deshalb bin ich wohl noch hier

das blasse winterblau heute noch verdünnter von der kälte, die dinge treten spitz hervor, raue konturen der schornsteine, dachsimse, die baumkronen erstarrt. eine krähe segelt elegant über das dach. selbst die kleinstadtfinanzmetropole  wirkt heute gedämpfter als sonst. wenigstens meine ich das aus den geräuschen von unten heraus zu hören. (die prognosen allerdings, so lese ich, sind nicht die allerbesten, am horizont zeichnen sich umwälzungen ab)

ich wohne hier auf abruf, in einem permanenten provisorium, lasse mich vom tag überraschen, wenn wieder eine illusion mehr abbricht, die ich über mich hegte.

SIE fehlt, an allen ecken und enden, sie hat das beste in mir hervor gelockt und das dunkeste hielt sich selber in schach, die lust mich wegzubeamen aus dieser verworrenen welt.

ich gebe es zu, ich schaue zuviele star trek folgen, wenn abends und nachts die verlassenheit als dunkle welle in mich hinein schlägt. aber im alpha quadrant und auf deep space nine gibt es dramen wie überall und helfen tut allerhöchstens ein blick auf das foto mit ihrem lächelnden gesicht, als verabschiede SIE sich schon leise.

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was einen über wasser hält, ist eine rätselhafte kraft, die weit über das gedankliche hinausreicht, jedenfalls rennen meine gedanken hinterher und versuchen zu begreifen: habe ich hier noch was zu tun? und was wäre das? auch diese erfahrung auszuhalten und damit weiter zu gehn, wohin? manchmal entgleitet mir jeglicher sinn. und das, was ich lese, stimmt mich nicht optimistisch:

unsere neuronennetze halluzinieren bewusstsein? die wissenschaft fragt nach dem kausieren von bewusstsein doch nur, um es messbar und also handhabbar zu machen, wozu. manche träumen von manipulation, optimierung nennen sie das, kann man identität durch eine andere ersetzen, erinnerung löschen und neue einimpfen. platte halluzinationen von verfügbarkeit, kontrolle und macht, flatland einweg stapfen, langweilig immer die gleiche trottspur (wenn nicht simple unsterblichkeitsmanien und existenzangst dahinter stecken).

altertümlich barbarische weisen in der welt zu sein, doch auch diese fantasien erscheinen im bewusstsein, sogar solche, die es ad absurdum führen. bewusstsein, das bewusstsein untersucht, das ist ein neckisches spiel. was, wenn es ein urphänomen wäre und reicher als alle sogenannten wissenschaftlichen verwertungsfantasmen?

mir scheint die interessantere frage, was vermag bewusstsein? zäunt es sich ein in enge pferche? oder wandert es, dehnt es sich aus, wird die welt farbiger oder verarmt sie? spricht sie noch oder beginnt sie schon, sich dem gierigen zugriff zu entziehen?

meine lieblingsepoche ist die romantik und ihre anfänge im sturm und drang. das war nie mainstream und wirkte im untergrund als korrigierende strömung. das ist ein anderes denken.

darin erscheint als das eigentlich verrückte: der messbarkeitswahn, die verachtung der phänomene und die missachtung ihrer würde  (man zwingt sie und sie offenbaren weder ihre schönheit noch ihre wahrheit), die autodestruktive logik des kapitalistischem verwertungszwangs (die überflutung der welt mit waren, der irrationale konsum, das wuchernde wachstum und das entleeren der welt, der menschenpark, die geistige und materielle verarmung). Man fragt sich, ob der kapitalistische erneuerungsdrang, damit alles beim alten bleibt, ausreicht, um die kurve zu kriegen. man sieht, neuerdings ist der rückfall ins autoritäre angesagt, eine minderung von bewusstsein, ein herunterschalten in alte reflexe. der schwarm reagiert auf kommando, die herde trottet folgsam, das denken sinkt in den untergrund.

entzieht sich nicht schon die schönheit?

abends und nachts, wenn ich nicht schlafen kann, höre ich nicht auf, eine reichere, schönere, solidarischere, interessantere welt der unendlichen friedlichen vielfalt zu imaginieren, eine manifestation des romantischen geistes. ich kann nicht anders, deshalb bin ich wohl noch hier.

 

 

 

Ein Gedanke zu “deshalb bin ich wohl noch hier

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