StartseiteAbout

About

IMG_1337-2

keine antworten

nur fragen

2. dezember 2020

heute habe ich in alten mails gekramt und eine antwort auf eine frage bekommen, die ich nicht gestellt hatte, nämlich warum der blog so heisst, wie er heisst.

„Hi,

hat mich gefreut, dich zu hören.
und gleichzeitig ist die verständigung etwas komplex. 
menschen leben in kontinuitäten, sie machen etwas fortlaufendes aus ihrem leben, ein gestern, ein heute, ein morgen, wie an einer schnur.
 
manchmal wird man hinaus geschleudert aus diesem, so hofft man, fortlaufenden und mobilisiert seine kräfte, um auf den weg zurück zu gelangen. da ist man allein, selbst mit unterstützung, man greift in den fundus dessen, was man kann, man mobilisiert die reserven.
 
Ich kenne die zurufe, die ermutigungen, die stützenden worte, du hast sie mir in erinnerung gerufen.
 
sie sind gewiss ermutigend, stärkend gemeint.
 
Ich höre sie sehr wohl, aber ich verstehe sie nicht, als verstünde ich die sprache nicht, als ergäben sie in dem neuen land, in das ich geraten bin, keinen rechten sinn, als träfen sie niemand an, als sei da keiner, der sie hört, und doch werden sie gehört.
 
vielleicht ist es ja eine art schleudertrauma, bei dem die geläufigen zurufe ungehört bleiben. denn, wenn es denn eine treffende beschreibung für den zustand gibt, so ist es die: hinaus geschleudert worden sein, etwas reisst ab, das wichtigste reisst ab und kann nicht gekittet werden. und dann verhallen alle sätze, die hinaus laufen auf: nach vorne gehen undsoweiter.
 
es ist unwiderruflich anders, es ist eine andere welt und das klima ist melancholisch, plötzlich wird sichtbar, alles schöne vergeht, es bleibt nichts, sogar erinnerung verblasst, und erinnerung hält nicht, wärmt nicht, es ist leerer und kälter. und alles erinnert an eine intensität und präsenz, die weg ist. ein stück von dir ist weg, da ist nicht das volle leben, das nur auf dich wartet und die vielen möglichkeiten, da ist etwas weg von dir, du bist leichter geworden, leerer, du sitzt oft da und fühlst dem nach, dieser unbeschreiblichen leere und vieles hat gar keinen sinn mehr, keinen attrait, keien appeal. du gehst nun viel mehr aufs detail, auf  das sehr kleine, das sehr flüchtige, das unbedeutende, das bleibende ist weiterhin ein rätsel, bleibt etwas, ich meine jetzt, zu lebzeiten, es ist keine übliche depression, es ist eine existentielle melancholie. du hütest dich vor abrupten bewegungen, du sinnst, du siehst, was das leben ist, sitzen, stehen, gehen, schauen, riechen, hören, tasten, das kannst du überall, manchmal sagst du, ich, aber was das ist, bleibt ein rätsel, wie gesagt mit ihr ist ein grosses stück von dir mit weg, es ist einfach nicht mehr da, die bühne ist leerer, du hast aufeinmal das gefühl, es ist eine bühne, und du hast die lust verloren noch gross rumzuhampeln, wozu auch, du tust, was du tust, es ist keine grosse sache. immer öfter wird dir deutlich, dass es keine frage des sinns ist, es macht keinen sinn, aber was solls, es ist wie meditieren, am besten erwartest du dir gar nichts davon, sonst ist es unerträglich, es ist wie stilles sitzen, manchmal ist es wie musik, ein rhythmus im gehen, eine hand bewegt sich, jemand schaut zu, es ist wie verlangsamt, es ist nicht wichtig, es geschieht einfach, in einer ecke steht ein foto von einer frau, die lächelt, du schaust gerne hin und lächelst auch, sofort lächelst du; 
so ist mein leben jetzt. manchmal lese ich, manchmal schaue ich filme, manchmal gehe ich in den wald, dann koche ich, rede mit leuten, ihr leben weckt mein interesse, dann sitze ich gerne allein in einem zimmer, dann schreibe ich, wie jetzt und schicke es weg und denke an dich, mein lieber Freund.
 
Alles Gute, von Herzen“
 
 
während ich das schrieb, konnte ich mir gar nicht vorstellen, dass auch dieser zustand nicht bleibt.
 
was andauert ist der eindruck einer bewegung im unbekannten, wenigstens im provisorischen. das beständige daran ist eine neue art der neugier. plötzlich ensteht eine bewegung, die kurz vorher noch undenkbar schien. so dass es immer wieder einen aufbruch gibt. aber so, dass die nächste bewegung eine überraschung ist. 
 
man könnte auch sagen, es ist wieder eine offenheit da, eine gespanntheit.
 
aus dem dunkelsten heraus ein aufbruch, immer wieder.
 
nur: in welcher welt?