seelenuntergrund

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alles ganz langsam angehen, zeitlupig fast, dann ist schon jemand, der schnell auf der strasse vorbei geht, ein rennfussgänger und ich gewöhne mich allmählich ans sehen, streife die dinge behutsam mit meinem blick, als könnten sie jederzeit verschwinden und sie erscheinen mir gerade heute morgen so kostbar, so flüchtig, so bedroht.

aber unter dieser leicht grostesken behutsamkeit, ich schliesse zwischendurch immer wieder die augen, weil es des guten fast zuviel ist, lauert eine mir noch nicht so bekannte angst, als drohe mir eine offenbarung, der ich nicht gewachsen bin, wenn ich mit meinem blick verweile.

so als würde ich in eine wahrheit sinken, wenn ich alle vorbehalte lasse, mein anschaungsgrid nicht einschalte, kein weltanschaulicher rahmen ist dieser wahrheit gewachsen.

ich habe manchmal angst, ich sei in diesem universum ganz allein, aber wenn es mir gelingt, darunter zu tauchen, und das ist nicht besonders leicht, denn statt angst könnte ich auch panik sagen, eine art existentieller konfusion, in der alle fragen durcheinander schrein und gestikulieren und ich flüstere nur noch, hört auf bitte, kann denn niemand diesen schrillen cacophonischen lärm hier abstellen.

so als gebe es direkt neben und unter der angst oder ist es sie etwa selber, eine schicht chaos, durcheinander, erratische blöcke von unverständnis, die poltern und krachen übereinander und durcheinander.

sehr oft lasse ich mich beeindrucken. (weshalb mir dann das leben – und der garten allein ist doch so weit und so tief und reicht bis in ein jenseits aller vorstellung – sehr eng vorkommt, ein käfig und an die wände gemalt des images d’Epinal, schreiend falsch und flach und komisch, habe ich das nicht schon öfter angedeutet?)

man könnte es auch das procedere der meditation oder verwandter zustände bei mir nennen, das sinken zuerst, endlos manchmal und quälend, bis eine schicht grösserer ruhe erreicht ist, nach heftigen turbulenzen und durchgerüttelt und selbst diese ruhe ist anfangs gar nicht zum aushalten, ich spüre den fast unwiderstehlichen impuls aufzuspringen und weg über berg und tal (manchmal in stilleren zeiten ist es auch die süsse versuchung ins lallen zu geraten, ins wegdämmern, ins nichtmehrwissen), kann ich dem frieden traun und ist nicht auch dort, nicht sehr weit entfernt, ein schmerz, der dich krümmt und bricht, die erfahrung, das leben tut weh und es gibt kein vernünftiges mass, so dass unter dieser ersten eher trügerischen ruhe vermutlich noch eine andere, eine ganz andere verfasste sich lagert, in der gibt es kein verlassensein, keine trennung, keine art von  zerbrechen sondern nur dies: unversehrtheit, uranfang eines friedlichen, stillen und schönen, wie  sommerbrise im frühen garten, wie  vogelflattern und federnspreizen am tümpel und tränke , wie  blaues glitzern von libellen über dem gründelteich, wie fernes lächeln von allem, wie geborgenheit.

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