einfach weiter ins unbekannte hinein

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wie es mir ergehe, fragte jüngst einer, ich sage nicht mehr viel darüber, poste deshalb aber deutlichere fotos von ihr.

marie.

ja dann, sagte ich, und der schmerz wird nicht geringer, wenn man sich zu sehr mit sich selber beschäftigt. das ichichich kann einem auf den wecker gehn. und: in der welt (im anderen) erkennt man sich besser.

was nicht heisst, dass es mir nicht dreckig geht, dass ich nicht durchhänge, dass ich wie einen abhang hinunter gleite und es gibt nichts, das hält, ausser dass der anblick, der sich mir bietet von mir selber, mir ganz und gar nicht gefällt.

demnach: alle versuche eine art neuer identität zu konstruieren sind gescheitert, immerhin gab es versuche, es gibt keine vorbilder, nachahmen oder -äffen möchte ich niemand. als ich merkte, worauf es hinaus lief,  setzte ich mich hin, von meiner höhe aus, ich meine die wohnhöhe, hört man bei richtiger windrichtung das geschrei und gedröhne der jährlichen schobermesse (eine heimsuchung sui generis), sah meine nichtigkeit und wichtigkeit rasseln, besichtigte meine schöneren und dunkleren seiten, meine gaubenssätze tauchen immer unvermutet auf und ich staune, diesen mist glaubst du über dich selber (und die andern, die welt) und es ist nichts dahinter. wie schnell man die gebote der kindheit über bord geworfen und durch neue ersetzt hat, blinkende, scheppernde, wie die dosen am auto, just married.

nun muss ich persönlich werden. ich bin neunundsechzig, habe heftige attacken von kindischem benehmen, fordere mich selber heraus wie ein achzehnjähriger, bin enttäuscht von mir selber wie ein ehrgeiziger fünfunddreissigjähriger, der den richtigen aufflug am finanzplatz wieder einmal haarscharf verpasst hat, bin ein abgebrühter vierzigjäjriger, der vermeint, die sache kapiert zu haben, er ruht sich auf seinen lorbeeren aus, sammelt verdienste und glaubt allen schmeicheleien, er hat heimlich angst vor alter, krankheit und tod, der fünfzigjährige steuert bewusst in die katastrophe, am besten man reisst beizeiten alles ein und fängt wieder von vorne an, hat man noch den mumm und die schuzpe, scheiss drauf, ich will es nicht mehr so (und im ernst es ging gar nicht mehr, neuorientierung: ohne marie? unvorstellbar, wär es sicher nicht gelungen), der sechzigjährige hatte sich mit marie zusammen auf einige altersabenteuer eingelassen (da plant man, da denkt man und zack, da zieht etwas den vorhang weg und das zimmer ist leer) und nun? ich bin noch immer das kind, das staunt und das herz auf den händen trägt (irgend ein arschloch wird es wegschlagen wollen, aber mein starrsinn ist ebenfalls gewachsen, ich bestehe darauf, das herz trage ich weiter auf den händen). vor marie dachte ich, wenn die richtige nicht kommt, dann bleibe ich eben allein, aber aus alleinseinsgründen lasse ich mich auf nichts ein, nun, nach marie ( und mit ihr, denn alles, aber auch alles ist von ihr erfüllt) denke ich noch immer so, vielleicht läuft mir noch einmal einer (ein mensch) über den weg und wir gehn  eine weile zusammen, eine gemeinsame wegstrecke, aber es ist auch in ordnung, wenn das nicht passiert, sage ich mir, dann geh ich eben allein.

der rabe am dach vorbei hat gerade zustimmend gekrächzt, so höre ich das, es tut mir manchmal leid um mich selber, aber verdammtnochmal, ich kann andere nur mögen wegen ihnen selber, nicht weil ich gerade so bedürftig  bin und einen leeren raum zu füllen habe, in dem ich wohne mit der abwesenheit.

ehrlich, ich kann nun fotos von marie ansehen und nichts krümmt sich mehr vor schmerz, aber ich liebe sie und dann sind alle vergangenen räume aktuell, wir waren zum beispiel im quebec, da sitzt die marie auf dem stein und sinnt. oder marie drapiert sich auf dem orangenen quai von christo  am lago d’iseo, die sonne brennt, ich fühle sie auf meiner haut. und neben mir marie, nun ist sie ein windhauch an meinem hals.

das ist keine nostalgie, aber ein teil meines lebens. der hat aus mir gemacht, was ich bin. immer unbeschwerter. wie eine gemeint hat, der schmerz wird mit der zeit fast ein freund.

wenn ich mich frage, welche kraft mich zurück reisst vor dem steilen abfall, dann merke ich, es ist nun was ganz anderes in der luft, ich beginne anders zu denken, anders zu sehen und zu hören, es ist wahr, die haut schmerzt noch immer von soviel nicht da sein und doch da sein, aber sonst, durch atmen und weiter, einfach weiter ins unbekannte hinein.

3 Gedanken zu “einfach weiter ins unbekannte hinein

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