von der front nichts neues

man dreht etwas im kreis, man wiederholt sich.

nach einiger zeit geht einem das gerede auf den wecker. corona hier corona da und alles ein bissel eng und mechanistisch und wie krieg gegen die bad guys und als kirsche auf dem cocktail ein häppchen angst. ich bin müde mir das für und wider anzuhören und die gescheiten sprüche, die dazu geklopft werden und die abkanzelungen und überhaupt, ich weiss alles sowieso besser.

seit wochen schon lese ich mich kreuz und quer durch alle erdenklichen sachen, stellungnahmen, gegendarstellungen, polemiken, statements, meinungen, forschungsergebnisse, abweichende stimmen, politische verlautbarungen, habe mir auch eine meinung gebildet, aber ich muss am ende doch sagen: ich weiss es nicht.

ich stelle fest, es ist nicht einfach, dabei zu verweilen (tägliche meditation).

am unerträglichsten sind die besserwisser aller couleur. (auch nichts neues)

(und zwischen allen meldungen geht fast unbemerkt die realpolitische abdankung der grünen durch: ceta heisst sie und die altbekannten argumente für die kehrtwendung: abdankung auch da.)

die reduktion äussert sich nicht bloss im hausarrest. alles gesagte wirkt aufeinmal allzu einfach.

jemand hat am anfang des confinements gemeint, krankheit und leiden hätten keinen sinn. nach ein paar wochen des abgesondertseins ist das eine erfahrung. auch ein gefühl. irgendwann lösen sich die gründe, die es gibt, vom erleben ab und man tut halt, was man tut und müsste sich jedesmal erinnern, warum man es tut. es hat den sinn eingebüsst, ich erlebe es so, als völlig absurd.*

ja, doch, es gibt gründe.

aber die erscheinungen (die massnahmen in den einzelnen ländern) sind sehr unterschiedlich, ja, widersprüchlich, und auch das hat gründe und es ist ein bunter chor davon. einige bedienen das ding (das corona dingsda) schon pfaffenhaft, rufen zur ordnung, werden herablassend, ausfällig, verfolgen ketzer, abtrünnige, ungläubige.

natürlich gibt es gründe, die sicherheit, die gesundheit.

was bleibt ist der eindruck, in einem unsichtbaren gefängnis zu leben von müssen und sollen und so ist es eben nun.

andererseits ist es eine mollig dumpf komfortable art zu leben, wenn man gesagt bekommt, was zu tun ist und was zu unterlassen, les gestes barrières und komm mir nur nicht zu nah. die kleine paranoia der alltäglichen begegnungen. die choreographie der phobie.

manche sätze kann man gar nicht mehr sagen, zum beispiel sätze über den tod. aber vielleicht, so sage ich mir, ist es unter umständen vielleicht eine gute idee, das eigene leben von seinem ende her zu betrachten.

ich habe mir spasseshalber erlaubt, über einen ausweg nachzudenken, aber „die möglichkeit einer insel“** besteht nicht. wohin man auch blickt, es gibt keinen ausweg. man kann sich nicht aus der veranstaltung stehlen, ausser man verabschiedet sich endgültig und, ehrlich gesagt, danach ist mir nicht zumute, denn: die verdauung ist gut, der schlaf tief, die träume interessant, ich habe genug menschliche nähe, ich lästere und lache, manchmal bin ich traurig, bin gefasst oder angriffslustig, dann suche ich nach einem hebel, mit dem sich die corona maschine geistig aushebeln lässt, denn einiges daran schreit nach dekonstruktion, also auch dieser appetit stimmt und wenn ich richtig depressiv bin, gehe ich in den wald, häng mich in die sonne und bei regen verwandle mich in einen begnadeten hörer.

die entdeckung der symphonischen qualitäten eines regengusses.

und ausweg trotzdem.

indem ich das ende erinnere, spüre ich den inneren an- und auftrieb. was morbide klingen mag ist in wirklichkeit mein täglicher lebenskick.

deshalb, verzeihung, wenn ich jemand zu nahe trete, mutet mir einiges ziemlich schlapp an, sackgassenmodell sozusagen, und sinnlos.

zur wahrung des lebens die reduktion des lebens?

ja, das ist, weil…

ich weiss.

ausserdem gibt es ein innen.

eine innenseite des erlebens und erfahrens.

zumindest gibt es nun andere innere wege oder verfahren und landschaften. man hat sie (wieder oder neu) entdeckt? eine art religio gar?

nein?

doch.

„haben sie eine vertiefung ihres seelenlebens erfahren und wie wirkt sich diese erfahrung in ihrem täglichen leben aus.“ (frage in einem alternativen blatt).

?

??

???

die birken unten am weg nicken den drei vor meinem fenster zu, dazwischen baumwipfelgetuschel, von hellgrün zu dunkelgrün, von rostbraun zu gelbgrün.

morgens um sieben klauen die raben das vogelfutter, krächzen und keifen. der himmel ist makellos blau. ich trinke noch einen expresso.

am montag, gewiss, am montag, ist alles schon wieder anders.

?***

??

???****

*“il faut imaginer Sisyphe heureux.“ alles Nötige bei Albert Camus, Le mythe de Sisyphe

**Houellebecq natürlich und Defoe; die Robinsonade bei ihm misanthropisch antisozial und kolonial, auch meine vorgestellte Robinsonade hatte etwas misanthropisches, ich gebs ja zu, dem kram den rücken zuwenden und sich in die büsche schlagen / Schnabel, die Insel Felsenburg / Schmidt, Die Gelehrtenrepublik / Raoul Schrott, Tristan da Cunha oder die Hälfte der Erde / Annette Pehnt, Insel 34 / Die Inseln. Idylle und Desaster, so ein Essay von H.R. Brittmacher / eben: kein ausweg, man ist mitgemeint

***Houellebecq sieht hier keine Frage; es wird wie vorher sein, sagt er, nur schlimmer.

****Augen auf und durch? man übt sich, hat sich in gelassenheit geübt, mit unwilligem zwischenrufen, natürlich

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