spieglein, spieglein

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die stille, als habe ein riesenkrawall urplötzlich aufgehört, als sei eine granate mit stille darin soeben geplatzt, ich kann es fast nicht fassen, das geräusch der eigenen schritte auf dem alten holzboden, die hantierungen wie eine meditation, jede geste, jede bewegung plötzlich hervorgehoben aus all dem tun und lassen, selbst das berühren der tastatur hat eine qualität, die ich gar nicht mehr kannte.

motorengeräusche von ferne, helikopter vermutlich, kommt näher, noch näher und entfernt sich, der stuhl knarrt, stille. und dehnt sich aus. draussen schritte, ein auto fährt vorbei, sehr gedämpft, eine entfernte stimme, unverständliche menschliche laute.

fast achtunddreissig jahre ist es her, dass ich allein in einer wohnung herumgehe und nun staune ich: die überschaubaren räume, die wände weiss, noch keine bilder, ausser dem neu erworbenen, das ich langsam und vorsichtig entdecke.

überhaupt heran tasten.

von ihr habe ich ein foto hingestellt, ich blicke auf und sie schaut mich an.

wenn ich recht gehört habe heute morgen, dann müssten in der nächsten zeit weltweit etwa 50 % der flächen als naturschutzgebiete ausgewiesen werden, jedenfalls unter schutz gestellt (vor uns selbst und unserer ignoranz), damit die noch bestehenden arten, soweit sie noch bestehn, erhalten bleiben.

manchmal denke ich, wenn sie alle nicht mehr da sind, werden wir uns nicht wieder erkennen.

die bezeichnung elite will verdient sein. das war doch einmal, dass man nur geboren werden musste, um privilegien zu haben oder?

wie ich diesen gedankensprung verantworte. also … und dann … genau das … meine ich auch!

Ich schaffe es noch immer nicht, freiwillig gewisse namen zu nennen, die durch die (sozialen) medien geistern wie wiedergänger, ich bin überzeugt (meinetwegen magisches denken), dass die betreffenden sich von jeder form von aufmerksamkeit ernähren, jede namensnennung bestärkt sie, die leben doch davon.

was nicht heisst, dass man nun nicht mehr fragen sollte, wie solche sozialen fänomene möglich geworden sind.

zum trost, ein zweifelhafter – fallende riesen können eine menge unfug anstiften – rate ich mir zur lektüre einiger ausgewählter titel: von Peter Heather, Der Untergang des römischen Weltreichs / von Edward Gibbon, Verfall und Untergang des römischen Reichs. Den verfall des imperiums hat Johan Galtung schon vor einiger Zeit diagnostiziert. Ich kann mich noch erinnern, dass ich nachdenklich hochgestimmt aus seiner konferenz nach hause marschierte. Johan Galtung also, The Fall of the US empire – and then what?

und bei jedem anfang ist das so – and then what? also auch jetzt. für jeden und mich auch.

es ist still in der strasse, der rummelplatz ist nah und doch ist er fast unhörbar. manchmal nur ein dumpfes rumpeln von sehr weit.

und dann frage ich mich, wieso ist dieser text so kraut und rüben, désordonné. dann schaue ich auf, ein spiegel meiner neuen wohnung.

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