„was hast du noch zu verlieren“

Anouar Brahem, Blue Maqams gestern abend in der philharmonie. die musik löst bei mir einen ansturm von gefühlen aus, widersprechenden, streitenden, langsame beruhigung, magisch, es kommt mir hinterher vor, als sei ich stundenlang dort gesessen. versunken.

meine sehnsucht nach einer anderen welt, einer schöneren, einer wiederhergestellten, einer ohne kriege, ohne elend, aus dem dann noch gewinn geschlagen werden kann, ohne laissées pour compte, einer welt, in der die differenz (das anderssein, der andere, der fremde) als kostbarkeit betrachtet wird und endlich diese furchtbare tortur an tieren und natur aufhört. ich stelle mir eine welt im fluss vor und die braucht gegensätze, widersprüche, aber wie werden probleme gelöst, da gerade jetzt die lösung oft schlimmer ist als das ursprüngliche problem.

das kam hoch, bei den klängen, kein wunder.

The astounding eyes of Rita.

und dann die dummheit und verblödung, die zunehmende. man sollte sich nichts vormachen, diejenigen, die heuer von schulschwänzen reden, haben die in der schule was gelernt oder war das nur eine bestätigung von dumpfheit und denken bis zur nasenspitze. Oder ist das jetzt der in gerade dieser schule gebildete mündige Bürger, der sich aufgerufen fühlt, zu sagen, was sache ist, je beschränkter desto besser.

beim betrachten der fotos von der freitagsdemonstration der jungen überkommt mich eine gewisse schadenfreude, auch,  neben einer grossen genugtuung und einem etwas peinlichen impuls zur gewissenserforschung: was ist mit verantwortung, meiner, perönlichen und meiner leichtfertigkeit (die bizzare ungerechtfertigte hoffnung, das wird schon noch). mir fallen dann immer die blockbuster von jenseits des grossen teichs ein, darin retten ein paar helden die welt oder einer allein/eine allein, die sehnsucht nach dem erlöser nimmt immer verquerere formen an und man* kann weiter als zuschauer den sesselfurzer geben.

ganz frei bin ich nicht davon.

Waking State

wird die welt langweiliger (so Slavoj Zizek jüngst in der nzz), weil die frauen immer deutlicher und mutiger werden (sie nehmen sich etwas heraus und sie tun es nicht, um die männer aus ihrer krise zu holen, die eine allgemeine ist).

ich gebe zu, auch ich gerate ins schwimmen. aber was ist daran schlecht (oder gar langweilig).  „Mitunter wurde mir nämlich beim wilden Schwimmen in der Dunkelheit ein Licht aufgesteckt.“ (Laura in Irmtraud Morgners Hexenroman „Amanda“).

For no apparent reason

lasse ich mich auf ‚halsbrecherische‘ experimente ein (einfach die dinge zur kenntnis nehmen, zeuge sein, nicht abhauen (ein fast unwiderstehlicher drang, sich aus dem staube zu machen, so oder so) wenigestens den blick nicht abzuwenden, auch den in den abgrund der menschlichen (also auch eigenen) dummheit nicht / überhaupt: abgründe)

überhaupt freies denken (die grenzen des eigenen), und die weigerung, aus angst und verunsicherung denkzäune aufzurichten. von wegen ins schwimmen geraten: die lust daran. trotz allem und immer wieder.

Souvenance

und dann sehe ich mich aufeinmal als kind, und weil ein kind dazu gehören will, lernt es, ein junge, ein mädchen, oder was sonst, das ist dann schnell entschieden? ist es das wirklich? das leiden an diesen zwanghaften zuordnungen, mädchen sind so und jungen ganz anders? und dann läuft einem beim lesen so jemand wie Paul B. Preciado (Un appartement sur Uranus) über den Weg und das ist sofort wie schwimmen im meer und der horizont ungeheuer weit und die luft belebend und das licht kommt von ganz allein.

tief einatmen.

Toi qui sait (Le pas du chat noir)

„Endlos / von neuem anfangen“ (Rose Ausländer, Alt und neu, in: Im Aschenregen die Spur deines Namens, s. 198)

„was hast du noch zu verlieren?! also …“ („sieh“, marie)

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