die wut nur die trauer verdeckte.

trauer auch wegen uns, und überhaupt.

(ich verdanke dem katzenmörder nebenbei die erkenntnis, zu welchen rachevorstellungen (inklusive mittelalterlicher daumenschraube) ich fähig bin. ich war etwas erstaunt, andererseits, ich gehöre der gleichen spezies an und wozu die imstande ist, ist bekannt.)

Katzies tod hat mich auch deshalb erschüttert, weil meine enkelinnen nicht verstehen können, dass man katzen vergiften kann. einfach so.

wer sowas tut und ein liebes katzenvieh wie Katzie qualvoll umbringt, muss doch eine sehr arme sau sein. eine sehr sehr arme.

du dumme sau!

das wollte ich doch hier gesagt haben.

S. Tesson, L’énergie vagabonde, p. 1064

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