meine privathölle hat einen namen

heute morgen ist nichts mit schreiben, da ich nicht öffentliche lamentiere.

durchhängen tu ich nur mit der entsprechenden feinen zurückhaltung, manchmal bin ich in gepflegten höllen zuhause. dabei rede ich noch gar nicht von virtuellen gewalttätigkeiten, die angepriesen werden wie warme semmeln, wir haben da was neues für sie, garantiert mit riesengeballer und durchschossenen leichen zuhauf, schon gar nicht rede ich von den realen schüssen und den wirklichen toten, den katastrophen, menschengemacht oder nicht, in der nähe und in der ferne.

obschon ein blick in die wahlkampfmienen einen durchaus in eine mittlere depression werfen könnte.

ich kann deshalb schon länger nicht mehr zeitung lesen, ich blättere mich fieberhaft durch und kann die gesichter der toten nicht vergessen. Mein blick stolpert über die gesichter der lebenden.

wo, so frage ich mich, leben wir hier und wie tun wir das? dass wir überhaupt noch schlafen können.

wie gesagt, in den vorhöfen meiner privathölle bin ich unterwegs und scharmiere die teufelinnen (von einem lieben gott habe ich noch nie geträumt). das hier ist doch ein traum und kein guter. manchmal weiss ich, ich bin in ein grausames experiment hinein geraten und suche nach worten, um den ablauf und das setting angemessen zu beschreiben. ich wundere mich nur, dass ich noch gehe, herum stehe, wie nicht abgeholt, und manchmal lache, ich höre mir ungläubig zu, am café trinken merke ich, dass ich noch am leben bin.

meine privathölle trägt einen namen,  lasciare omni speranza, in der privatübersetzung heisst das: marie ist tot.

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in privathöllen gibt es wellness verantaltungen, erholungsräume und das yoga des nichtvergessens, man hat ganz einfach eine falsche vorstellung von hölle. ich kann tun, was ich will, an jeder ecke erblicke ich die abwesenheit von marie. ich habe aufgehört mir etwas vorzumachen, es gibt dinge, die gehen nicht vorbei und die zeit heilt nichts, die zeit ist ein raum, in dem alles aufbewahrt ist, es ist vielleicht ferner oder näher, aber es ist immer da und manches wechselt mit mir seinen ort und ist immer gleich nebenan, zum beispiel ein schmerz (immerhin merkst du, dein nervensystem ist intakt, wenn auch überreizt) und jede vergangene freude ist einer oder ist es derselbe, mir hat das leben immer schon weh getan.

ich merke es an der intensität meiner freuden, kann es sein, dass sie einen aufreissen. sie lassen einen nicht ganz, sie machen aus dir einen andern. du weisst, dass ihr verblassen ein schmerz ist.

manchmal rede ich mit mir wie mit einem zufällig begegneten fremden. ich erkläre ihm die bedeutung der dinge, die mir schleierhaft bleibt, ich sage, du weisst doch und siehst du, es ist doch völlig klar und schon mein tonfall ist voller zweifel.

neuerdings teste ich sätze mit meinem schmerz, meiner freude, ich habe noch keine ganz festen gefunden, die meisten wackeln gleich zu beginn, andere bleiben in der schwebe zwischen gelten und nicht gelten, wenn etwas richtig weh tut, wenn etwas dich aus deiner hölle in die freude treibt, brauchst du keine erklärungen.

aus meinem schmerz ein monument für marie.

 

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