einen hund anschaffen

ich sitze da und warte, auf einem stuhl, einem sessel, einem sofa, ich trinke café, trinke wasser, ziehe mich an frühmorgens oder nicht, dusche oder auch nicht, gehe aus dem haus, gehe durch die strassen, gehe in den wald, denke nicht daran, einen hund anzuschaffen. er hätte einen namen, eine gestalt, ich würde ihn mögen, wir würden in den wald gehen. aber ich schaffe mir keinen hund an.

Baer sagt, er ist mit allem einverstanden, was soviel heisst wie, er ist mit nichts einverstanden; was ändert es, ob ich einverstanden bin oder nicht. natürlich gibt es dinge, die ich scheusslich finde, aber das scheusslichfinden ist nur eine unerhebliche moralische attitüde. noch nie wurde durch attitüden etwas an irgendwas geändert. ich bin nicht resigniert, sagt Baer, es ist nur so, wie es ist, durchwachsen. hier gibt es welche, die wollen unbedingt in den krieg ziehen. und es gibt andere, die wollen das nicht. es gibt empörung und denunziation. in portugal und spanien gab es eine grosse elektrische panne. in canada haben sie gewählt. der papst wurde beigesetzt. das wetter ist schön, die sonne scheint. sonst gibt es nichts zu sagen, sagt Baer. Freud muss aus dem historischen context erklärt werden, seine seelische ökonomie erinnert an die kapitalistische, schreibt ein psychoanalytiker.

wenn man die augen schliesst, wird das gehör scharf gestellt. man ist ein lauschender. natürlich bekommt man einige körperlichen zustände mit, man fühlt sie, wollte ich schreiben, nein, sie erscheinen im bewusstsein.

man fragt sich natürlich, woher die kriegsbegeisterung gewisser leute kommt, sagt Baer, sie würden natürlich die begeisterung abstreiten und von notwendigkeiten und vorbereitung und bedrohungslage sprechen. einige würden die waffentypen erörtern, die für eine moderne kriegsführung geeignet sind.

bewaffnete auseinandersetzung an der indisch-pakistanischen grenze. auseinandersetzung ist gut, sagt Baer, die bringen sich dort um.

im grunde besteht mein schreibideal darin, nur noch zu beschreiben und jegliche klugscheisserei zu vermeiden. also auch meine ansichten und meinungen und überzeugungen beiseite zu lassen. natürlich strebe ich keine Arno Holzsche präzision an. eine genaue abbildung der welt in wörtern kann nur scheitern.

natürlich spürt man alles, sagt B.

die beiträge erhöhen, um 2 prozent, rät der experte und das rentenalter herauf setzen, das vermindert die zeit des rentenbezugs. die perspektive des längere arbeitens beglückt die volksmassen, sagt Baer ernsthaft. er blinzelt nicht einmal. die gewerkschaften des privatsektors sagen, man müsse auch über die renten des öffentlichen sektors sprechen. die gewerkschaft des öffentliche sektors, die gerade einen „erdrutschsieg“ hinter sich hat, winkt ab. das rentensystem ist für sie eine heilige sache.

der kleine knirps sagt, er wolle polizist werden. wir wollen nicht über die orientierungsversuche von knirpsen reden. Baer schaut mich an, während er das sagt. innerlich habe ich nach seinem ersten satz abgewunken, deshalb kam der zweite satz so, wie er kam, ende der debatte. die öffentliche rede des ministeriums für die orientierung von knirpsen kam megaphonmässig rüber, in einem anhaltenden tonfall, wie auswendig gelernt, fügt Baer noch hinzu. ich war da schon an der theke, um den zweiten espresso zu bestellen. heuer waren nicht soviele gäste im caféhaus, es waren mehrere tische frei. ich habe einen koffeinfreien café erworben, der angeblich mehr von seinem aroma bewahrt haben soll. koffeinfreier café ist meist von der gleichen farbe wie café, schmeckt aber nach nichts, ist heiss und man muss die fantasie in bewegung setzen, um den eindruck von café zu bekommen.

das gleiche gilt für das alkoholfreie bier, sagt Baer.

wir hatten eine leichte differenz, was gewisse existentielle grundkonfigurationen anbelangt, haben diese aber schonend beigelegt. Baer sagte, die gemeinsamen ausflüge in caféhäuser seien wichtiger als ansichten. das, was ich über das bewusstsein gesagt habe, ist zwar keine ansicht, aber ich habe Baers friedensangebot durchgewunken.

heute morgen ist es still in der strasse.

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