eine unaufhaltsame bewegung

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ich gehe die treppe hinauf, die vertrauten farben des holzes, die wärme, die davon ausgeht. marie ist gar nicht weg, denke ich und ich weiss natürlich, dass sie weg ist; aber das ist egal, für einen kurzen moment war sie da, nie weg gewesen, keinen augenblick und diesmal macht mich das nicht traurig, für einen moment war sie da, alles andere interessiert mich gar nicht.

du bist noch immer dabei? das höre ich manchmal, es wird nur nicht laut gesagt (doch schon angedeutet), warum redest du überhaupt noch davon, life goes on, mein lieber. es liegt sozusagen in der luft.

es ist mir auch egal, man gewöhnt sich an alles (oder auch nicht) und niemand muss irgendwas verstehn. zum beispiel, dass ich seit dezember, und viel früher noch, den zustand nicht mehr kenne, den man als normalität bezeichnet, ich weiss gar nicht, was das ist, aus einem einigermassen geordneten alltag bin ich herausgefallen. das ist keine klage. ich empfinde seither alles als aussergewöhnlich, ich weiss gar nicht, wo ich gelandet bin. das übliche finde ich besonders uninteressant, das ist kein urteil, ich empfinde es einfach so. ich finde es rührend, wie alle ihren gewohnten tätigkeiten nachgehen, ich bedaure niemand, auch mich nicht. mein mitgefühl weitet sich mit jeder erfahrung. manchmal weine ich vor freude, manchmal lache ich, weil es weh tut. das leben ist eine seltsame veranstaltung. manches kommt mir völlig verrückt vor, ich meine nicht den verstand, ich meine das gefühl, das mich überkommt, wenn ich die zeitung aufschlage oder die sozialen medien durchblättere. alles berührt mich, manchmal muss ich mich schützen und manchmal möchte ich jemand zurufen, der sich abmüht, es ist ja gut, alles wird gut. vieles, was ich sehe, mutet mich kindisch an, hinter manchem vermute ich nicht nur eine destruktive gewalt. manches, was ich vor langer zeit (vor dem herbst letzten jahres) noch normal fand, sehe ich nun als pervers an, gegen das leben gerichtet. mein neuer begriff (ich habe ihn nicht erfunden): deathphobic, was meint angst vor dem leben, sich dem leben nicht hingeben können. hingabe ist kein begriff à la mode du jour. es reisst dich auf, ob du willst oder nicht, es wird fertig mit dir.

wenn etwas mich wirklich berührt, wenn ich mich davon berühren lasse, dann muss ich mich für eine weile in meiner höhle verkriechen. was ich mit etwas meine? ein mensch, ein schöner. ein vom leben erfülltes gesicht, ein gezeichnetes. natur, immer, ein waldrand, ein hang in den bergen, ein hügel meiner erinnerung, ein windhauch, der regen, eine musik, eine stimme und ich frage mich, was ist das für ein mensch. manchmal überwältigt mich alles, darf man das sagen, das leben kriegt mich klein, es fickt mich (zu tode). soll ich mich entschuldigen, dass ich es so erlebe. es gibt gar leinen leeren augenblick, keine langeweile, alles ist neu und aufregend, elektrisch, jederzeit. in der stille spüre ich eine unaufhaltsame bewegung.

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