die nationale löschmaschine

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ich wollte mich lustig machen, ich gebe es zu, über zusammengebrochene rituale, travestien und transversales gleiten (das männlichste aller kleidungsstücke, der morgenfestanzug des mannes, der cutaway, kurz, der cut, ach, er wirkte an manchen herren so … feminin (einige zierten sich, zupften sich, ein wenig verlegen) und die damen hatten sich gebührend verkleidet,  maskerade, aber kein carnaval).

es liegt gewiss an meiner festtagslektüre, aber ich habe es wieder gesehen, im innern der geschlechterfrage herrscht das grosse nicht. (und wenn ein satz mich gefunden hat, so der folgende: das mannsein ist eine glaubensfrage).

ich gebe es zu, ich betrachte die vorgeführten hüte, die garderoben und trippelschritte am roten teppich, die kopfnickerarten (an der fahne) und nur eine konnte mich überzeugen (kurz, knapp und deutlich) postfestum und online und beobachte meine reaktionen (die enttäuschung und das fremdschämen und erst das zwiespältige glucksen vor dem (unfreiwilligen) lachanfall). eine miltärparade, die sich selber zerlegt vor meinen augen und das liegt keineswegs an ihren einzelnen elementen, sondern an der parodistischen gesamtkomposition. wer, um himmelswillen, hatte nur den genialischen einfall, am ende das supermoderne flughafen löschfahrzeug aufzufahren?  was will man denn so überaus festlich hier löschen?

die nationale löschmaschine, das ist mir ein raffiniertes ding. (ich nehme an, es war kein lapsus und ist doch einer geworden).

hab ich es doch gewusst, dass wir so eine nationale maschine besitzen, ich habe es erst geahnt, dann schwante mir, so etwas läuft im verborgenen, eine nationale amnesie maschine, (nun weiss ich es definitiv) ein löschinstrument zum löschen des widerspruchs, des fundamentalen, der liegt schon am beginnen, des gegensatzes, der sich äussert in vielfältigen formen, stattdessen zelebrieren wir an der philharmonie das vergessen, nämlich, dass wir etwas bleiben wollen und wir wissen nicht, was und deshalb haben wir beim wie auch keine bedenken. das sein ist so eine vertrackte geschichte. was sind wir denn? ich plädiere für die nationale aufwachmaschine (vom totstellen des denkens).

woher nur kommt meine freude am lästern? ich bin unschuldig, ich kann nichts dafür, ich hatte meine feiertägliche erleuchtung, als ich die grosse löschmaschine erblickte, rutschte etwas an seinen ort, ich habe mich gezwickt und gezwackt, aber sie war eindeutig da und defilierte imposant an den herrschaften vorbei, ich kann doch nichts für die zweideutigkeit des gesehenen.

und das alles nur:

zum gedenken an den hut von Marie Z., damals am nationalen tag,  ihre freche eleganz, sie lebe hoch!

(und ich sonne mich darin, nicht posthum, aktuell)

 

 

 

 

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