ich will gar nicht vergessen oder „rat für die ratlosen“

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sind sie zufrieden, fragte der mann von der firma „rat für die ratlosen“ und ich, wie aus der flinte geschossen, nicht aggressiv etwa, sondern nur überzeugt, als hätte ich schon lange auf die frage gewartet: nein. ganz sicher nicht: nein.

gar kein zögern möglich.

dabei hatte die situation mir gar keine andere wahl gelassen, als zu antworten.

in meiner antwort steckte die nächste frage, das wusste ich und niemand anders als ich selber stellte sie.

überhaupt war es so, dass ich mit mir selber redete. kind of.

was brauchen sie? wieder der mann von „rat für die ratlosen“.

ich bin dann wie die katze um den heissen brei, aber näher will ich im grunde gar nicht.

wieso? er wieder, er lässt nie locker.

und ich, leidlich genervt: weil bei solchen fragen mein ganzes leben erscheint, als lebensgefühl, als bilanz, und auch, sofort, der verlust, sie also, ihr gesicht, unser austausch, ihr geist, ihr körper, was für die meiste zeit dasselbe war (was sowieso dasselbe ist).

die frage ist eine scheissfrage und ein schmerz. natürlich weiss ich, was ich brauche (und manchmal weiss ich es eben nicht), ich bin doch kein idiot (zu dem mann von „rat für die ratlosen“), auch wenn ich mich sehr dumm stellen kann. jetzt spürte ich meinen ärger, spitz, unbequem.

seltsamerweise merke ich in den  tagen danach, dass auch ohne antwort die frage ihre kraft entfaltet. zuerst verkrieche ich mich, dann flitze ich einen ganzen tag herum, ohne mich zu beschweren, ich rede gern mit leuten, stelle dumme fragen, sage sachen wie, ab einem gewissen alter ist alles geschenkzugabe. wenn ich bei einer auftauchenden schwierigkeit nichts machen kann, meditiere ich meine ohnmacht, meine hilflosigkeit. wenn ich eine lösung habe, mache ich, ohne états d’âme. es gibt zumutungen, die haben hingenommen zu werden.

es gibt die gnade des vergesssens, aber in dem hier angesprochenen fall kommt diese gnade nicht zum zuge. was man braucht und ersehnt ist durch das vergangene erleben und dessen qualität geprägt und ein waches auge auf sich werfen bedeutet gleichzeitig den verlust zu sehn. wie das? er wieder, lästig, aber nötig. man spürt es im leibe. habe ich doch schon gesagt.

ich funktioniere so. ich nehme das zur kenntnis, sagte ich.

der mann von „rat für die ratlosen“ nickte. das macht er öfter, wenn er mich listig ansieht und eine bemerkung platziert, kurz, klar und präzise. die mich schachmatt setzt.

ich will gar nicht vergessen.

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ich sehne mich nach schnee, hier, nicht dort und mindestens 1 (einen) meter hoch

 

(„Rat für die Ratlosen“ ist der Titel eines Buches von E. F. Schumacher, des frühesten Vertreters einer Postwachstumsökonomie)

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