mühsam erfinde ich eine andere geschichte

 

ich fange etwas an, ein buch, einen neuen text, es geht, anfangs sogar gut, einigermassen gut, dann aber gerate ich ins stocken, ich sitze da und weiss nicht mehr so recht, was ich damit wollte.

so geht es mir den ganzen tag, ich hebe die hand, es fühlt sich gut an, ich zeige wohin, mir selbst zeige ich den weg und mache ein paar schritte und kehre um und stehe da, ganz ratlos.

so beginne ich immer wieder, wie einer der vergessen hat, dass es nicht mehr so ist wie vorher, dass also dasselbe, das gewohnte, das liebgewonnene tun mitten im ersten beginnen stecken bleibt, weil alles anders ist. weil das bekannte fremd, das unbekannte nun alltäglich ist.

so gehe ich zögernd, so beginne ich zweifelnd, so lache ich zu laut, so sitze ich verloren auf einem stuhl in einer ecke eines zimmers, das ich einmal mein zimmer nannte.

a009

am besten nichts tun. sich nicht rühren, nicht schauen, plötzlich erwachst du in einer nicht gekannten welt und es scheint doch dieselbe, die du nicht mehr erkennst, die dich nicht mehr kennt. du bist ein gespenst. du schreibst, weil du allein es liest. weil niemand sonst es lesen wird, ganz verborgen ist es unter einem haufen von tâglichen worten und mitteilungen. aber das hast du noch, die flaschenpost ins meer einer menschenleeren welt. daran denkst du, an bruchstücke eines alten reims, es klingt wie vereinsamt, krähen winterkalt,  keine sätze mehr, echos von wörtern, kurz vor dem verhallen, dem stummen dasitzen; das wars; schlussjetzt. punkt.

nennt man das alleinsein? wenn alles, bevor es getan werden kann, als frage unbeantwortet und ungetan in der schwebe bleibt. wenn die stille dir überm kopf zusammenschlägt, wenn du den gripp verlierst und langsam zu fallen beginnst, selbst im sitzen stürzt du ab.

nur weil jemand gesagt hat, du warst die fortsetzung von ihr und sie war die fortsetzung von dir; das eine ohne das andere undenkbar, halbiert, reduziert, eingekocht, geschrumpft ins schweigen hinein. kein wort mehr.

und doch beginne ich immer wieder, hebe die hand, den arm, greife zur tasse mit dem kalt gewordenen tee, hebe die tasse zum mund und setze sie wieder hin, bevor der mund sie berührt hat; was solls.

was ist das für ein stiller schmerz, der die hand mitten in der bewegung anhält, du horchst in den raum hinein und hörst das rauschen von ganz vergangenem, eine bittere melodie, jemand spielt zum tanz auf und du hälst mitten im ersten schon halbherzigen schwung inne, ich setz nicht fort, werde nicht mehr fortgesetzt;

mühsam erfinde ich eine andere geschichte.

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