sowas wie ein gebet

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Was mich heute beschäftigt?

Ich überspringe die kriegstreiberei, das ablenkungsgerede, die auslieferung von Assange, alles der gerechtigkeit dienend, ich staune immer wieder über die imperiale variante von sogenannter justiz und gleichzeitig stehn mir die haare zu berg dabei. Slavoj Zizek hat alles Nötige dazu gesagt.

Immerhin erinnert die morgenzeitung an den zwischenfall im golf von tonkin, der den einstieg der usa in den vietnam krieg rechtfertigte.  golf von tonkin? ja, man könnte sich historisch belehren lassen, wenn man denn wollte.  im krieg der guten gegen die bösen ist eine gewisse konfusion enstanden, wenn jemand ruft, und nun die guten, schreien immer alle hier.

Im mehr lokalen lese ich staunend, dass die stadtegierung  immer schon ziemlich nachhaltig war. die postmodernen politiker* (ein gendersternchen ist das) können, so ist wohl die regel des geschäfts, nicht „normal“ reden, also nicht sehr nahe an der realität, an den fakten, da ist meist so etwas verschwommen verschwurbeltes, eine nebelwand, in die man bei bedarf eintauchen kann, so habe ich das nicht gesagt, vielmehr… das macht die lektüre von interviews mit politikern* (wieder ein gendersternchen) so mühsam und kompliziert, hinterher hat wieder eine* die realität so schön geredet, dass einem fast die tränen kommen. ich frage mich, was hat sie* gesagt und finde das wort lange nicht, so in etwa: nebelsprüher, beileibe nur kein wort, das einen festlegt, also lieber gar nichts, leeres stroh gedroschen. abstreiten, ausweichen ist noch elegant, jedenfalls wegreden, alles ganz anders.  so nicht, so auf keinen fall.

dabei sind die leute* hier im vergleich sehr nett. das musste einfach mal gesagt werden.

also, das wollte ich alles überspringen und mehr ins allgemeine der beeindruckenden wolkengebilde, ja gebirge über meinem kopf gehen und in das unglaubliche gefühl bei nur kurzem hinausblicken auf die bLäue dazwischen, wo befinden wir uns hier. Ich hoffe in allem ernst,  jemand schaut uns zu und schüttelt wenigstens noch den kopf, statt sich schulterzuckend von dieser ecke der galaxie abzuwenden, hoffnungsloser fall, ende.

Er hat wieder einen hypochondrisch-misanthropischen anfall? keineswegs, aber gestern hatte ich ehrlich gesagt die schnauze voll. keine distanz, alles sauer, wir reden nicht mal von leiden, man kennt das, es kann überwunden werden durch nichtanhaftung, loslassen, die gier, den wunsch, das habenwollen, das sein wollen, das gemochtwerden wollen und du gehörst doch dazu, ganz zu schweigen von tod und den gebrechen davor und den ängsten, den flankierenden. und die fragen erst, macht es sinn und die suche danach und die aufgabe, was mache ich hier, braucht noch jemand mich.  die suchmaschine  gibt sich zufrieden mit gar nichts, du denkst, du hast einen zipfel des existentiell zentralen erwischt und morgens beim aufwachen ist es schon weg, hat sich über nacht verdünnisiert, aus dem staub gemacht und du… du fängst wieder von vorne an.

Also es ging überhaupt nicht darum. jedenfalls nicht hauptsächlich, ich meine, das ganze dolle paket läuft natürlich immer im hintergrund mit und es bricht gelegentlich daraus hervor wie eine meute kläffender kleppse, aber darum ging es nicht. wahrhaftig. und ernsthaft nicht.

Das problem ist, auf einer höheren stufe der bewusstseinsentwicklung, einer moralisch gestützten, dürfte sowas eigentlich,  gar nicht passieren, sowas wie ich habe die schnauze voll, da steht man doch längst darüber. Ich höre manchmal solche sätze.

Der ausdruck gibt sofort preis, dass darin nicht eine stinknormale (wirklich?) flemme steckt, es handelt sich eben nicht um einen anfall der  kopfhängenden melancholie , sondern es schwingt eine eindeutig aggressive note mit, ein ihr könnt mich mal und mir den buckel runter, wenigstens eine pikante prise davon.

Meist gehe ich dann in den wald, die bäume sind so freundlich und ich strecke die waffen. der raum ganz erfüllt von dem schweigen mit Marie,  den Schritten von Marie neben mir und das versteht sich von selber, das muss nicht extra gedacht und gesagt werden.

Gestern war das nun wieder ganz anders, irgendwann bin ich aufgestanden, ebenfalls ohne lange nachzudenken,  habe die gartenschere geholt und schon tauche ich in die arbeit ein  und der letzte rest zorn verfliegt, was dann passiert ist zwischen mir und den hochgewachsenen büschen am eingang. 

das sind die momente, in denen alles präsent ist, jede minute mit marie, aber auch sonst alles, alle leute*, die ich kenne und kannte und alle erlebnisse  und alles schweigt und geht nur in das tun, in jeden einzelnen handgriff, jeden blick und am ende hat es eine sichtbare form.

Amen

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2 Gedanken zu “sowas wie ein gebet

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