loose cannons

 

heute ist sie seit einem monat weg. oder besser: Welt.  langsam lerne ich die Sprache der Welt, buchstaben (ohne sinn), wörter schon (also näher dran) und sätze (ich bin anfänglichster anfänger).

meine leben ist etwas unstabil geworden, um es einmal nett zu sagen, und meine kinder, alles ernsthafte leute (man kann mit ihnen auch lachen) betrachten mich als unzurechnungsfähiges element. dem alten ist alles zuzutrauen, wie ein anderer einmal sagte, der lässt keine dummheit aus. loose canons demnach. Leute schlagt den kragen hoch, stürmische zeiten kommen auf uns zu?

ich bestreite nicht, dass die attribute mich amüsieren.

allerdings, die besorgten blicke, die harmlosen nachfragen, die besorgtheit im ganzen, was kommt von dem alten noch auf uns zu, das gerade noch zurückgehaltene kopfschütteln, heute morgen fragte mich einer von ihnen , was ich mit meiner mahnenden email letztens gemeint habe, ich fand sie klar, demnach scheine ich nun auch noch unter dem beginnenden verdacht der senilität zu stehen, das ist nun minder amüsant.

am schlimmsten, ich habe, wenn ich denn welche für mich hatte, meine ziele unterwegs verloren, und die gemeinsamen mit marie z. sind mit ihr abgereist.

a001
Karl Ballmer

nun bin ich nach einem monat, sie ist am 15. dezember gestorben, so weit, dass ich von abreisen rede, sie ist weg sage und das erschreckt mich mehr als die leicht irritierten blicke der ernsthaften leute, die meine kinder geworden sind. sie stehen mitten im leben, sind tüchtig und redegewandt und wenn ich mit ihnen an einem tisch sitze zu ernsthaften besprechungen, komme ich mir uralt, ein wenig überflüssig und schon an den rändern etwas zerflattert vor. ihr humor ist grossherzig genug, um meinen zustand, ist er es noch? oder ist er nun ein anderer ohne sie? und wohin wird er sich wandeln, zu umfassen. aber besser, man passt auf ihn auf, er hat schon einiges abgeliefert, was man nicht so lustig fand. auch das vermeine ich in gesten und verstohlenen blicken zu lesen, obwohl ich das auch aufs konto meines milden verfolgungswahns buchen kann.

mithin leben wir alle, ich zerflattert verwirrter alter und mein ernsthafter nachwuchs, humor haben sie mit mir und marie z. nolens volens lernen müssen, auch leichtere formen von ironie und anfänglichem sarkasmus, argumentierlust und streitbarkeit und überhaupt, wie man seinen menschen stellt in diesem verrückten durcheinander, das man welt zu nennen sich angewöhnt hat, mithin leben wir alle auf leicht erregbarem grund und schonen uns.

wie lange, so frage ich mich, werde ich meine neue dusseligkeit, mein unsicheres herumtasten nach einem neuen platz und sinn und überhaupt mit der tatsache entschuldigen können, dass marie z. nun eine Tote ist.

ich werde sagen müssen, es ist einfach so. und wie ist es so?

unbestimmt, antworte ich, verwirrend, es tut weh und ich muss in allem neu beginnen. sogar das vordietürgehen wird zum abenteuer.

und, so höre ich fragen, muss das sein, diese öffentliche ausstellung auf dem, was du blog nennst?

ja, sage ich, das muss, weil ich mir mindestens vorstellen können muss, dass es die möglichkeit eines lesers gibt. sonst würde ich verstummen und mir nicht mehr sagen können, was es denn nun ist, im einzelnen und differenziert, an bewegungen in mir und um mich herum, weil ich, seit ich ein kind war, nach worten dafür gesucht habe in einer welt, in der es keine gab dafür.

 

 

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