ça bouge dehors

 

Ed Ruscha 1963

es regnet, hecken und bäume tanzen dazu, zwei autos rauschen eher sanft vorbei, es ist sonntagmorgen, ferne geräusche im haus, noch ferner alle gedanken an irgendwas nützliches tun, am besten ist es unnütz. gestern abend mitten in der lektüre von „Stille“, eines schmalen büchelchens des norwegischen abenteurers Erling Kagge, der wissen muss, wovon er redet, er war zum südpol und nordpol, zum everest und in den untergründen von ny unterwegs, spüre ich den steigenden drang mich auf den laptop zu werfen und weg mit irgendeinem unerheblichen scheiss.

mich inspiriert das kleine büchelchen, einfacher weisser einband, insel verlag und keine dummen sprüche, keine meinungen über irgendwas, keine sogenannte geschichte, die irgendein drame sordide enthalten muss. darunter geht es offensichtlich nicht mehr. dabei sind es die kleinen „dramen“, die das leben ausmachen und darüber entscheiden, wie man lebt oder das leben eben verpasst. aber der drang sich abzulenken, weg von sich, nur weg weg weg, das kommt mir vertraut vor, da ist die rede über uns über mich. und dann das seltsame experiment mit 15 minuten stille in einem raum ohne irgendeine ablenkung, ruhig auf einem stuhl, anscheinend halten die meisten das gar nicht aus, flüchten lieber vor sich selber, haben angst vor sich oder der leere ihres lebens, dem memento, das in der stille aufsteigt, lebst du oder schmeisst du dich gerade weg. und dann: aus der distanz sehen viele unserer allerwichtigsten tätigkeiten belanglos aus, unwichtig. sodann die langeweile…

heute morgen erwache ich mit einem verstörenden anziehenden traum von einem stärkeren leben, nicht unbedingt einem, das gefüllt ist mit allem möglichen, nicht mehr von diesem oder jenem, jenem vielleicht doch, vor allem aber mit stille, „die welt aussperren“ nennt Erling Kagge das, er meint nicht weltflucht, er meint eher die ablenkung, die zerstreuung, die flucht vor sich selber und deshalb vor dem moment présent.

nein, hat etwa jemand gemeint, es sei ein beratungsbuch, nein, er redet über sich und deshalb über uns, über mich vor allem, ich mische mich nicht gerne in das leben anderer ein.

stille kostet ein wenig mühe, die stille in sich suchen, das strebt er an und wenn ich sein buch lese, dann breitet sie sich aus – in mir.

zuerst der eindruck, wenn man sich dem eigenen zuwendet, man fällt ins nichts, die fülle sucht man lieber ausserhalb, in den hunderttausend dingen der welt, aber in sich? das chaos der random und weniger random gedanken, die gefühle, die habits, die schlechten und die guten, die ganze konfiguration, die wahrnehmung des körpers, die aussengeräusche, der impuls, weg davon, hin zum schirm, zu den nachrichten, zu irgendeinem belanglosen streifen auf nixflitz, das habe ich überdeutlich gestern gespürt. dazwischen gedanken an den eigenen tod, an die verpassten momente, das bewusstlos vergangene leben, die leeren tage, ausgefüllt mit automatismen, das bedauern, die angst letztendlich nicht ohne angst sterben zu können, weil alles wesentliche verpasst.

 

es ist tatsächlich mühe, es geht nicht von selber, das wegwerfen liegt einem offensichtlich mehr, fällt einem leichter, es ist arbeit, vielleicht die einzig wichtige.

und dann, ein zipfel frieden, beruhigung, l’accès de panique se dissipe comme un brouillard qui a caché le paysage interne, das leben mit sich selber, keine ausflucht, dort sei sowieso nichts zu finden.

das herz klopft, in den händen prickelt es, die beruhigung treibt die schönheit hervor, ein strauch mit gelben bLättern im wind, das rostrot einer hecke, grüne rasenflecken davor, schritte in der treppe und das abgefederte zuklappen der haustür, ferne glockenschläge, das geräusch von fingern auf einer tastatur, besänftigung durch das schreiben, sätze, die niemand zu lesen bekommt, das gewiss.

jemand fragt mich, ob längeres sprechen über tod, krankheit und sterben mich zu stark berührt.

zwischendurch denke ich an Marie, die vor zwei jahren noch sieben tage zu leben hatte und dann erlosch wie eine kerze im wind, flackernd.

ich denke daran, ob ich gerade meine leben verschwende; mit wievielen regrets ich mich herum schleppe, ob ich Marie genug geliebt habe, ob ich überhaupt noch zu lieben fähig bin, ob ich müde werde, überdruss empfinde, wenn ich die zeitung aufschlage.

ich halte mich auf dem laufenden, aber vieles ist bloss noch affairismus, mode, kurzlebig, sprücheklopferei, geräuschvolles getue über innerer leere.

ich stelle fest, wie wichtig kunst mir ist, wie sehr ich nach schönheit dürste und oft in der stadt am verdursten bin vor dem egalwas, das mir entgegen kommt.

ich werde jetzt ein wenig weiter lesen in meinem buch über stille, ich schätze abenteurer sehr, leute, die es wissen wollen.

danach werde ich den wald aufsuchen und mit den bäumen reden.

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„ma soeur, mon épouse“

 

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vermissen, to miss someone sadly, im französischen finde ich nicht sofort ein entsprechend starkes verb, das mein gefühl auch nur annähernd erfasst, ressentir l’absence de quelqu’un klingt ein wenig fade, tu me manques trifft allerdings den punkt, du fehlst mir, nicht nur hier und da, manchmal oder gelegentlich, nein, du fehlst grundsätzlich und in allem und ich sinke, mein schiff voller regrets, voller ich vermisse dich, und wie gesagt, nach zwei jahren ist man (ich) über gar nichts hinweg.

man tut sachen, hält sich einigermassen fit, fängt nicht an zu trinken, man kokst nicht, man kifft nicht und haut sich trotzdem weg und zerstreut sich in alle winde.

dass man nach all den jahren noch immer nicht weiss, wer man ist, dass man zögert, wenn man den namen hört, aber trotz aller einwände der neurowissenschaft gegen selbst und ich hat man den eindruck, man ist etwas auf der spur, das heisst etwa ich oder jemand, auch wenn man nach all den jahren doch rätselt, wer ist es denn.

man schimpft sich manchmal: alter sack, vieux reptile, vieille charogne, man ist gelegentlich wütend, weil man die gesellschaft schon so lange erträgt und sich noch immer nicht wirklich gewöhnt hat, man wäre immer noch gerne anders, besser, weiser und witziger, aber eins hält man sich jedenfalls zugute, dass man ihr begegnete und wie elektrisch das leben plötzlich war, wie es funkelte, wie es schön war und intensiv, wie es schmerzte, so schön war es, so intensiv, so überhaupt nicht alltäglich, so aussergewöhnlich und unerwartet.

gewohnt, nicht gewöhnlich wurde ihre anwesenheit, sie blieb: spannend, farbig und intensiv, ein schmerz manchmal und meist eine freude, aber eine, die  in die knochen fährt, und die herausforderung, was kommt als nächstes, die freudige überraschung als eine person und dann der schmerz des weggehens ebenfalls  als eine person und der abschied und das ende sowieso.

vor einigen tagen fiel mir beim umräumen meiner kleinen bibliothek ein buch in die hand, dessen titel mich unerwartet traf. Es handelt sich um die Lou Andreas-Salomé biografie des Literaturwissenschaftlers H. F. Peters aus dem Jahre 1962, zuerst auf englisch erschienen.

die ausgabe, die vor mir liegt, trägt auf dem vorsatzpapier den vermerk Marie Z., 15.1.79in der gallimard taschenbuchausgabe ist der druck so winzig, dass ich nach wenigen zeilen mit dem lesen passen muss. 

ma soeur, mon épouse.

auf dem rückdeckel wird Lou Andreas-Salomé zitiert, sie schreibt (über ihre Beziehung zu Rilke):

„Je fus ta femme pendant des années parce que tu fus la première réalité, où l’homme et le corps sont indiscernables l’un de l’autre, fait incontestable de la vie même (…). Nous étions frère et soeur, mais comme dans ce passé lointain, avant que le mariage entre frère et soeur ne devienne sacrilège.“

Muss ich sagen, dass Lou Andreas-Salomé in der galerie der frauen, die Marie verehrte, einen besonderen platz einnahm.

Ich habe mir  das buch antiquarisch in der originalausgabe (mit grösserem druck) bestellt.

bedauern tu ich mich nicht.

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von Françoise Giroud, Fayard 2002 (aus Marie’s Bibliothek)

infinity royal oder Marie

unaufhaltsam der fortschritt, infinity royal belval, expansion, ausdehnung, landfressend, wachstum, markt, dynamisch, jung, das neue Grosskleinstein. vor allem aber infinity, hoch hinaus und ewig, das vor allem, ewig und unsterblich.

ich lese zeitung und die namen stossen mir später auf. et je les régurgite. das schiesst aus dem boden wie pilze, das vermehrt sich so schnell wie geld, das geld heckt. konkurrenz sodann, das hatte ich ganz vergessen, markt, überhaupt markt und frei.

mich beeindruckt seit gestern das pamphlet von François Sureau, Sans la liberté  (trotz seiner ausblendung wirtschaftlich-sozialer gegebenheiten).

so hier, royal belval infinity, kein widerspruch bitte, widerspruch ist nicht dekorativ, sondern: unbequem, überhaupt die toleranz für widerspruch, denn ohne den widerspruch kann freiheit nicht existieren, risiko, abenteuer, das sind die eigentlich belebenden begriffe, die mit freiheit verschwistert sind, es sei denn unter freiheit versteht man nur noch die freiheit, seine haut  möglichst teuer zu markte zu tragen und die freiheit zu kaufen, alles, soweit das geld reicht, sonst drückt man sich halt die nase platt an den schaufenstern der warenwelt.

der staat, so lese ich bei Sureau, ist immer eine freiheitsfressende, einschränkende instanz, sicherheit vor freiheit, nur kein risiko, der bürger und wähler verwandelt sich in einen kunden, der allerdings die natur des staates verkennt. es ist nicht der staat, der die freiheit verteidigt.

ich denke nur so nebenbei an die vermehrung von cameras, kompatibel mit software fûr gesichtserkennung, man lauscht sehr lange in die politische landschaft hinein, bevor man einen protest hört, sicherheit vor freiheit, es dürfe die arbeit der polizei nicht einschränken, sagte kürzlich einmal der polizeiminister, da war ich perplex, soll das gesetz nicht gerade das tun, dieser arbeit einen rahmen geben, der den bürger vor übergriffen schützt, es wäre fûr die polizeiarbeit sicher einfacher, über jeden bürger eine datei anlegen zu dürfen. (inzwischen gibt es bei uns allerdings mehr einwohner als bürger, mehr angestellte als einwohner etc., also auch für die? und alles andere eine einschränkung?)

mir wird echt bange bei solchen verbalen ungenauigkeiten. was ist eine einschränkung? und welche einschränkung der freiheit ist gerechtfertigt?

ich höre, es wird angeraten, sich mit kritik zurück zu halten, gewisse fragen bitte nicht zu stellen, das stört die kommunikative landschaft, hier ist doch alles einschaltquote, kein markt für kritik, zu spitze, es darf nicht weh tun. es ist nicht dekorativ, nicht royal belval infinity. solange das geschäft läuft, was kann man mehr wollen.

er ist dagegen, das steht fest.

nein, er ist nicht dagegen, und was heisst schon dagegen, das würde erstens nichts an den tatsachen ändern, die gerade geschaffen werden, und weil es doch nichts ändert, trägt es zu meinem wohlbefinden nichts bei, im gegenteil. aber ich beobachte, schaue zu und verständige mich mit mir selber über das wahrgenommene, ich will immer noch wissen, wo ich lebe, prüfe sätze aus meiner lieblingsserie, je mehr sich alles ändert, desto mehr bleibt dasselbe, es ist tatsächlich previsibel und schön ist dann doch noch eine andere kategorie, die sich gerade entzieht.

da ich in einem eher ruhigen teil meines stadtviertels lebe, dessen expansives profitpotential sehr begrenzt ist, denke ich nur jeden tag zweimal daran, ob ich nicht doch lieber aufs land ziehen soll, wo ich mit den bäumen reden kann, beim aufstehen schon.

es tut mir auch nicht leid zu sagen, dass ich beim anblick der neuen royal belval infinity jedes mal unweigerlich an Marie denken muss, die es am ende nicht mehr in der stadt ausgehalten hat, sie wollte aufs land, da hat infinty noch eine andere qualität, da kann man nachts noch in den sternenhimmel schauen und sich vorstellen, dass man keineswegs einsam in der weite herum schwebt, was danach einiges hier unten, besonders den gewinnverengten scheuklappenblick, doch enorm relativiert. sie hat dem umzug an den waldrand dann doch die infinity vorgezogen.

was ist dann mit schmerz.

ich kann nicht behaupten, dass das neoexpansive grosskleinsteinstein keine eher unangenehmen, also doch etwas schmerzlichen gefühle hervor ruft. ich schaue mich dann immer um, als sei Marie noch da, der ich zunicken kann, worte sind schon gesagt, das komplizenhafte kopfnicken genügt, die intime kumpanei fehlt mir enorm. im zweifelsfall wurde sie mit ausführlicheren gedanken unterfüttert. auch das fehlt.

jüngst stand ich am fenster in unserem alten haus und erblickte aufeinmal die runde schönheit unseres gemeinsamen lebens in haus und garten und sträuchern und bäumen und ihr wesen kam mir als das entgegen, was ich erblickte. es ist ein fragment geblieben und doch rund und eine reine freude. und dann kam der schmerz, dass es das nun nicht mehr gibt. aber man kann es sagen.

und auch das ist schon gesagt und  besser und deshalb setze ich den text und die vertonung hierher:

Nänie

Auch das Schöne muß sterben! Das Menschen und Götter bezwinget,
Nicht die eherne Brust rührt es des stygischen Zeus.
Einmal nur erweichte die Liebe den Schattenbeherrscher,
Und an der Schwelle noch, streng, rief er zurück sein Geschenk.
Nicht stillt Aphrodite dem schönen Knaben die Wunde,
Die in den zierlichen Leib grausam der Eber geritzt.
Nicht errettet den göttlichen Held die unsterbliche Mutter,
Wann er, am skäischen Tor fallend, sein Schicksal erfüllt.
Aber sie steigt aus dem Meer mit allen Töchtern des Nereus,
Und die Klage hebt an um den verherrlichten Sohn.
Siehe! Da weinen die Götter, es weinen die Göttinnen alle,
Daß das Schöne vergeht, daß das Vollkommene stirbt.
Auch ein Klaglied zu sein im Mund der Geliebten, ist herrlich;
Denn das Gemeine geht klanglos zum Orkus hinab.

Friedrich Schiller

des mots pour tout oder auf der flucht

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mehrere sachen liegen auf dem tisch, über die was zu sagen sich lohnt, die einen sind schon gepriesen, die andern bedanken sich und das dritte buch ist bereits 2011 erschienen und ich habe es erst jetzt gelesen. ich rede von Anne Schmitts Rêves vus et corps érigés mit den bildern von Moritz Ney, ein sehr apartes buch übrigens, um es gleich zu sagen, sodann Christoph Ransmayrs Arznei gegen die Sterblichkeit und Malinois von Lukas Bärfuss. dass ich auch den neuen Enzensberger lese und Als ich jung war von Gstrein, kann ich gleich mitbeichten.

ich muss den rezensionen und kommentaren nichts hinzufügen, das ist eine erleichterung, und ich möchte meine leseerlebnisse auch nicht zerreden, es ist kein hauptseminar, es wird keine arbeit darüber geschrieben, die dann in einem archiv neben anderen arbeiten landet, und ich behalte es sowieso am liebsten für mich, bewache meine lektüre als begegnung mit den autoren eifersüchtig, das geht niemand was an, es gehört alleine mir, auch wenn andere die gleichen bücher lesen, ist es doch nicht dasselbe.

andererseits weiss ich gar nicht, warum ich lese. und ausgerechnet diese bücher. und ob das erzählen, wie Ransmayr schreibt, tatsächlich eine arznei gegen die sterblichkeit ist, weiss ich nicht. „Allez, parle, toi tu as des mots pour tout.“, fordert Jean in der geschichte after the road von Anne Schmitt.

macht das den unterschied, die sucht auf alles erlebte wörter zu setzen, entfernt es sich dann nicht, statt sich deutlicher zu zeigen, ist es nicht gerade auf der flucht davor.

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Paula Garcia, noise body series

eine feine skulptur ist after the road  geworden. die beziehung zwischen zwei leuten beginnt und hört in dem beginn schon wieder auf, ist und ist auch nicht, löst sich auf, verschwimmt schon von anfang an in eine rätselhafte bewegung und wirkt deshalb wie etwas sehr kostbares, das sich entzieht, undeutlich wird wie auch die geschichte des nicht mehr existierenden cafés im tal der stadt, Jo, sot de Lenin, aber es kommt noch ein fernes gemurmel herüber, und zugleich entfernt es sich noch mehr, wird ganz unwirklich. aber das ist die tendenz in allen geschichten Anne Schmitts, dieses gleiten vom handfesten ins unwirkliche, ja, surreale oder der schnelle wechsel von orten, zeiten, figuren, blurred lines, verwischte spuren letzendlich, aber keine nostalgie deswegen, eine ahnung, dass etwas war, aber die tür des cafés, das es nicht mehr gibt, klappt einen moment auf, ein redeschwall dringt heraus, explodiert fast, umsturz, stimmengewirr, rauch und abgestandenes bier, der grosse blonde lacht noch ein letztes mal spöttisch, sarkastisch und schaut dabei sein gegenüber etwas lauernd an, als wolle er ihn oder sie auf die probe stellen, aber das ahnt man mehr, als dass man es genau sieht durch die halb geöffnete tür, denn die schliesst sich gleich wieder mit einem dumpfen knall.

Moritz Ney

tergiversation

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Marlene Steyn, Galerie Dys, Brussels

neugier ist eine zier, finde ich, aber sie kann verstörende resultate hervor bringen (ich meine nicht einen besuch auf der artweek, in der kunstépicerie, in der man dies aber auch das erwerben kann, immerhin sind drei namen und werke mir im gedächtnis geblieben, starke sachen von Reiny Rizzi-Gruhlke, Jim Peiffer und Marlene Steyn, Galerie Dys, Bruxelles).

manchmal sind die fronten undeutlich, manchmal überdeutlich und doch verwirrend im verlauf. mehr als eine meinung kann man sich nicht leisten, sagte jemand, und die wackelt schon von anbeginn an, man weiss, meinung ist nicht sicherheit.

(à propos artweek: anscheinend, so sehe ich in der zeitung, habe ich den gleichen geschmack wie Premier und Monarch, ehrlich, nun bin ich etwas geniert.)

das leben in der ungewissheit hat seine vorteile, aber es geht dort nicht zu wie in einem cosy wohnzimmer mit der überbequemen liegecouch, in der man versackt, couch potato.

nach der hyperaktiven phase des nachsommers, nach ausflügen in die welt, darunter berge, meer, gärten und hospital (eine kleinere reparatur), dachte ich, jetzt kommt der spätherbst und der winter und machen wirs uns doch gemütlich, aber gemütlich wurde es nicht.

ich frage mich schon die ganze zeit, was verunsichert dich so, was verwirrt dich, was bringt dich auf.

dann lese ich die zeitung, façon de parler, und schaue wie in einen spiegel, chaotisches, aber hier ist die welt noch in ordnung, ich meine grosskleinstein als ruhender nabel der welt?

manchmal lese ich meine einträge wie die eines fremden: dass man bei „kämpfen gegen“ riskiert so zu werden wie das bekämpfte ist noch kein grund, es sein zu lassen. (soll man etwa jeden scheiss durchgehen lassen.)

(redlicher war dann schon die gruppenausstellung des CAL, aber auch gemächlicher, zu „schön“ im ganzen, zu harmlos, als habe man das beunruhigendere, unbequemere hinaus curatiert. aber es gab bemerkenswertes.)

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ich fühle mich verletzt, das ist ein tier, das sich in seine höhle verkriecht.

immer wieder alarmierendes, das mich aufscheucht, dann wieder etwas anderes, noch erschreckenderes, jemand schreibt, die instabilität ist das kennzeichen des zeitalters, änderung ist nicht in sicht. alles im umbruch.

ich spüre mich selber wackelig und es ist nicht das alter. als gehe der zeitwind durch mich durch. etwas entblättert fühle ich mich tatsächlich, etwas oder ganz ratlos, desorientiert, à quel saint me vouer, woran kann man sich halten. (ich habe einstellungen, ansichten, überzeugungen, aber seltsamerweise geben sie nicht den halt, den ich meine.)

dann der gedanke, eine art kehrtwendung vielmehr: also halte ich mich an die ungewissheit, das verlässlichste heute, ein paradox, aber was solls und ambivalenzen gibt es zuhauf und auch die sehnsucht nach eindeutigkeit.

ich richte mich darin häuslich ein.

Illustration aus:Sebastian Brant, Das Narrenschyff

 

„Lass dir nichts aufschwatzen.“ Gespräche mit einer Toten

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angenommen man schreibt wieder was, welche (selbst) blossstellung käme in frage?

meine Gespräche mit einer Toten? da sie nonverbal verlaufen mit ausnahme von einigen interjektionen, erstaunten oder schockierten ausrufen wie aah oder ooh oder meinst du, tatsächlich, ja, so kann man es auch sehenund sonst? ein gewoge von bildern, teils abtrakter natur, teils sehr figurativ, oft gesichter und auch ihres von ferne.

der spinnt jetzt total.

ja, das ist eine meiner besten eigenschaften.

und weiter.

so persönlich wie nur möglich.

ich scheue die öffentlichen diskussionen, in denen es um rechthaben und nicht um wahrheit oder besser noch erkennen geht, ich scheue auch die „kämpfe gegen“, erstens bezweifle ich die wirksamkeit oder geht es nur noch darum leute zum schweigen zu bringen, weil sie und ihre meinungen einem nicht in den kram passen und zwar noch weit vor dem punkt, wo die heute locker sitzenden begriffe wie reaktionär, faschist, etc. am platze sind. die aufgeregtheit verjagt mich und die gewissheit, dass man historisch und insgesamt betrachtet die richtige seite gewählt hat. jemand hat mal gesagt, dass man aufpassen sollte, dem bekämpften nicht ähnlich zu werden. jedenfalls haben bei mir angriffe die wirkung, dass ich in meinen ansichten bestärkt werde. und andere, mir liebe, erst gar nicht ausbreite.

ich bin mir bewusst, dass ich gerne glauben würde, ganz kindlich, aber ich habe mich erzogen, dem zu widerstehen. allerdings glaube ich dann auch gar nichts, auch keine wissenschaftlichen glaubenssätze.

dass etwas funktioniert, ist noch kein wahrheitserweis. heute krankt die wissenschaft sehr oft daran, dass sie auf sehr wackeligen erkenntnistheoretischen grundlagen steht, oft verdecken griffige begriffe untiefen und erklärungslöcher und der kaiser ist doch nackt. mir gefällt ausserdem auch nicht, dass es meist nur um die beherrschung der natur geht und nicht um erkenntnis.

eine erkenntnistheorie, in der tod nicht vorkommt, erscheint mir wackelig.

viele gespräche, die ich führe, viele beiträge und sogenannte diskussionen, die ich verfolge, verwischen die grenzen zwischen erfahrung und theoretischen annahmen, bringen glaubenssätze ins spiel und taufen sie um zu fakten und bewiesenem. wenn eine mehrheit etwas glaubt, ist es wahr? es ist ein wust, den man zuerst sortieren müsste, um klar zu sehen, aber vorher ist der austausch oder schlagabtausch meist schon zu ende.

vielleicht müsste man doch mit einer neufassung der begriffe anfangen.

ich komme mir oft dumm vor, weil ich im gegensatz zu anderen, die es öffentlich kundtun, so wenig gewissheiten haben. ich veranstalte experimente, trage gedanken anderer mit mir herum und obwohl sie sich so geschlossen geben, tauchen mit der zeit zweifel auf. das kann auch weh tun, denn man ist doch auf gewissheiten aus.

manchmal denke ich, behaupte doch mal einer die metaphysik sei auf dem absteigenden ast und ich meine nicht etwa die theologie oder die esoterik, von der die kritiker oft auch nur eine sehr bescheidene ahnung haben. wissenschaft ist oft auch eine art esoterik, eine hermetik für eingeweihte, realität eingedampft auf eine mathematische formel.

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bekenntnisse ersetzen die auseinandersetzung. allerdings muss ich zugeben, dass das feurige mir lieber ist als das lauwarme. was am lautesten daher kommt, muss deshalb nicht wahrer sein.

wenn minderheiten ihre rechte einfordern, finde ich das meist sympathisch, aber ich nehme an, dass selbst anliegen mit einer gewissen sprengkraft, die nicht im zusammenhang des gesellschaftlichen ganzen gedacht werden, ohne weiteres integriert werden können, marktförmig werden.

was ich an den gender theorien (trotzdem) so bemerkenswert finde, ist die radikale wendung zum indiviuum, zu seiner freiheit und unabhängigkeit, sie befreien das individuum tendentiell aus seinen rollen, die es aufgezwungen bekommt. die neue unübersichtlichkeit ist deshalb wohltuend.

und dann sind wir bei den triebkräften, meinem augenblicklichen dada. dieses dada hat zur grundlage meine eigene unbändige tendenz zu freiheit und unabhängigleit (neben verbindung und verbundenheit, nähe). deshalb suche  ich diese triebkräfte mit vorliebe in der geschichte auf, was selbstverständlich eine art voreingenommenheit und parteilichkeit ins spiel bringt,  der postmodernen geschichtsschreibung zuwider. (aber das ist kein wunder, denn ich nehme zum beispiel auch an, dass man die gegenwart nicht aus der vergangenheit erklären, aber dass die gegenwart ein erhellendes licht auf die vergangenheit wirft, da man aufeinmal versteht, worauf die chose hinauslief, zum beispiel das sogenannte selbstbestimmungsrecht der völker statt das selbstbestimmungsrecht des individuums, aus dem sich der „rest“ ergibt, dies aus aktuellen gründen.)

ich komme zurück auf meine gespräche mit einer toten. darin wird, nonverbal wie gesagt und ich traue mir nur unter starken bedenken eine übersetzung zu, oft davon gehandelt, dass angesichts des neuen glaubensdrucks (ich rede nicht von religiösen vereinen, sekten, auch politischen, wie das neue bräunlich geränderte nationale in vielen spielarten oder das neoliberale oder der finanzfetischismus) zwar keine universale bildung und fachkenntnis mehr möglich ist, aus naheliegenden gründen, hingegen  doch die fundierte ausbildung eines soliden urteilsvermögens. autorität, wenn überhaupt, kann doch nur noch funktional und sehr zeitlich begrenzt wirken, nicht aber strukturell, da müssten sich doch heute die nackenhaare vor sträuben. vor herrschaft sowieso und macht. weswegen auch das parlamentarisch-demokratische nicht deswegen geschont werden darf, weil es unter beschuss ist. eine demokratie, die sich nicht weiterentwickelt und ich meine mit dem begriff, die entscheidungsstrukturen und den stellenwert des individuums darin, ist notwendig auf dem rückmarsch und das lässt sich beobachten, wenn man denn sehend sein will. weswegen dann auch die verteidigungslinien so fragil sind und die autoritären sirenengesänge so unwiderstehlich, dass der aufsteigende modergestank nicht wahrgenommen wird.

die linken reden gerne von umständen und bestimmtheiten, aber ich schätze ebenfalls die alte liberale idee, dass unmündigkeit auch immer selbstverschuldet ist (und heute sind, bei dem aktuellen grad von möglicher information und bildung, die möglichkeiten individueller emanzipation grösser denn je, potentiell, wie auch die möglichkeiten der selbstvernebelung exponentiell angestiegen sind.)

was ich mit meiner toten berede: eben das und ketzergedanken. die bedeutung des todes im ganzen, die wirkungsweise der toten, die esoterischen und metaphysischen aspekte wissenschaftlicher interpretationen, weltbilder und ihre gültigkeit und, immer anwesend im hintergrund, der unstillbare drang nach (selbst) erkenntnis.

methodisch sind wir opportunistisch, will sagen, wir haben keine skrupel, dünnes eis zu betreten. auf diesem weg ist jede hilfe recht.

zum beispiel auch wiederholt dies: klimawandel ist, radikal verstanden, eine grundlagen krise, die krise eines weltbildes, wir nehmen in unseren auseinandersetzungen nicht an, dass die krise auf der grundlage des alten weltbildes gelöst werden kann.

gerade herrscht der skorpion, eine janusförmige konstellation, also samhain, altes bricht weg, neues kündigt sich an, auf der hecke zwischen beidem reitend, bekommt man ein mulmiges hexenhaftes gefühl. mein tarotdeck zeigt den tod, auch er zweideutig:  ende und neubeginn. gartenhäuser implodieren. wir spielen mit bildern und symbolischen annäherungen, haben wir auch zu ihren lebzeiten schon gemacht.

„ich lasse mir nicht vorschreiben, wie ich denken soll.“ „lass dir nichts aufschwatzen.“ (tenor des heutigen gesprächs mit meiner toten)

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samhain

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seltsame träume, wolkige formationen als landschaft, freundliches, etwas scheint rund zu werden.

ich kann mich im speziellen an kein bild erinnern, es ist der eindruck, mit dem ich aufwache. jemand sagte vor kurzem, man kauft es ihm ab, ich gebe die zuversicht nicht auf, stehe mit beiden beinen auf der erde und halte zu ihr? so ungefähr jedenfalls.

ich kann gejammer nicht ausstehn, mein eigenes vor allem nicht und deshalb ertappe ich mich kaum dabei. also eine kalte dusche und mit nackten füssen zur briefbox? nein, heute setze ich mich sofort mit einem café hin und hämmere ins clavier der buchstaben. es ist trüb und ich traue der uhr auf meinem tel. nicht, hat das wirklich automatisch umgestellt? das beste an dieser zeitverschiebung ist ja die illusion, wir seien herren der zeit, sie geht durch uns hindurch, unser körper ist zeit sozusagen und sie nimmt uns mit, wie sie uns ins dasein gesetzt hat. der zug der zeit, eine tiefenströmung, überall spürbar, wenn man will, ist reissend, ja, unheimlich, nichts hält sie auf, gar nichts.

aha, sagt jemand, du bist bei den banalitäten angelangt? ja, gebe ich unumwunden zu, samhain nähert sich, die wände zwischen hier und dort werden durchlässig, sagt man, und an den gräbern gedenkt man vor allem der eigenen sterblichkeit, wenigstens für einen kurzen moment, dann schlagen die tagesgeschäfte wieder über einem zusammen, man tut jedenfalls so. im grunde lieben wir es bis zur besinnungslosigkeit gehetzt zu werden, dann, so hoffen wir doch insgeheim, tauchen diese verwunschenen archipele des todes aus dem meer des vergessens erst gar nicht auf? manchmal denke ich, aber auch das ist ein gelâufiger gedanke, der tod ist der geheime motor. „Das Leben“, so schreibt Burkhardt Müller in seiner kritischen betrachtung der evolutionstheorie („Das Glück der Tiere“), “ käme nicht zum Vorschein, wenn es nicht tötete.“ und ein anderer, hier der Maler und Privatgelehrte Karl Ballmer, sagt: „Der Tod ist der Schöpfer“, offenbar noch da, wo er nicht zur Kenntnis genommen wird, ja, wo er verdrängt und vergessen wird? unsere kultur, das ist jedenfalls mein eindruck, ist darauf aufgebaut, es ist, und das könnte nachgewiesen werden, ein unsterblichkeitsprojekt, und nicht erst dort, wo der mind auf eine neues substrat übertragen werden soll, damit es dauert.

ich persönlich gerate in diesen tagen wieder sehr stark, so empfinde ich es, in die Nähe von Marie, wenn die diele knarrt, neige ich zur spiritistischen sicht, das ist gewiss sie, denn ich habe gerade etwas abwegiges  oder etwas gescheites, das kommt vor, gedacht, das sie missbilligen oder billigen würde.

in diesen tagen wird mir bewusst, dass ich viel zu ernst durch die gegend laufe. gerade gestern im wald trat das ans licht, erst ging ich völlig umwölkt meines wegs, dann wurde mir das allmählich bewusst, ich hätte so auch durch eine supermarkthalle trotten können, im ernst, dann hob ich endlich langsam den kopf, spürte die umwölkung durch irgendeinen alltagskram, langsam wich das zeug von mir, verflatterte zwischen gestrüpp und bäumen, danach moserte ich eine zeitlang herum, weil wieder am weg geholzt worden war, ohne erkennbaren sinn in diesem naturschutzgebiet, das übrigens viel zu klein geraten ist, aber immerhin, es ist da, dann klarte  alles auf und aufeinmal spürte ich mein lächeln, auch im bauch und in den beinen, es hielt an bis zum ausgang und dauerte den ganzen tag. das lag erstens an der wohltätigen wirkung des waldes und zweitens war es unser wald, wir sind die wege zichmal gegangen, mal redend, sehr oft, dann schweigend, zunehmend, du musst jetzt nichts sagen, und unsere vertrautheit und nähe trat dann besonders deutlich hervor. als Marie krank war, kam ich alleine her, streunte quer durch den wald, fotografierte pilze und farbige stellen. die bilder von Marie verschwinden zu dieser zeit in meiner sammlung und wenn ich jetzt an pilze gerate, ist alles bis ins letzte detail wieder da, meine steigende verzweiflung und ihr langsames verschwinden.

ich werde ihr jetzt blumen aufs grab bringen, ich werde in die hohen bäume schauen und sie dort eher erwarten als sonstwo.

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im vorüber gehn

 

wie ernst soll man sich nehmen. aufsatzthema heute morgen. es ist genau sieben uhr neunundfünfzig. von meinem standort aus ist die morgendliche agitation kaum spürbar, gelegentlich fährt ein auto vorbei. ich öffne das fenster und ziehe mir die kühle herein. so waren auch die träume: kühl.

ich denke ein Jahr zurück, da konnte ich mich oft nicht in die stille ergeben. eine angst hielt mich zurück, als sei dort nichts, aber nichts ist auch nur ein wort. etwas krampfte sich zusammen, als stürze man ins ungeheure, aber nun: sie breitet sich aus, erfasst die ecken der zimmer, die wohnung; ich meine die stille des alleinseins und nichts besonderes  tun, um sich ihrer zu entledigen, das gehört dazu.

sie breitet sich aus, erfasst die stadt, den landstrich, die gegend, die leute gehn langsamer, bewegen sich gemächlicher, nichts anderes schiebt sie an als die stille, kein movens von aussen, kein geld und kein gewinn, nur die stille weitet sich aus. wie eine allgemeine meditation. unterwegs werden die kleinen geräusche hörbar, die kleinen dinge zeigen sich ganz bescheiden oder ganz einfach, kein gedröhn und die menschen beginnen sich zu sehn.

erst in der stille erscheint eine lösung. der rätsel.

der café ist stark und bitter. über mir dumpfe schritte.

wie ernst soll ich mich nehmen. nous, on a des problèmes de riches. ich rede nicht von allen, ich bin kein zyniker, spiele nur damit, wenn ich verzweifelt bin, aber die mehrheit der menschen hat andere sorgen. heute denke ich  an die kurden, gewisse kräfte, so lese ich, haben sich neu formiert. die meldung hallt in die stille herein, macht mich stumm, ich stelle mir vor, es gibt doch eine gerechtigkeit, irgendwo werden alle taten festgehalten und am ende gibt es ein gericht, dann richten wir uns selber, sehen, aber von den betroffenen aus  und wie sie es erlebten, ihre perspektive wird zu der unseren. am ausgang.

wie ernst kann man sich nehmen. im grunde wissen wir es schon, es gibt eine bewusstseinsschicht, die keine manöver erlaubt, in der klarheit herrscht, in der die realität ohne beimischung erscheint, ohne ausreden, rechtfertigungen, urteile, in der alles offen gelegt ist, die geheimen intentionen, die langfristigen wirkungen, die ethischen implikationen, die selbstlügen, die dürftigen bemäntelungen. eine schicht, in der keiner von uns sich das geringste vormacht,  la nudité ultime.

wie ernst kann man sich nehmen. das morgenlicht nimmt langsam an kraft zu, das zimmer wird langsam hell ohne künstliche beleuchtung, das bild vor mir beunruhigt mich, ein schwarzer keil, ein schiff, stösst von rechts ins bild vor, ins grüne und hellbraune, oben auf dem deck gestalten, formen jedenfalls, schwarze und eine grüne, grösser, schmaler als die andern mit einem hellen schopf, ganz rechts schweben zwei weitere lange gestalten, sie sind verbunden, glänzen matt, das ganze gearbeitet als relief, links vor dem kiel funkeln eingelassene glascherben, eine davon instensiv grün. schwarze einsprengsel.

die schiffe bei tintin et milou von hergé sind immer schwarz angestrichen.

ragt so der tod hinein in alles. oder ist es eine warnung; vor vernichtung. eine angst, sichtbar geworden. meine ängste . ich habe damals nur einen blick auf das bild geworfen und wusste, das möchte ich an einer wand sehen. meine tägliche beunruhigung, wie das bild der frau in rot, die einen kleinen kopf in der hand hält und der kleine kopf ist quicklebendig, genau über dem nabel der frau, wenn ich sie vom tisch aus nach rückwärts gewandt betrachte, schaut sie mich an, mein morgendliches rätsel.

ich habe noch nie blosse dekoration gemocht, redende dinge bevölkern den raum und schauen mich an. was wird er als nächstes tun, wird er nichts tun, wird er aufstehn und noch einen café brauen. hat er pläne, aufgaben, verpflichtungen, was macht der kerl überhaupt, also: aus seinem leben, ausser da sein, sitzen, herumgehn, reden und liegen. lacht er manchmal; lächelt er; warum lacht er aufeinmal und niemand hat etwas gesagt; warum grinst er plötzlich; hat er schmerzen; ist er traurig; wer ist die frau auf dem foto; er schaut hin, bleibt ernst, schaut nochmal hin, vielleicht lächelt er nun, sagt: du hast gut reden, meist einmal am tag sagt er: du fehlst mir bei allem.

die stille im zimmer ist der hintergrund aller geräusche, es ist die stille in mir. wie ernst soll ich mich nehmen, ich bin doch nur im vorüber gehn.