
sich verzetteln, sich abseits in die büsche schlagen, seine zeit verschwenden,egal was lesen, sagen, aber keineswegs tun. keine sätze wie: die welt sei verrückt geworden. am besten lebt man in einem hexenhaus tief im wald, am besten hört man nicht genau hin, am besten geht man viel zu fuss, am besten. ich meine, zu fuss gehen ist gesund, dagegen ist nichts einzuwenden. am besten redet man nicht über das, was sich als politik ausgibt. am besten besteht man auf seinen rechten. man könnte also theoretisch, rein theoretisch gesprochen, die augen verschliessen, die ohren zustopfen und den mund halten. das könnte man. aber das geschrei ist viel zu laut. nolens volens kriegt man die ganze bescherung mit.
ich sagte zu Baer, hast du etwa schlecht geschlafen. aus seiner tirade war nicht zu schliessen, ob er übermüdet war und zeugs redete oder ob er verärgert war, wegen, na, wegen allem.
die aufregung, sagte Baer, die aufregung wegen allem.
zuerst, sagte baer, haben sie sich hinein ziehen lassen, es wurde gründe angeführt, man weiss nicht, ob es die wirklichen waren und nun stehen sie aufeinmal alleine da.
ich sagte nichts, mich ermüdet die aufregung. hatten die keine ahnung, was auf sie zukommen würde. oder tun sie nur so, als seien sie überrascht. einige fluchen, einige reiben sich die hände. jetzt, wo man langsam und vorsichtig an frühling zu glauben beginnt, da die krokusse gelb und violett den garten sprenkeln, schaue ich lange zu, das müde laub raschelt, ich zähle für mich die variationen von brauntönen auf, versuche mich an wörtern wie fahl, kräftig, verwischt, still, unbeweglich, undsoweiter. ich versuche auszumachen, welche qualität die langsam weichende kälte hat, feucht, spitzig, trocken, windig, sonnig. vorbei die zeit, in der die welt im nebel untertauchte und fast unkenntlich wurde. meine laune variert von völlig niedergeschlagen, gleichgültig, gefasst, moderat optimistisch (ohne weitere gründe), amüsiert (wegen der sinnlosigkeit). man, sage ich dann, fühlt sich gänzlich unbedeutend. nirgendwo ist irgendeine bedeutung zu finden.
ausser vielleicht darin, dass ich nach dem ko schlag der krankheit (welche tut nichts zur sache) aus langeweile wieder mit dem (öffentlichen) schreiben von unerheblichem begonnen habe. viel zeit haben, ohne irgendwelche obligationen, ohne den kleinsten druck : das ist ein zipfel glück. lesen hingegen, über kleinere stücke hinaus, ist noch mühsam, mehrere sachen sind liegen geblieben und haben mich seither noch nicht angelockt. vor zwei tagen bin ich nach wieviel tagen (?einer ewigkeit) wieder im park gewesen und bin lange auf einer bank in der sonne gesessen, reglos wie eine alte eidechse. und nach einiger zeit habe ich mich gefragt, ob ich gerade lächle. ich habe das zuerst für unwahrscheinlich gehalten (an einem tag habe ich mich gefragt, ob die tortur nicht einfach reicht…). ich war ganz in der umgebung drin und gleichzeitig ganz enthoben, ganz leicht und fast schon glücklich. ich habe gedacht, ich möchte mich auch am liebsten hinter zitaten verstecken und ganz erhaben tun, aber dann dachte ich auch, das ist mir zu mühsam. ich habe keine zeit mehr für spielchen.
theo
Ich mag deine schreibe !
michèle
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