wie ich marie gewisse weltereignisse erkläre

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an guten tagen, ich habe heute den aufwind erwischt, erkläre ich marie das neue album „hunter“ von anna calvi und rechtfertige meine lektüre von king kong théorie (marie wäre das zu krud, aber nun weiss sie, was eine kraftvolle schreibe ist und die direktheit, die krasse direktheit). das, was virginie despentes über die männer sagt (ich weiss, das ist ungerecht, es gibt die und solche andere, ich möchte auch nicht in einen topf mit … geschmissen werden), leuchtet mir ein (sie würde den ausdruck beschissen finden) und die despentes imponiert mir.

ich sage marie auch, dass die schwarzen horden in chemnitz und anderswo mir ein ziemlich mulmiges gefühl verschaffen, das sind verwerfungen, die auf ungutes aus der tiefe der kapitalistischen verfassung schliessen lassen, ich hätte gerne mit marie darüber geredet, vor allem um einen klaren kopf zu bewahren.

heute schreibt eine auf fb, wenn man den leuten erklären würde, dass das gehirn eine app ist, vielleicht würden sie die dann gebrauchen.

ich nehme nicht an, dass man den schwarzen brüllern mit rationalen argumenten und schönen reden beikommen kann. wie man sieht, haben gewisse politiker erklärungsnöte, sie verwenden zu oft  verneinungen und dementis und die polizei hat abgrenzungsschwierigkeiten. am beunruhigendsten ist, dass inzwischen ja bekannt ist, was faschismus ist (es ist tatsächlich keine meinung).

alle fangen jetzt an das land zu lieben, die nation wieder zu entdecken, die sprache, die einwanderungskontingente, als ob damit das phänomen aufzuhalten wäre, das mitten in unserer gesellschaft entstanden ist, nicht auf dem mond. und plötzlich wird deutlich, dass es eine internationale geschichte und aktualität von ausbeutung, ausplünderung und gewollten ungleichgewichten gibt, die keiner kennt, obschon es schulen gibt und erklärungsansätze, die aber in der feinen bourgeoisen gesellschaft, die wir sind, nie sehr populär waren. wir haben unsere lauwarmen modelle, um die welt unverständlich zu reden und wenn dann eine völkerwanderung beginnt (sie hat nie aufgehört) dann tun wir erstaunt und machen die schotten dicht.

im zentrum europas haben wir lieber die probleme an der peripherie, in ungarn zum beispiel oder in griechenland (man wundert sich gar nicht, dass  linke regierungen bedrohlicher sind als rechte und rechtsradikale, die griechen hat man fertig gemacht, bei den ungarn eiert man delikat herum), richtige philister sind wir, als ob die mulmigen dinge nicht näher rücken würden.

das sage ich marie, wir haben ähnliches beredet, sie hat den versuch von sarah wagenknecht beachtlich gefunden, mit gewissen konzessionen potentiell rechte wähler wieder zu gewinnen. ich bin nun etwas skeptisch, ob das hilft und lege ihr meine gründe dar. wenn grüne und linke rechtzeitig vor den nächsten wahlen treuherzig versichern, wie sehr sie das land lieben, dann muss die rechnung nicht unbedingt aufgehen, den rechten stimmen abzujagen; oder, so frage ich marie, ist es modisch geworden, nun rechts zu tragen, weil das klima sich erwärmt und der hahn auf dem turm dreht sich auch nach dem wind und der ostwind riecht nun mal etwas braun.

natürlich, gebe ich marie zu, in unserer strasse ist alles beim alten, die glocken läuten wie immer abends und morgens, die rabenkrähen kächzen und fiepen auf dem dach und ein geraschel und kratzen über den schiefer, die autos fahren nach hause um diese zeit und der garten liegt träge da, ich habe mich gewundert, dass der grüne bewuchs an der fassade dermassen gewuchert hat und ich habe endlich die katzentüren eingebaut.

aber eine der figuren der ganz rechten bei uns hatte doch putzige erklärungen dafür, dass in seiner partei sich immer wieder ultrarechte einfinden und gab der linken presse die schuld, das ist nun auch modisch geworden.

du siehst, sage ich marie, die katze kann das mausen nicht lassen und die welt ist doch grösser als mein garten und ich denke an den inder, der in hartnäckiger arbeit eine insel wieder bebaumt hat und die tiere folgten nach. überhaupt, sage ich marie, gibt es leute, die tun gute sachen, aber von denen hört man nicht so viel und es gibt leute, die sagen und denken gute sachen und ich freue mich, wenn ich wieder jemand aufgespürt habe. daran nährt sich meine hoffnung.

während ich das aushecke, sitze ich in dem zimmer, in dem sie gestorben ist und ich denke an sie und trotzdem es weh tut, freue ich mich über die lange gute zeit, in der wir zusammen gingen. was für einen inneren reichtum habe ich da angehäuft, marie, ohne dich wäre das gar nicht drin gewesen.

wie gut, sage ich marie nach der lektüre des essays von virginie despentes, dass wir die mann/frau sache im endeffekt nie so ganz ernst genommen haben.

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