beim betrachten einer skulptur: falsch singen in allen tonlagen

 

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M. B.

ich stelle mir vor, die skulptur spiegelt ein bild meines innersten, verborgensten, wo das tote wohnt, das unerlöste. manchmal habe ich den eindruck, dort wartet etwas in einer gruft, die ich ihm bereitet habe. auch wenn es nicht so aussieht, dieses gefolterte dasein, eingeschnürt, umwickelt, damit die schreie nicht zu laut werden und doch klingen sie an mein ohr, nachts, wenn ich hochfahre aus meinem unruhigen schlaf. habe ich noch zeit, wieder aufzuwecken die elementare befriedigung über das dasein, trotz allem oder gerade wegen dem gemischten, dem schmerzlichen lächeln bei allem, dem freudlosen lachen über unsere beginnen, die schönheit zu ruinieren. und wenn ich von schönheit rede, dann meine ich nicht die vereinigten ungerechtigkeiten der welt, die fehlende sensibilität für alles lebendige, die mangelnde einfühlung, die hohlheit der reden, das eitle paradieren der macht, denn sie ist nicht schön.

das muss schon lange so gehen, lese ich in dem bild, in einem raum nebenan, ganz nah und die wände sind nur in meiner einbildung. gibt es eine auferstehung für die unbändige sehnsucht, endlich ganz zu sein, geheilt von allen illusionen über mich, über uns und trotdzem ein lächeln, auch wenn es in den tod geht.

fast ertrage ich es nicht mehr, wie wir als teil dieser welt diese welt ansehen, als sei sie ein totes ding, mit dem man umgehen kann. das, was uns treibt, ist dieses unerlöste, das manchmal für einen bruchteil von zeit in die sichtbarkeit tritt und uns anruft.

mich anruft! die toten rotieren im grab, das sieht man, das hört man und wir mit unseren fantasien, wie die welt angeblich ist, versperren mit abgeflachten gedanken die tür, wir hören das wispern nicht mehr, die unruhe um uns herum, wir sind gefangene.  eingewickelt in unsere vorurteile, unsere annahmen, unsere glaubensartikel. ich kann es nicht mehr hören, wenn vom ende der religionen und glaubensssysteme geschrien wird, immer lauter, denn ich sehe sehr wohl, dass mein fundus an glaubenssätzen so gross ist, dass ich mich jeden tag hinsetzen muss, um zu fragen, ist es wahr, kannst du sicher sein, dass es absolut wahr ist und die gespenster weichen.

vielleicht, so hoffe ich, werden eines tages in der gruft meiner lebensfreude nur noch bandagen auf einem haufen liegen und ich höre einen wilden gesang, sehe einen verrückten tanz, denn das schlimmste an solchen gräbern ist, in ihnen ist die langeweile am werk, denn so wie wir nun die welt denken, breitet sich die langeweile aus in gewaltigen druckwellen, ein riesiges gähnen über allem, was angeblich zählt, und es riecht nicht nur nach grab und gruft, diese dehnt sich aus, nach links und nach rechts verlängert sich die reihe in die unendlichkeit.

etwas in mir ist schon aufgestanden und ein grab wenigstens ist leer, ich höre mich falsch singen in allen tonlagen, das leben ist auch schrill, wenn es aus dem grab steigt.

 

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M. B.

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