als rede ich von einem andern

 

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von einer reise.

man redet wenig, man macht, man arbeitet sich hänge hoch im schnee, ohne stöcke wäre es noch mühsamer, man schaufelt schnee vom rost, entfacht ein feuer, kocht kartoffeln, stellt die schwere pfanne auf und das ding fängt an laut zu brutzeln, danach sitzt man da und isst und blinzelt in die sonne, die berge sind dunkelblau und eisig.

man macht am besten, „man kann nicht immer reden.“ sind männer so?

hingegen mit einer frau unterwegs, der gleiche jahrgang, natürlich macht man nun auch, man geht einen steilen hang hinauf, zügig, man bleibt stehen und bewundert die aussicht, immer wieder zeigen und sagen und benennen, das passt mir, und unterwegs schliesslich die frage , was nach dem tod kommt, wie ich das sehe.

Ich beobachte mich, fast amüsiert, was wirst du sagen oder wirst du schweigen, es ist ein raues terrain und das, was ich „weiss“, was manchmal, in kostbaren momenten, aus der stille auftaucht, bewegt sich jenseits von worten, es liegt davor, in der schwebe zwischen empfindung und gedanke. ist zerbrechlich, mit vorsicht zu handhaben und ich spreche das aus, weil jemand, eine frau, aufmerksam zuhört und, so fühle ich, tatsächlich wissen will, wie ich das sehe, nicht bloss so zum reden und um  pausen zu füllen mit worten.

ernstfall also,  was wir gerade tun, es ist ernstfall, es gibt keinen zweiten versuch. ich gebe zu, ich bin etwas aufgeregt, als ich sage, dass in manchen momenten eine präsenz wahrnehmbar ist, aber nicht mit dem üblichen sensorium.

und während ich das schreibe, soll ich mehr sagen und nein, wird mir klar, diese präsenz will von mir, vielmehr „für mich“. beharrlich und stur dreht sie mich dem leben zu, „auch wenn es schmerzt“ und  „du schaust zuviel in den tod.“

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dass ich nicht höre und sehe und spüre oder nur halb, nur widerwillig irgendwie.

das richtige wahrnehmen ist eine erinnerung, sage ich, dort am berg, aus einer zeit vor ihrem tod. seither teile ich die zeit in dieses vorher und nachher  und das nachher war seltsam leer und kalt.

es muss schon sehr kräftig zugehen, damit  das erleben mich überwältigt wie  eben an diesem steilhang im schnee, dann schiesst eine freude am blossen da sein hoch, ja, so gewaltsam und  aufgestaut und zurück gehalten,  urtümlich, roh,  explosiv. während ich vor anstrengung keuche.

so auch als die frage kam, und wie siehst du das, das danach, da war ich  am hecheln und  keuchen und zwang mich zu ganz tiefen zügen.  nun kam  die fremde kreatürliche freude. und erst beim abstieg.

es hat nichts mit glauben zu tun. in diesem augenblick wendet mich eine kraft dem leben zu. dort, wie an einer grenze erwischt sie mich und ich kann nicht mehr ausweichen.

nachts höre ich wieder willig auf die geräusche, die nacht ist wie samt und ich versinke darin.

vielleicht liegt es  an dem kleinen ort, der eingebettet in einem bergrund gehalten ist und beschützt. in nebel und regen, oder sinken die wolken herunter, wird die landschaft durchsichtig, man blickt in eine andere welt. dort ist man verletzlich und muss  nichts verbergen.

vielleicht lag es an der begegnung. der andere, selbst der freund, ist der fremde zuerst und wenn er bekannter wird, wird man sich selber der fremde.

man, schreibe ich.

als rede ich von einem andern.

wenn einer eine reise tut.

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