der tod des verständnisses

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wie kann man eine wortlose form beschreiben, eher, eine bewegung, die fast nicht sichtbar ist, dem geistigen auge schon, aber, wie gesagt, keine wörter. vielmehr, es beginnt ein fliessen und wortloses sagen, wenn der  redeschwall sich gelegt hat: die letzten wörter verstummen, wie aus der luft gefallen.

was sehe ich dann, was höre ich?

in diesen tagen sind die wände dünn, die mich trennen von meiner toten, ich sage meine, aber sie gehört nur sich selbst, ich nehme an, das erste mal seit langem, einem leben, ist sie ganz für sich, und ohne wunde.

manchmal ganz erfüllt von dieser geahnten vorläufigen rundung durchquere ich parks und wälder, mein geist fliegt, das innere land weitet sich, es ist nicht mein eigentum,  dieses „mir gehört das und jenes“ ist dort lächerlich, als verleihe die anhäufung glück und was für eines und ewiges leben.

spätestens dann, wenn man auch vor dieser leiche kniet, beginnt das, was ich wahrheit nenne.

werde nicht pompös, sagt sie, so höre ich sie sagen, es ist unverkennbar sie, in diesen tagen sind die wände dünn und meine tote tritt mich in den arsch und bläst mir den marsch. ich sehe wieder besser, gerate aus meinem nebel heraus. was liest du am liebsten, fragt sie. und ich, das stärkende. also das unbequeme.

ich habe nichts gegen spiele, im gegenteil, ich nehme stil, erscheinung und innovation absolut ernst. nur habe ich einen einwand, wohin führen sie und, wie ein kind frage ich das, gibt es einen hellen streifen wenigstens am horizont. ich weiss, die welt geht unter, wie leicht geschieht das, wie elegant auch, alles im handumdrehen, legerdemain, in schutt und asche, was man festzustehen glaubte als zivilisatorische errrungenschaft. erziehung, bildung, lernen überhaupt, entwicklung, dass ich nicht lache, und das grosse vergessen breitet sich aus schneller noch als das licht und löscht,  die sprache, sie verstummt und das grosse brüllen beginnt, das unartikulierte, die groben visagen, die drohgebärden und bald auch die taten.

das geht, wie gesagt,  im handumdrehn und wir, was haben wir aufzubieten? ich meine neben differenzierten betrachtungen, postmoderner sagweise und hilflosigkeit.

ich meine das sehr ernst, dass ich sehen kann, wie die sprache verstummt, die wörter fallen aus der luft wie tote vögel. und die, die übrig bleiben sind faustschläge und schlimmeres.

das geht real vor, ich kann noch lesen und sehe die bilder und marie sagt nicht mehr, darüber haben wir schon zichmal geredet und also ist längst nicht alles gesagt, zwischen uns und überhaupt, wir haben zu reden, und das wird sich drehen um: wo ist das stärkende? der halt in den kommenden stürmen?

werde nur nicht pathetisch.

sollte ich grob werden müssen?

mein denken ist dünn, ich gebe sofort zu, die paar sachen, die ich mir zusammen geklaubt habe, sind von gestern, nichts neues darunter? vielmehr, es sind sehr intelligente sachen dabei, einiges davon verstehe ich sehr wohl, ich folge gerne brillanten argumentationsketten und scharfen analysen, differenzierten, keine groben klötze, obwohl …

und am ende habe ich das gefühl, es fehlt etwas, das verstehen flackert und erlöscht und dann sitze ich wieder im dunkeln.

der tod meines verständnisses.

(ich folge allen erklärungen, willig, nicke mit dem kopf, sogar unter halbwahrheiten gibt es manchmal eine perle und sicher liegt es an den besitzverhältnissen und den himmelschreienden sozialen ungleichheiten, dem elend, der enttäuschung, dem ras-le-bol und der verzweiflung manchmal und doch ist es mir ein rätsel, wie jemand mit einer totschlagmentalität…)

es tut mir leid (tut es das?).

ich stehe an ihrem sarg, ich schaue genau hin, ich habe nicht weg geschaut. ich habe gedacht, sie ist tot. das denken, sie ist tot, war nicht das erleben, sie ist tot. das fühlen, jeden tag, den ganzen tag lang. der gedanke, ja, sogar der ausgesprochene satz, war völlig abstrakt, völlig unbegreiflich, ein toter satz, ein toter gedanke, erst nachher erwachte etwas zum leben, das war das fühlende bewusstsein des todes, sehr, sehr langsam erwachte es, ich wusste nun, es kann einen wegtun.

so sitze ich mit meinem unverständnis, das ist der tod, stur sitze ich vor dem sarg. ich komme aus einer gegend, da ist diese sturheit im boden, sie steigt daraus auf, sie ist so schroff wie die landschaft mit hügel, wald, schlucht und felsigem abhang. so sitze ich, so gehe ich herum, der stil ändert daran nichts, nicht die innovative sagweise (nicht meine). ich kann nicht einmal sagen, unsere kultur befriedigt mich nicht, nein, ich nehme mir daraus, was mir passt (wohin es mich zieht), aber immer bleibt dieser rest, neben aller zustimmung und ablehnung (eine hassliebe), und den nenne ich ( stur, wie ich bin, „verbruet“, starrsinnig, widerspenstig (das auch)),  tod meines verständnisses und ich wiederhole, ebenso stur und unnachgiebig, davor sitze ich wie vor deinem sarg, marie.

jetzt.

 

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