statt einer kunstkritik (zu besuch im Schwaarzen Haus, rue de la semois)

kunst hilft tatsächlich! am wochenende hatte ich ein tief, das alles madig machte. Ich fühlte mich eingesperrt, vergessen, uralt aussortiert, nur noch im wartessaal für den abgang (ich stelle mir den eher grau vor, die tapete hängt in fetzen, plastistühle (ehemals weiss), ein montoner laut von zeit zu zeit, wie ein motor, der abkratzt, kurz davor, gedämpft, alles gedämpft, dort sitze ich allein, an den wänden nichts, woran der blick sich festhalten könnte, keine richtigen farben, alles verblasst, der geruch: abgestandene kellerluft mit verstopftem abfluss, man sitzt da und atmet kaum, gefühle, was ist das? nur etwas trostloses, wie eine halbe melodie, die einen schon lange nervt, so).

trotzdem, das ist wie immer erstaunlich, wenn es passiert, einer steht auf, duscht, benutzt ein deo, schmiert sich eine gesichtscrème an stirn und um die augen, zieht sich an, sucht eine hose aus, ein hemd, würde am liebsten ohne schuhe losziehen, zieht dann doch welche an, trinkt café, steigt aufs fahrard und zieht los, ich

Ich hatte schon am samstag vor, das Schwaarzt Haus in der rue de la semois zu besuchen, aber das lief schief, meine enkelin und ich waren in die andere richtung gelaufen und ich hatte nicht ordentlich nachgeschaut, schliesslich streikte sie, die operation war fehlgeschlagen, opa ist ein dussel. sie war zutiefst beleidigt. meine zerknirschung half auch nicht.

sonnags nahm ich das fahrrad, ich spürte sogar etwas wie eine müde neugier, etwas schlapp, ich hatte mich zu dem ausflug gezwungen.

ich sage nicht, was ich gesehen habe, ich gebe grundsätzlich keine kommentare zu kunst ab, ich schaue, ich betaste, ich erspüre einen raum und beobachte meine verfassung. in museen schaffe ich allerhöchstens fünf bilder, ich meine richtig anschauen, bei installationen gerate ich schnell ins gähnen (bei einigen werde ich wach, ob die richtig gut sind?), nachher bin ich erschlagen, weil ich schliesslich vor ort bin und mir doch alle sachen ansehen will, wider besseres wissen.

ich war wohl eine stunde in dem schwarzen haus, rue de la semois, durch den schwarzen, dreckigen keller hinauf in die farben, wunderbar, ich musste grinsen, lächeln, einmal habe ich laut gelacht, ich habe doch tatsächlich meine scheiss stimmung vergessen, ich habe mich aufgeheitert gefühlt, belebt, ich bin erhobenen gemüts gegangen, geradelt, ich habe zwar nicht gepfiffen (ich singe nur in der badewanne, manchmal und dann laut), aber ich habe die erhebung in meinen mundwinkeln gespürt, meine gesicht fühlte sich straffer an, das radeln machte richtig spass. ich habe mir überlegt, was ich als kommentar von mir geben würde, wenn ich doch kommentare abgeben würde, was ich aber nicht tue (kunstkritiken schlagen mir meist auf den magen, o si tacuisses), ich kann es nicht lassen: toll (der tanzfilm vor allem (aber nicht nur)), da habe ich gedacht, noch ist nicht alles verloren. darf man sowas sagen, dass man hoffnung gesehen hat (buchstäblich). tatsächlich sogar in den installationen (ich sage nicht welchen).

jedenfalls war ich hinterher nicht mehr deprimiert (nicht mehr ganz so), nein, ich habe mich ernsthaft gefreut (son haus müsste man haben, nachts würde ich darin um mitternacht  herum geistern).

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