im regen geborgen

das verletzliche der zentralisierten zivilisation: die heizung ist ausgefallen, die warmwasserversorgung hängt dran und jemand hat schon telefoniert,. gottseidank funktioniert der herd, also café trotz allem und unterdessen mache ich feuer im kamin (ich fühle mich schnell an früher erinnert, wenn einer der erwachsenen vor den andern aufstand und feuer machte in wohnzimmerofen und küchenherd, im winter gab es eisblumen am fenster, wenn man morgens erwachte,  ich habe keine erinnerung an frieren oder beklagen, man war nicht so empfindlich wie heute, aber um auf den punkt zu kommen, ich trauere dem nicht nach, bessere zeiten warens  bestimmt nicht und keine romantik des feuermachens in der kälte am frühen morgen).

jedenfalls habe ich heute morgen beim feueranzünden das verlässliche gefühl, ich kann für mich sorgen, ich bin keineswegs von allen guten geistern verlassen und zu allem überfluss regnet es. seit meiner kindheit fühle ich mich im regen geborgen, eingehüllt, aufgehoben und im regen war ich draussen abenteuerlich allein, ein regenforschungsreisender.

das gefühl der behaglichkeit stellt sich sofort ein, als ich den regen auf den terrassensteinen höre beim aufwachen. kein gedanke an wetterklagen, der scheissregen oder sowas, nicht einmal nach tagen.

nur einmal machte der regen mir angst, auf einer reise in die berge des nördlichen perus, weil es den ganzen tag und die ganze nacht aufs blechdach prasselte, trommelte, goss und schüttete, cats and dogs, so dass ich die kleine zufahrtsstrasse schon überflutet sah von schlamm und geröll. aber der regen war auch dort wunderbar, mittags kam er verlässlich und durchnässte die leichtsinnigen in einer minute bis auf die haut, er legte die landschaft in einen feinen dunst, man sass unterm vordach und trank zuckerrohrschnaps zum spektakel, selbst die vögel machten hier laute wie fliegende frösche und an der oberlandleitung wuchsen seltsame pflanzengebilde, als ginge hier wasser nahtlos in luft über und diese sei von wässriger beschaffenheit.

wenn es am meer regnet, bleibt der himmel meist hellgrau, eine matt schimmernde kuppel und der ausgetrocknete rasen scheint sich zu regen, das grün wird kräftiger und die olivenbäume neigen sich wie lauschende.

ich sitze da in froher erwartung und fühle mich gesegnet, ohne dass eine(r) dazu die hände heben muss.

und doch, auf die dauer sehnt man sich nach mehr licht, selbst hier, wo es unter dem regenschleier heller ist und die landschaft wie samtig im dunst.

mittendrin beim hinaus schauen formt sich langsam der eindruck, ein überlebender zu sein, trotz allen lebenszeichen ringsum der einzige und immer wieder blicke ich verstohlen zur seite, als müsste jemand neben mir sitzen und gehn und andere entfernter im rücken. schau ich  hinaus auf das meer, das nun mit dem himmel verschmilzt, weiss ich, mein blick nimmt die gleiche richtung wie sonst auch ihrer. immerhin beim erwachen höre ich marie sagen, denke in eine andere richtung, in der es sonne gibt und kommenden frühling.

ich ertappe ich mich dabei, wie ich ihr erzähle, dass die scheite im kamin satt prasseln und der raum sich behaglich erwärmt, die hitze spüre ich schon im rücken und an den wangen, und was ich sonst noch sehen kann an diesem morgen am meer und es regnet noch immer. die spatzen, so sage ich ihr,  fallen vom himmel wie dunkle kugeln und im letzten augenblick der landung entfalten sie ihre wahre form und hüpfen geschäftig über den rasen.

seit marie weg ist, weiss sie erst ganz, wer ich bin, sie sieht nun in mich hinein und liest wie im buch die geheimsten gedanken, ich verstecke nichts mehr und sie ist ganz ohne urteil. bei diesem verrückten gedanken merke ich, die glieder gehn in die entspannung und räkeln sich träge.

am horizont taucht gerade das meer aus dem dunst auf und drückt in einem hellen streifen die wolken nach oben. der regen hört auf und setzt wieder ein, die spatzen fallen zahlreicher vom himmel und in der ferne keckert eine möwe.

ich lege holz nach, die heizung geht noch immer nicht und marie ist nicht da. nur in gedanken reden wir unablässig, ohne zeichen und laute, und sie sieht mir bei allem zu, so hätte ich es gerne.

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