samhain

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seltsame träume, wolkige formationen als landschaft, freundliches, etwas scheint rund zu werden.

ich kann mich im speziellen an kein bild erinnern, es ist der eindruck, mit dem ich aufwache. jemand sagte vor kurzem, man kauft es ihm ab, ich gebe die zuversicht nicht auf, stehe mit beiden beinen auf der erde und halte zu ihr? so ungefähr jedenfalls.

ich kann gejammer nicht ausstehn, mein eigenes vor allem nicht und deshalb ertappe ich mich kaum dabei. also eine kalte dusche und mit nackten füssen zur briefbox? nein, heute setze ich mich sofort mit einem café hin und hämmere ins clavier der buchstaben. es ist trüb und ich traue der uhr auf meinem tel. nicht, hat das wirklich automatisch umgestellt? das beste an dieser zeitverschiebung ist ja die illusion, wir seien herren der zeit, sie geht durch uns hindurch, unser körper ist zeit sozusagen und sie nimmt uns mit, wie sie uns ins dasein gesetzt hat. der zug der zeit, eine tiefenströmung, überall spürbar, wenn man will, ist reissend, ja, unheimlich, nichts hält sie auf, gar nichts.

aha, sagt jemand, du bist bei den banalitäten angelangt? ja, gebe ich unumwunden zu, samhain nähert sich, die wände zwischen hier und dort werden durchlässig, sagt man, und an den gräbern gedenkt man vor allem der eigenen sterblichkeit, wenigstens für einen kurzen moment, dann schlagen die tagesgeschäfte wieder über einem zusammen, man tut jedenfalls so. im grunde lieben wir es bis zur besinnungslosigkeit gehetzt zu werden, dann, so hoffen wir doch insgeheim, tauchen diese verwunschenen archipele des todes aus dem meer des vergessens erst gar nicht auf? manchmal denke ich, aber auch das ist ein gelâufiger gedanke, der tod ist der geheime motor. „Das Leben“, so schreibt Burkhardt Müller in seiner kritischen betrachtung der evolutionstheorie („Das Glück der Tiere“), “ käme nicht zum Vorschein, wenn es nicht tötete.“ und ein anderer, hier der Maler und Privatgelehrte Karl Ballmer, sagt: „Der Tod ist der Schöpfer“, offenbar noch da, wo er nicht zur Kenntnis genommen wird, ja, wo er verdrängt und vergessen wird? unsere kultur, das ist jedenfalls mein eindruck, ist darauf aufgebaut, es ist, und das könnte nachgewiesen werden, ein unsterblichkeitsprojekt, und nicht erst dort, wo der mind auf eine neues substrat übertragen werden soll, damit es dauert.

ich persönlich gerate in diesen tagen wieder sehr stark, so empfinde ich es, in die Nähe von Marie, wenn die diele knarrt, neige ich zur spiritistischen sicht, das ist gewiss sie, denn ich habe gerade etwas abwegiges  oder etwas gescheites, das kommt vor, gedacht, das sie missbilligen oder billigen würde.

in diesen tagen wird mir bewusst, dass ich viel zu ernst durch die gegend laufe. gerade gestern im wald trat das ans licht, erst ging ich völlig umwölkt meines wegs, dann wurde mir das allmählich bewusst, ich hätte so auch durch eine supermarkthalle trotten können, im ernst, dann hob ich endlich langsam den kopf, spürte die umwölkung durch irgendeinen alltagskram, langsam wich das zeug von mir, verflatterte zwischen gestrüpp und bäumen, danach moserte ich eine zeitlang herum, weil wieder am weg geholzt worden war, ohne erkennbaren sinn in diesem naturschutzgebiet, das übrigens viel zu klein geraten ist, aber immerhin, es ist da, dann klarte  alles auf und aufeinmal spürte ich mein lächeln, auch im bauch und in den beinen, es hielt an bis zum ausgang und dauerte den ganzen tag. das lag erstens an der wohltätigen wirkung des waldes und zweitens war es unser wald, wir sind die wege zichmal gegangen, mal redend, sehr oft, dann schweigend, zunehmend, du musst jetzt nichts sagen, und unsere vertrautheit und nähe trat dann besonders deutlich hervor. als Marie krank war, kam ich alleine her, streunte quer durch den wald, fotografierte pilze und farbige stellen. die bilder von Marie verschwinden zu dieser zeit in meiner sammlung und wenn ich jetzt an pilze gerate, ist alles bis ins letzte detail wieder da, meine steigende verzweiflung und ihr langsames verschwinden.

ich werde ihr jetzt blumen aufs grab bringen, ich werde in die hohen bäume schauen und sie dort eher erwarten als sonstwo.

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