kleine chronik der laufenden ereignisse

aber nun ran an die bouletten! und: zögern sie etwa mit ihrer meinung? an die öffentlichkeit zu gehen? gar nicht oder doch? doch schon. (kleinlautes gemurmel)

der erste irakkrieg hat 60 milliarden dollar gekostet, war ziemlich kurz, der zweite dauerte und kostete über 1000 milliarden. der autor, der das anführt, sagt, so ein moderner krieg sei nicht zu gewinnen. der andere sagt, die Nato habe Putin dazu gebracht. die dritten sagen, die Ukraine gibts wirklich und die Ukrainer auch und die wollen Selbstbestimmung. man muss waffen liefern, sagen die einen, und sie sagen auch, tue man das nicht, lasse man leute im stich, die auf ihrer selbstbestimmung bestehen. die andern sagen, auf keinen fall, das verlängere nur den krieg. interessant ist (ein unangenehmer ausdruck in diesem kontext), dass in mehreren argumentationen die Ukrainer nicht vorkommen. was die denn nun wollen. wollen die was? einige sagen, die liberalen in der US regierung wollten den krieg so lange am laufen halten wie nur möglich. die andern weisen auf die kriegsgräuel der russischen armee. die dritten reden von jungem kanonenfutter, das unter gefahr alle hemmungen verliert. die vierten führen an, der krieg setze das tötungstabu ausser kraft und öffne damit für alle gräuel tür und tor. die fünften fordern eine diplomatische lösung. die sechsten sagen sleepy Joe habe das aufgegeben. die siebten reden von propaganda (auf beiden seiten) und zensur. sie sagen, die lügen seien recht, wenn sie von der richtigen seite vorgebracht werden.

ist pazifismus tatsächlich mehr als eine sehr schöne moralische attitüde, also tatsächlich wirklich praktikabel, das frage ich mich.

man hat gut argumentieren, wenn man weit vom schuss sitzt. nun gibt es aber den krieg und menschen werden getötet, orte in schutt und asche gelegt und die zivilisten leiden, werden umgebracht, sterben unter bomben. es gibt einen aggressor, das steht fest. es gibt vorwände und es gibt die realität.

ich sage nicht, dass wir hier im westen die guten sind. wir sind grau, auch wenn wir gerne weiss wären. wir reden gerne und viel und einige, so höre ich, lernen heimlich russisch. jemand sagt, auch wir handeln nur nach unseren interessen und die ukrainer sind nur eine nummer in dem spiel. leider.

fest steht, ein autokrat ist ein autokrat, das wort klingt nach mehr und es sieht doch nach diktatur aus. und krieg ist krieg.

dann gibt es noch die geschäfte. sie stehen der eindeutigkeit ein bischen im weg.

ich stelle mir vor, es ist krieg und ich stehe vor der wahl, bleiben oder flüchten und stelle mir dann flüchten vor und exil oder ich stelle mir vor, das haus, in dem ich lebte, gibt es nicht mehr. man muss gestehen, solche vorstellungen funktionieren nicht, ich meine, es sind bloss vorstellungen. für andere hingegen ist das kein vorstellungsspiel.

man möchte doch, dass alles anders wird und sich nichts ändert, nichts wesentliches an der bequemlichkeit. nun fühlt man sich bedroht und aufgescheucht. beim überflug von jagdfliegern zuckt man zusammen.

und dann gibt es noch das ende der welt, das ist, wie ich lese, eine männerdomäne, die den frauen von männern erklärt werden muss, mensplaining im katastrophenmodus. männer als experten des endes, das versteht sich von selber. gerede bis zum ende. das verstehen sie ganz falsch, es ist doch folgendermassen …

inzwischen ist der frühling ausgebrochen und morgens früh tatsächlich noch vogelkonzert in den gärten hinterm haus und sonne, tatsächlich sonne. man schämt sich fast. aber es ist nicht leicht zu vergessen, dass die unordnung gerade zugenommen hat. das ist keineswegs eine gute nachricht.

wenn man den ausdruck taktische atomwaffen hört, stellen sich einem die nackenhaare auf.

dazu diese breitbeinige attitüde und dieser besondere männertyp auf den bildern im fernsehen, da kriegt man ausschlag um den nabel und der kopf beginnt zu jucken. man fragt sich, wie ist es möglich, dass solche typen ans steuerruder gelangt sind. die antwort: eben weil es solche typen sind.

im nachbarland geht es auch gerade wieder um macht, da rudert einer sehr und redet sich um kopf und kragen und rennt, dass die jackenschösse flattern. man kann schon das flattern kriegen, wenn man an die alternative denkt. aufeinmal ist alles fürs volk gemacht worden und auf der andern seite wird alles, aber auch alles fürs volk gemacht werden. das erinnert mich an die zeiten, in der noch als witz und schelmerei betrachtet wurde, wenn man die kinder in den laden schickte, auf ein kilo haumichblau. man versichert mir, dass das neoliberale nicht nur vestimentär eleganter ist. aber die zweifel nagen doch sehr.

sonst wie gesagt, keine schöneren aussichten und nachrichten, ausser dem frühling, wie gesagt, mit allem drum und dran, farbenexplosion und das unnachahmliche frühlingsgrün, da wird mir im wald weich in den knien, und das vogelgezwitscher beim aufwachen und die laueren abende, aber wie gesagt mit beklemmung, ob das nochmal gut geht.

nicht nur bei der ostereiersuche im frühlingsgarten.

aha, sie haben noch nie an den osterhasen geglaubt? ich schon, als kleiner junge habe ich dann gemerkt, in den legenden der grossen ist das der eigentliche schwachpunkt, da ist im gefolge das ganze gebäude der schönen fabeln eingestürzt. eine desillusionierung ohnegleichen, aber ein beglückender erkenntniszuwachs. die erste süsse frucht vom baum der erkenntnis.

ich habe tatsächlich angst, mich in meinem urteil zu irren.

ist menschlich oder?

aber kein trost. ( das war das schlusswort von Baer)

Ein Gedanke zu “kleine chronik der laufenden ereignisse

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