eine intime berührung

ich bin mit dem regen aufgewacht, eine frische brise durchs nachtfenster und das tropfen auf glas und dach, da denke ich (definitiv) an ein gelungenes leben. was heisst hier gelungen und mein vater pflegte zu sagen, am ende, verbittert wie er war, “das leben ist nichts”? gelungen heisst rund, heisst mit allem drum und dran. ich unterschätze keineswegs, dass wasser eine zerstörerische gewalt haben kann und regen zu fluten wachsen und diese zur sintflut. mein vater war ein gläubiger mensch, er hielt sich an die regeln, er arbeitete viel, fuhr motorrad und schneiderte krumme rücken gerade, aber er   glaubte nicht, dass sein leben gelungen war, “ech hun es sou saat wi der kaler ierbessen”, das sagte er auch.

er hätte Philip Roth zugestimmt, der sagte, das alter sei ein massaker. ich stelle mir vor, marie und mein vater diskurieren nun über seine kernsätze, ich habe sie nämlich von marie, der vater hat nicht mir solche gedanken anvertraut. als er gestorben war, wurde mir klar, wie wir einander verpasst hatten.

das leben verwüstet einen.

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ist der regen ein trost? das nasse pflaster unter meinen nackten füssen heute morgen, der regen auf haut und kleidern (nackt im regen tanzen, ehrlich, zum regen habe ich eine erotische beziehung). ohne bäume, ohne gras: das wäre nichts für mich. manchmal kommt es mir vor, als sei die natur eine medienabstraktion geworden,

im wald gestern war ich allein, ich fühlte mich geborgen, eigehüllt in eine ganz andere präsenz, eine krâftige, rauhe, kühle und fürsorgliche.  der wald bringt mich zurück, in einen zustand, den ich nur dort erreiche (ich fühle mich wie ein sanftes tier). kein es war einmal und keine futurischen fügungen, ganz eingetaucht zwischen bäumen und unterholz, der frosch, der aus dem trüben wasser des teichs hochpoppt und quakt. auf meiner haut  die oberfläche des waldes, eine intime berührung.

plötzlich war ich nicht mehr allein. als ich mich zur seite drehte, wo marie immer ging, sah ich ihr lächeln.

aus der kühle unter die schwüle sonne, die rinder drängen sich im spärlichen schatten,  und an der tränke ein sumpf.

an der bushaltestelle warten, leute stellen sich ein, stehen herum und warten auch, an der strasse ein stau vor der ampel, das rückt mir zu nahe auf den pelz und auspuffgestank, als der bus kommt ist das eine erlösung.

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