manchmal erscheint sie in meinen träumen und tanzt

sie sieht mir zu, auf dem foto, so scheint mir, leicht ironisch, das würde mir gefallen. ironische nachsicht, genau das. denn mein neues leben (das leben ohne sie) führt mich ins unbekannte und ich nehme mich gelegentlich kindisch aus, so kommt es mir vor. im alleinsein bin ich geübt und doch wieder nicht, manchmal tut guter rat not und ich fühle mich hilflos verloren in einem dickicht von argumenten, perspektiven und meinungen.

ich möchte so nahe wie möglich an unserem leben bleiben, sage ich (uns), als ginge das, als wüsste ich nicht genau, dass es nun nur noch mein eigenes gibt und alles andere vergangen. jeder schritt, den ich tue, führt von dir weg, marie, als ob ich die nähe beibehalten könnte, die alte, gewohnte. schlimmer noch, gestern kam mir alles eigene, alles ohne dich, alles ohne deine art, die dinge zu tun, zu gehen, zu stehen, zu fühlen (davon habe ich doch keine ahnung), zu denken, ohne deinen blick auf die welt und die menschen wie  verrat vor. (ich bin bei deinem anblick auf dem foto erschrocken).

das ist reiner wahnsinn, so zu denken, zu fühlen, sage ich mir, ich schaue im spiegel nach, ob ich zeichen erkenne und starre das spiegelbild missbilligend an. ich verstehe nur zu gut, was in mir vorgeht. ich habe die hoffnung, in ihrer nähe zu sein, nicht aufgegeben: wenn ich so bin und handle, wie sie es wollte, dann bleibt sie sehr nah. etwas in mir ist ein zäher wahnsinn.

ich sehe zu, wie die zeit uns voneinander  entfernt.

das neue leben schmerzt, es führt weg, es ist ohne sie,  ich entferne mich in das eigene, das habe ich für mich allein (ohne dich). so rede ich mit deinem bild und ich würde mich nicht wundern, wenn du plötzlich die stimme erheben würdest, um mich zur ordnung zu rufen (ich wünsche es mir).

dabei träume ich (mehrmals, in einer serie von träumen), du bist in deinem ganz eigenen, du bist um mich und zugleich abgewandt, du bist ganz in dir, ganz für dich, ganz abgeschlossen und als ich fordere (in dem   traum vorgestern), „wir müssen reden“, da sagst du: „nein. ich bin jetzt in meinem, nur für mich.“

Es gibt keine verbindung mehr zu deinem alten ich, deine art zu sein ist beendet, ich bin keiner, der gerne in erinnerung kramt, um zu heulen oder sich mitleidig über sich selbst zu beugen. entweder ist dieses alte leben und dasein in mir oder es ist gar nicht mehr (diese schroffe deutlichkeit habe ich von dir).

am meisten fehlt mir die unverwechselbare ironie, die mir ganz zugewandte, die liebevolle, schneidende, wenn ich den kopf hängen liess.

Jetzt muss ich meine abwege selber bewachen, meine selbstkritik ersetzt nicht deinen stich, der auf den punkt bringt.

inzwischen entferne ich mich, je weiter ich aus unserem bild rücke, desto mehr erscheint deine jetzige gestalt, sie ist das ganz andere, die völlige klarheit, die weite (auch des gedanklichen).

am meisten fehlt mir das gespräch, nun verstehe ich manchmal die welt nicht mehr, in unseren diskursen war sie verständlich, sie wurde es, sogar in ihrem schlimmsten, ihrem unerträglichsten, einfach nur, weil wir beide uns dem zuwandten. unser weltinteresse.

am meisten fehlt mir die wärme.

am meisten fehlt mir die gemeinsame suche nach sinn und bedeutung. unsere nie endende bewegung. ich streiche mir das gesicht weiss an und suche weiter, ein trauriger clown.

manchmal lache ich wieder, manchmal sind die dinge wieder sehr nah, manchmal vergesse ich mich und es ist nur, das hier, manchmal entzückt mich das glitzernde wasser des sees, die stimme nebenan, der freundliche blick einer unbekannten frau, ihr lächeln, manchmal freue ich mich wieder, ohne grund. manchmal ist das leben wieder ein tanz. ich nenne ihn marie, das ist eine ganz unbekannte person, manchmal erscheint sie in meinen träumen und tanzt.

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