alles so eindringlich und so kompakt

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manchmal wünscht man sich einfach nur, am fenster zu sitzen und in den garten zu schaun oder unter bäumen zu gehn oder auf klippen zu stehen und aufs meer zu sehn.

aber dann hört man was über das tauen des permafrosts in sibirien und im hima alaya, dem haus des schnees, sehen die prognosen selbst im optimistischsten fall nicht sehr gut aus und man sieht keineswegs ab von dem, was mit menschen geschieht und denkt, eine corporation hat mehr mit macht zu tun als mit wirtschaft, die setzen in afrika den fuss auf den boden und reissen sich tausende hektare unter den nagel, luchsen sie den lokalen bauern und züchtern ab und bauen zwecks biofuel eine pflanzenart an, die toxisch für mensch und tier ist und dann die bilder von niedergeknüppelten leuten und man hört sich auch noch an, wie  menschenmassen beherrscht werden (seit langem), indem man sie in trance versetzt (konsum heisst das) und nun schaut man nur noch beunruhigt in den garten, geht sorgenvoll durch den wald, und aufs meer schaut man nie mehr ohne zu wissen, was wir dort angerichtet haben.

auf der strasse drunten läuft alles normal, reste von schnee im garten, die katze hat meinen schreibtischstuhl besetzt und die andere bettelt um aufmerksamkeit.

ich gebe zu, wegen meiner erkältung hatte ich einen (begründeten) anfall von weltschmerz und -überdruss, aber offensichtsichtlich habe ich mir auch zuviele alarmierende meldungen in zu kurzer zeit angeschaut.

die ersten schritte draussen waren auch fast zuviel, alles so eindringlich und kompakt, aber die sonne machts erträglich.

leben heisst wohl sich auf das ganze paket einlassen, nicht, was bleibt einem anders übrig, sondern im sinne von standhalten. beim sich wegdrehn und fremdeln sieht man nur noch alt aus.

aber verrückt ist es. so richtig aus dem gleis. an manchen stellen sieht es verfahren aus. man fröstelt. plötzlich wird deutlich, fast jede alltägliche geste, fast jeder gedanke ist relevant, also politisch, was du kaufst, wie du isst, was du denkst und fühlst, ist ein beitrag oder eine weitere minikatastrophale entscheidung.

und wenn man die dinge im grunde betrachtet, an der wurzel, dann genügt beileibe keine co2 reduzierung, das wäre dann doch zu einfach, genauso wie der gedanke absurd ist, wir wechseln die direktionsmannschaft aus (zum beispiel nur noch frauen), aber die maschine läuft weiter wie gehabt.

man wird radikaler, nicht, weil es chic ist, sondern weil die redlichkeit einen dazu zwingt.

die stadt beginnt gerade wieder sich zu entleeren, die strassen sind verstopft, das rauschen hält unentwegt an und darüber ein orangener horizont mit weissen und blauen schlieren, auf dem dach schreit eine rabenkrähe (ich möchte sie in keinem bild missen, gestern sass eine länger im gipfelgeäst eines baums gegenüber und wippte hie und da).

die tage rinnen einem weg ins nichts, wie heute morgen schüttle ich ungläubig den kopf, die dinge um mich herum versichern mir die ganze zeit schon, dass ich nicht träume, wenigstens nicht ganz, aber manchmal ist es mit dem ganz aufwachen so eine sache, manchma ist das fast schon traumatisch.

manchmal spüre ich die allgemeine trance, das eingelulltsein und ruhig gestellt sein. das seelige blöde lächeln des träumers sehe ich, sein gebrabbel ist vernehmbar, seine eingebildete lust fühlbar, sein ersatz.

nach meiner kleinen und unbedeutenden erfahrung ist unsere kultur vielfach das, ein ersatz, sehr gesüsst, sehr laut, sehr bling bling glamourös, aber man schaue bloss nicht in die ecken und um die ecke schon gar nicht.

aber genau dorthin zieht mich immer wieder meine neugier, auch wenn es etwas schmerzt.

und ich kann auch nicht aufhören, die fragen zu stellen, immer weiter zu fragen, gar nicht mehr anzuhalten, denn es gibt schnell eine fragenlawine, über alles und jedes und nicht zuletzt über mich, was ich so mich nenne.

und dann gibt es die person auf dem foto, mit dem tröstenden lächeln, dann schicke ich ihr das beste von mir und lausche nur noch.

IX0EpNdyTbqSRdLABubGsg

 

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