marie heisst die rückkehr

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jemand macht die tür auf und schreckt zurück, ein sammelsurium von farben und formen, völlig ungeordnet demnach und alles zuviel und bevor er sich setzt, beginnt er die dinge im raum zu verschieben, in der vorstellung zuerst und dann wirklich in die grössere deutlichkeit, ins einfachere, in die klarheit, das gemütliche auch, aber in massen, keine rumpelkammer der erinnerung bitte.

natürlich wird der stuhl an den tisch gerückt, die bücherstapel inspiziert, die kleidungsstücke in den schrank geräumt, das leinen glatt gezogen, die decke zurückgeschlagen und endlich, mit einem seufzer der erleichterung – die klaren linien, die übersichtliche anordnung der farben, eine gewisse kühle hier und eine leichte wärme dort, der blick klärt sich, es ist nocht nicht ganz zuhause, aber immerhin schon eine annäherung – nimmt er das aufgeschlagene buch vom rücken der couch und beginnt zu lesen, hoppe erklärt hoppe und macht hoppe nur noch mysteriöser, aber das mysterium rückt näher.

marie heisst die rückkehr und sie lächelt, nicht nur auf fotos, von seiner reise hat er die gewissheit mitgebracht, von ihr mehr bekommen zu haben, als es nach seinen früheren vorstellungen vom leben überhaupt zu erwarten gab. wenn er nun fotos von ihr anschaut, fühlt er sich reich beschenkt.

und nun? reden wir nicht mehr von trauer, verlust und sie fehlt mir (und allen, die sie kannten)?

jedenfalls ordnet er sich nach einer weile ebenfalls und erscheint sich selber wieder als ich. es braucht halt immer eine weile.

und die reise? sie war gut. und wohin führte sie?  ins verborgene, unsichtbare, in lesewelten also und keine zeit mehr. morgens um vier, halbfünf  legte ich das ausgelesene buch neben das bett und stellte zerstreut fest, das licht hat sich schon verändert, der morgen kommt, was auch immer das ist und dann schlief ich auf der stelle ein und träumte, ich sei unter seltsamen buchleuten, geistesverwandten in einer skurrilen lesewelt.

es war eine annährung an die gegenwart von weit draussen her (aus  weltraum und tiefe der galaxis), das klärte den blick für kräfte, die gegeneinander und miteinander ringen. im kern der dinge steckt der widerspruch und gegensatz und es gibt keinen weg, ihn zu beseitigen. plötzlich stellte ich fest, das ist ein trost, zugegeben, ein seltsamer vielleicht, aber für mich ist es einer.

zurück gekehrt fühle ich mich befreit, wie von einem bann, wie aus einer trance erwacht.

ehrlich, studien habe ich betrieben über die abnahme im alter, der kognitiven fähigkeiten und der sensorischen, das orientierungsvermögen im raume (auch im gesellschaftlichen) wird schlechter und die unsicherheit steigt, die angst demnach und das unverständnis und nicht verstehen, alles wird zu schnell und eben deshalb die konservativ-bunkernden ansichten, die rückwärtsgewandtheit und früher war eben doch nicht alles besser, die halsstarrigkeit und besserwisserei.

ich gebe zu, die perspektive hat mich nicht erfreut und die suche nach symptomen auch nicht. ich erinnerte mich lebhaft an die beiden bösartig kichernden alten auf dem balkon der muppet show und fragte mich, macht die gegenwart dir noch spass oder siehst du überall nur noch die spuren des nahenden untergangs, grämlich boshafter wahn gram des senilen alten.

ich suchte nach dem kurort und der kur, es gibt mehrere, aber eine davon ist gewiss die bewahrung von offenheit, neugier und  abwechslung (ehrlich nichts ist schlimmer als die wiederkehr des ewig üblichen, dieser grosskleinsteinschen obsession, wir habens immer so gemacht und es hat noch nie funktioniert, denn hat es das leben  lustiger gemacht und nein und also machen wirs lieber nochmal). erwartungen, die sich nicht erfüllen, kein märchenhafter ausgang, aber die fülle des lebens, alles, inklusive der kognitiven dissonanz, sie lebe hoch.

natürlich hört man nicht auf, nach einer aufgabe zu suchen und einem sinn, sonst wäre es ja langweilig öde. was aber, wenn die aufgabe heisst, in der nachbarschaft zu sein und zeuge, am besten ohne allzu grosse schwindelanfälle an den dunkleren stellen?

es ist gut, ein wunder im rücken zu haben und trotz allem das unmerkliche lächeln.

 

 

 

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