was für ein kind ich war

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also noch ein wenig herum sitzen und sagen, mehrmals hinter einander: was mache ich hier, himmelherrgottsakra, und nochmal, scheissdiewandan. von links knackt es manchmal, von rechts ein extravagantes summen, dessen herkunft auch nicht klar ist. dazwischen ich als hörer.

ich tue so, als sähe ich das durcheinander nicht.

ausserdem: café trinken am morgen ist eine durch und durch sakrale angelegenheit, ich reise zuweilen in die vergangenheit  zu meinem Vater, der schon den café schwarz trank und zu uns beiden, unseren verrückten caféfahrten auf reisen zum nächsten expresso, einmal waren es 50 meilen.

in der mitte der aufgebauten regale klafft noch eine lücke, die auf eine falschmessung zurück geht und die öffnung für die steckdose ist zu weit auf die linke seite geraten.

fast bin ich enttäuscht, dass die schrauberei jetzt ein ende hat, denn nach einem muster, immer dem gleichen, etwas tun hat einen eigenen reiz, mir fällt dann chaplin ein, modern times und die roboter in werkhallen, clean, präzise und kalt.

vorher habe ich beim café zeitung gelesen, das verpasst mir frühmorgens die nötige dosis melancholie.  über die sadomaso szene, die noch immer im hinterzimmer stecke, so die autorin, und übel beleumundet sei (spiegel online) und die präsenz chinas in afrika (zu dem thema die newsletter von Quartz).

also online mässig schon sonntagmorgens über den tellerrand unterwegs, aber sonst.

eine seltsame scheu hält mich zurück das wohnviertel zu erkunden, brötchen beim bäcker zu holen wäre doch eine gute idee. aber ich zögere, sitze in meinen vier wänden wie in einem schneckenhaus. würde schon hinaus, könnte ich das haus mitnehmen.

das darf man doch sagen, dass die wohnung eine schutzzone ist, ein exterritorial schwebendes gebilde ausserhalb, ma bulle, mon refuge.

macht zeitunglesen schutzbedürftig? umzüge sowieso, jeder schritt vor die tür ein wagnis. das erinnert mich an die trennung vor vier jahrzehnten, da überredete ich mich dazu,  vor die tür zu gehn, und nun denke ich  daran, was ich für ein kind ich war, das geht noch immer mit mir herum. und die welt war sehr seltsam. aufgehängt in ein endloses, endlos weites.

inzwischen deute ich die  unbekannten geräusche im haus, schritte im treppenhaus, diskret, ein scharren in der wohnung oben drüber, von ferne, von unten her klappern einer waschmaschine, weil die kellertür offen steht. jemand trampelt oben sportlich herum, ein erkennbarer rhythmus.

zwischendurch die neue sachlichkeit, junge, die statt zu polemisieren (wie politiker) und zu beleidigen (wie präsidenten) zur sache reden, fakten statt fakes.

und schliesslich: in das alleinsein mischt sich die klage, gerichtet an nichts und niemand, gemeint: sie, die ich gerade, soeben, in diesem präzisen augenblick, so heftig VERmisse.

dann sitze ich da und bin nichts als genau das.

dann geht es vorüber, wenigstens so, dass ich aufsteh und tue, was zu tun ist und ansteht.

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noch mehr durcheinander

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aus der stille so etwas heraus klopfen wie eine gestalt, eine alltagsroutine, ich wache morgens auf und finde mich selber kaum wieder. nein, nicht desorientiert, nicht, wo bin ich hier, nein,  als fremder an einem fremden ort, an den ich mich langsam gewöhne, und ich selber eine kaum erst begonnene geschichte.

beim ersten café kaufe ich mir die geschichte  nicht ab, aber ich gebe zu, bei den verrichtungen am beginnenden morgen beobachte ich mich leicht argwöhnisch und nachts ebenfalls, wie aus dem augenwinkel, wann gedenkt der kerl denn endlich ins bett zu gehn.

und dann ist es mir zu dunkel im zimmer und ich ziehe die rolläden wieder hoch und krame noch herum, bis ich im stehen fast einschlafe.

vor allem irritiert mich die unbekannte anordnung der schränke in der küche und die provisorische verteilung der dinge behagt mir überhaupt nicht.

und dann muss ich kichern, so alleine in der wohnung klingt es leicht hexenhaft, dass es noch keine gewohnheiten gibt und die alten funktionieren nicht mehr und aufeinmal stehe ich leicht verstört irgendwo und weiss nicht weiter.

aber es gibt einen tisch und stühle und eine alte couch und noch keine lampen  und die setzwaage habe ich vergessen und die bilder stehn herum und schliesslich hole ich mir noch einen café.

die strasse ist still. wenn ich das fenster aufmache, höre ich das radiogedudel aus dem haus gegenüber und handwerkerstimmen.

keine ahnung, was daraus wird.

die bücher fehlen mir, ich freue mich darauf sie alle einzeln in die hand zu nehmen, mich zu erinnern, wie das lesen war, und dann stehen sie im regal und ich bin beruhigt.

die lust, irgendwohin zu gehn, zu fahren bleibt erstmal aus, einkaufsfahrten, das notwendige, ein wäschekorb, möbelfilze, ein ordentlicher hammer.

zwischendurch die tragische weltpolitikposse. creepy, der erstbeste begriff beim anblättern der online gazetten.

kein hund bellt, kein auto fährt vorbei, die ahnung eines sehr fernen flugzeugbrummens.

ich schinde gerade zeit, um nicht endlich, endlich die regale zusammen bauen zu müssen. und zum bilder aufhängen darf man nicht ungeduldig sein und dann müsste ich noch sachen besorgen wie eine geschirrabstellvorrichtung und rasierklingen, die küchenordnung ist definitv erratisch und ich finde nichts wieder, ohne länger nachzudenken, und ich wollte endlich wieder in den wald und sachen wegbringen zum recycling center und den abstellraum aufräumen, und einiges noch mehr.

so macht aufschieben, was du jetzt tun kannst,  richtig spass. denn, ehrlich, ich sitze mitten in einem durcheinander und ändern ist nur eine option unter mehreren.

mittendrin denke ich an Marie, denn, das wird mir bewusst, so ganz freiwillig bin ich nicht hier. dann lese ich aus ihrem foto einen ganzen haufen von wohlwollen heraus, was alles leichter macht, das ist noch schwer genug, finde ich.

aber es klopft einen weich, macht empfänglich für das leid, der andern, der nahen und fernen. und es macht still.

langsam betrete ich einen neuen raum.

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spieglein, spieglein

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die stille, als habe ein riesenkrawall urplötzlich aufgehört, als sei eine granate mit stille darin soeben geplatzt, ich kann es fast nicht fassen, das geräusch der eigenen schritte auf dem alten holzboden, die hantierungen wie eine meditation, jede geste, jede bewegung plötzlich hervorgehoben aus all dem tun und lassen, selbst das berühren der tastatur hat eine qualität, die ich gar nicht mehr kannte.

motorengeräusche von ferne, helikopter vermutlich, kommt näher, noch näher und entfernt sich, der stuhl knarrt, stille. und dehnt sich aus. draussen schritte, ein auto fährt vorbei, sehr gedämpft, eine entfernte stimme, unverständliche menschliche laute.

fast achtunddreissig jahre ist es her, dass ich allein in einer wohnung herumgehe und nun staune ich: die überschaubaren räume, die wände weiss, noch keine bilder, ausser dem neu erworbenen, das ich langsam und vorsichtig entdecke.

überhaupt heran tasten.

von ihr habe ich ein foto hingestellt, ich blicke auf und sie schaut mich an.

wenn ich recht gehört habe heute morgen, dann müssten in der nächsten zeit weltweit etwa 50 % der flächen als naturschutzgebiete ausgewiesen werden, jedenfalls unter schutz gestellt (vor uns selbst und unserer ignoranz), damit die noch bestehenden arten, soweit sie noch bestehn, erhalten bleiben.

manchmal denke ich, wenn sie alle nicht mehr da sind, werden wir uns nicht wieder erkennen.

die bezeichnung elite will verdient sein. das war doch einmal, dass man nur geboren werden musste, um privilegien zu haben oder?

wie ich diesen gedankensprung verantworte. also … und dann … genau das … meine ich auch!

Ich schaffe es noch immer nicht, freiwillig gewisse namen zu nennen, die durch die (sozialen) medien geistern wie wiedergänger, ich bin überzeugt (meinetwegen magisches denken), dass die betreffenden sich von jeder form von aufmerksamkeit ernähren, jede namensnennung bestärkt sie, die leben doch davon.

was nicht heisst, dass man nun nicht mehr fragen sollte, wie solche sozialen fänomene möglich geworden sind.

zum trost, ein zweifelhafter – fallende riesen können eine menge unfug anstiften – rate ich mir zur lektüre einiger ausgewählter titel: von Peter Heather, Der Untergang des römischen Weltreichs / von Edward Gibbon, Verfall und Untergang des römischen Reichs. Den verfall des imperiums hat Johan Galtung schon vor einiger Zeit diagnostiziert. Ich kann mich noch erinnern, dass ich nachdenklich hochgestimmt aus seiner konferenz nach hause marschierte. Johan Galtung also, The Fall of the US empire – and then what?

und bei jedem anfang ist das so – and then what? also auch jetzt. für jeden und mich auch.

es ist still in der strasse, der rummelplatz ist nah und doch ist er fast unhörbar. manchmal nur ein dumpfes rumpeln von sehr weit.

und dann frage ich mich, wieso ist dieser text so kraut und rüben, désordonné. dann schaue ich auf, ein spiegel meiner neuen wohnung.

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abreise

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ich ziehe um, aus einem haus, das ich mit Marie 26 jahre bewohnte, einem haus für eine grössere sippschaft, in eine kleine wohnung in einem nahen viertel (hier ist alles noch nah), denn nun wird es zeit  jüngeren das feld zu überlassen.

natürlich ist eine kleine wohnung kein haus und die senkrechte wird mir gewiss fehlen, das endlose treppenhaus vor allem, diese wunderbare vorrichtung zur gewinnung von höhe und der regen auf dem dach nachts, wenn ich aufwache und nicht mehr einschlafen will.

aber das haus gehört zu einem vergangenen leben, festhalten ist nicht so meine art, ich habe lange genug gezögert, soll ich oder soll ich noch nicht und irgendwann läuft es dann von alleine, irgendwann wendet man dem alten den rücken zu und geht weiter, ich bin kein mensch der nostalgie, obwohl ich feststellen muss, nostalgische anfälle sind ein zeichen des älterwerdens. zum trost: ich nehme das ergebnis mit, die bilanz, die frucht, die essenz, soweit ich sie aufnehmen kann.

vor den bücherregalen gerate ich  ins zweifeln, was will ich mitnehmen, es wird eine strenge auswahl sein, das wirklich nötige, die sachen also, in denen ich nochmal lesen will und da an einigem mein verständnis abprallt wie an einer wand, packe ich das vorzüglich ein. das also, was mich immer noch fordert.

ich sehe mich um in  den angesammelten  möbeln, bildern, dekorativen stücken, einige staubfänger darunter und sage mir: reduktion, es wird kleiner, übersichtlicher, weniger dinge, über die ich stolpere, lassen, gelassen, was brauche ich wirklich.

ich lasse mir demnach zeit, würdige mit meinem blick und sage, du gehst mit und du bleibst hier. und bei meiner auswahl bekomme ich allmählich den eindruck, Marie steht neben mir, wortlos und nickt.

mit ihr also im rücken. und nun wird es zeit.

das wort manifestiert sich von alleine: dünnhäutig, etwas verloren, innen drinn schwimmt es und rutscht, ich trete vorsichtiger auf, schone mich, keinen übergang kann man forcieren ohne kollateralschaden wie: sich abhanden kommen in einem umzug und dann sitzt man in dem neuen und weiss nicht mehr, wie einem geschah und was nun wird, das weiss man sowieso nie. und die freude daran? eine kleine verhaltene, die heimlich wächst. verstohlen, meine freude an dem neuen, aufbruch, spannung, kann man die eigene verwirrung geniessen?

ich gehe sehr behutsam mit dem wort neuanfang um. überhaupt behutsamer; fast zärtlich streiche ich mit der hand über die dinge, die mich (und sie) lange begleiteten. und einiges bleibt zurück, schon jetzt wirkt meine umgebung blasser, durchsichtiger.

WIR BEWEGEN UNS DURCh DIE ZEIT, OHNE ZEIT WÂREN WIR GAR NICHT, wir sind zeit, WIR SIND NOCH NICHT ANGEKOMMEN, WIR HäNGEN ZWISCHEN VERGANGENHEIT UND ZUKUNFT UND ZAPPELN IN DIESEM DAZWISCHEn, MANCHMAL WIE FISCHE AUF DEM TROCKENEN.

WIR SIND EIN ATEMZUG, EIN AUGENAUFSCHLAG, EINE LEICHTE GESTE SO FRAGIL UND VORüBERGEHEND. ICH FEIERE DIE VERGäNGLICHKEIT, WENN ICH UMPACKE UND AUSPACKE UND NUN IRGENDWO ANDERS LEBE, MICH BEWEGE IN ANDEREN WäLDERN UND Strassen und LANGSAM, GANZ LANGSAM AUCH ANDERE WôRTER GEBRAUCHE, UM MEINE VORLÄUFIGKEIT ZU BEZEICHNEN, MEINE UNFERTIGKEIT, MEINE SKIZZE.

ich sehe darin keine last, ein wenig zur seite zu rücken, platz zu machen, damit die dinge endlich eine sprache bekommen und halt schreien, denn das tun sie schon lange, nur wir haben es überhört.

wir haben uns eingerichtet in einer denkweise wie in einem sicheren haus, aber wissen wir auch, ob nicht der nächste sturm es hinweg fegt. wir haben angst vor dem umzug, dem auszug und der neubesinnung, dem aufbruch in permanenz.

bleib um himmelswillen nur nicht stehn, hör ich eine stimme neben mir sagen und schau dich nicht zu oft um. man erstarrt gerne in der erinnerung an das, was nicht mehr ist, und bebt zu sehr vor dem, was kommt. 

die kisten und koffer sind gepackt, das gefährt steht bereit.

winken, abreise.

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Aufbruch

nun kommen andere zeiten, nun riecht der sommer nach regen und ein wenig schon nach herbst. der himmel ist grau und einige blaue flecken und die kühle erst, die erinnert an die sehr heissen tage.

vom sein kann nicht gesprochen werden, vom werden hingegen schon. manchmal unmerklich, manchmal sprunghaft. manchmal entsteht so das gefühl, ich bin gar nicht da oder doch nur ein traum. man lebt in provisorien, kaum hier, geht es weiter nach schon dort. und das hier wird blasser, undeutlicher, es ist noch meine umgebung, fast noch und schon ist sie weg.

ich rede nicht nur von umzug und verreisen, ich rede von der reise, die man selber ist. vielleicht lassen sich sogar festere fluchtlinien ausmachen, muster auf jeden fall, aber es ist ein aufbruch, schon der tag ist eine wanderung wenigstens, eine recht ungefähre und daraus macht man dann: das ist mein leben, oder weiter noch: das bin ich. und nichts ist ungewisser als das.

erwachen, langsam als bewusstsein im körper auftauchen, fragen, wann aufstehn, sofort oder noch ein wenig in dieser wohligen zwischenwelt weilen, dann schon energischer, decke umschlagen, füsse auf den boden, aufrichten, erste schritte, erste gewissheiten, morgentoilette, café brauen, ein wenig aufräumen, wischen, katzen füttern, irgendein viech hat in den katzenteller draussen geschissen, die konkurrenz, es sieht nicht nach fuchs aus, oder ist es ein protest, jedenfalls den dreck beseitigen, danach wegen dem festtag keine papierzeitung, hingegen online gazetten, skandale, die sogenannte prominenz, wenig besonderes und nichts herausragendes, das übliche, das banale, gewöhnlich ist noch auffallend dagegen, gelangweiltes weiter, café trinken: ein tageshoch und ein wenig schreiben, nichts bedeutendes.

was ich sagen will, bin ich das? dieses hin und her, nun dies, dann das und schliesslich jenes. jedenfalls vom bewusstsein begleitet, meistens würde ich sagen, einiges geht auch ohne, so nebenbei, so mit links.

schauen, über die stadt, in die wolkendecke, zu den baumkronen hin, spüren, die luft, die kühle, hören, das rauschen. langsam, merke ich, entstehe ich daran, bekomme eine morgenkontur, und gleichzeitig die tiefe melancholie, wenigstens hilft sie sortieren, ist das wichtig, richtig wichtig oder wieder nur eine miniprotuberanz im laufe der ereignisse, des tages, der woche.

das beste ist noch die Fantasie, wenn man sich ein längeres gedankenspiel (es gibt auf dem gebiet mehrere meister) zusammen fantasiert, manchmal mehr fantasie als gedacht. das spiel mit alternativen, möglichkeiten. verrammelt man türen, wenn man möglichkeiten ausschliesst.

ich zum beispiel ist ein prozess. ichsagen also eine fähigkeit des körpers. das ist oft als substantiell verstanden worden.

ich sehe darin eine möglichkeit, vom ich sagen zum ich werden. wobei man immer das ist, was man gerade tut, also ich soeben ein schreibender, zugleich ein café trinkender, ein tastaturenhauer, ein fenstergucker, ein autorauschen hörender, sehr selten übrigens heute, nichts umwerfendes, aber ich, was sonst. aber ich bestehe nicht drauf.

und dann die rabenkrähen, besonders laut und unverschämt grell heute.

und erst die doppelte wolkendecke, schäfchenwolken zuoberst und darunter vom wind angetriebene kolosse, die ziehn und ziehn unaufhaltsam.

keine schwarzweissmalerei

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ich sage ja nicht, das ist normal, dass jemand das vertrauen verliert in den existentiellen grund und dass in der mitte des seins (eher des werdens) ein loch klafft, eine leere gähnt, eine ungeheuerliche, die allen sinn verschluckt, gefrässig, unersättlich und gierig.

ich übertreibe?

nein, ich erlebe es so, jeden tag, jeden morgen vor allem, wenn ich aufwache und mich frage, soll ich aufstehn, und es kommt keine antwort, nur die leere in der mitte von allem wird sichtbar, eine dunkle, die mich foppt.

das wirft die frage des urvertrauens auf, es soll leute geben, die sowas haben, ich kenne es als abwesenheit, jetzt, und als ein vergangenes. dort hat es zu tun mit Marie.

ich komme natürlich von irgendwo her, ich habe vorfahren, aber keine wurzeln, ich spüre sie nicht, fühle mich mit dem vorher nicht recht verbunden, es gibt da allerhand gerüchte, aber keine verbindlichen fakten, und hier möchte ich die geschichte nur andeuten, nicht ausbreiten, sie tut zu dem, worauf ich hinaus bin, nichts wesentliches hinzu.

weshalb ich mich nicht mehr wundere, warum ich am liebsten eine wand im rücken aufsuche, statt die mitte des raums.

Vertrauen habe ich erst gelernt, manchmal mühsam, manchmal schmerzlich.

ich gestand mir allmählich ein, dass eine liebesbeziehung zwar kein ersatz für das fehlende urvertrauen in den grund der existenz ist, dass aber auf einer ganz anderen ebene, wenn man sich einlässt – halbe sachen bringen immer nur schäbige resultate -, in dem durchaus prekären gleichgewicht einer beziehung,  in der mitte von einem ungewissen, letztlich unsicheren, ja, beweglichen und sich bewegenden so etwas wie vertrauen wachsen und gedeihen kann. selbst im bewusstsein, dass es ein ende gibt.

und dann der absturz, weil die bewegung aufhört, wenn der andere stirbt, jedenfalls im sinnlichen, mit den sinnen wahrnehmbaren, man lernt nun sehr schnell, dass man das alltägliche, einfache, ja gewöhnliche nicht unterschätzen sollte, denn hört es urplötzlich auf, ist die stimme des andern nicht mehr hörbar, ist er nicht mehr spürbar (seine haut)), dann stürzt man ins bodenlose.

der prozess, das werden, die spannung, die herausforderung, die entwicklung haben einen gehalten, sie waren das verlässliche, das grund gebende und sinn schaffende. und nun stoppt der tod den prozess (man braucht lange, um zu merken, dass er weiter geht, anders, ganz anders, fast unerkennbar zuerst, frustrierend und schmerzlich anders, zuerst eine reine pein).

ich habe seiltänzer immer gemocht, ihre haltung übertragen auf das leben, ihre achtsamkeit, ihre geschicklichkeit, ihre körperbeherrschung, ihren esprit eingeführt in den alltag, das leben als seiltanz gewissermassen. ohne netz, das versteht sich, der tod ist das ohne netz.

es ist einfach und immer der ernstfall und kein stillhalten und bequemes ruhekissen, denn langeweile gähnt sehr schnell und geistlos routinierte bezieherei, das sagte sie auch manchmal zu meinem erschrecken, du bist langweilig geworden, sie war schamlos darin, und ich sprang auf, so sagt man doch, wie von der tarantel gestochen. daraus eine kunst zu entwickeln, überhaupt das leben als kunstwerk, ein gleichgewichtsakt auf dem seil.

ich idealisiere? das frag ich mich gerade.

nein, Marie war viel zu unbequem, selbst viel zu verletzt und geschüttelt, um eine bequeme begleiterin auf dem weg zu sein, den wir eine ganze weile zusammen gingen, das war nicht ideal, aber lustig, lebendig, abenteuerlich und intensiv, bis zum ende.

(und woanders sitzen und gehen wir noch immer zusammen, und reden und streiten und lachen, immer öfter. und auch das ist eine präsenz als der ernstfall.

aber dieser geheime ort und die besuche dort, so subtil und tröstend sie sein mögen, sie ersetzen nichts, denn hier ist sie nicht, ich meine, sie geht hier nicht herum, kein körper unter körpern, sondern eine leere mitten in allem umtriebigen lebenslärm.)

und selbst wenn ich versuche mir alles auszureden, man kennt dieses vokabular des falschen trosts, ich empfinde es so, wenn ich mir erzähle, beharrlich, mein lieber, es geht woanders weiter. vielleicht, sage ich dann, aber wie lange und keine ahnung, und was machst du daraus, bei der frage spüre ich meinen zähen widerstand, ein abwinken fast, so gut wie das war, und kopfschüttelnd sich ins unvermeidliche fügen, in die fakten, so ist es, da sage ich ja, da sage ich nein, zwei vor und wenigstens einen zurück, es ist nun oft eine zähe sache mit kleinen freuden, die ich aber keineswegs mies machen will.

was ich liebe: den regen noch immer und lange gänge im wald und stadt flanerien, im café sitzen und gar nichts denken,  scharf tranchierende sachen lesen und stille und fremde orte und tagträume und in den garten schaun und einfach da sein, so wach es nur irgend geht und gestern abendd habe ich mir mad max wieder angesehen und dear white people und den easy rider nicht, ich kann den schluss nicht leiden, und mir ein paar essays von Lukas Bärfuss reingezogen.

über intimeres schweigt man vornehm (belustigt), das hat mit dem alter zu tun, pflegt heimlichkeiten, verqueres und queeres und schönheiten aller art (ich seh mir inzwischen filme vor allem wegen den menschen an, wie sie sich zeigen, wie sie reden,  sich bewegen, wegen ihren händen, ihren gesichtern und darüber verpasse ich meistens den plot).

seit kurzem spreche ich mit Marie auch über die weniger gelungenen dinge und werfe die Frage auf, gibt es noch offene rechnungen und wie sind sie zu begleichen.

ich stelle fest, um weiter zu gehn muss das unabgeschlossene, widerborstige, ungeklärte gewürdigt sein, wenigstens angeschaut werden als unvollendete gestalt.

und dann denke ich an die lustigen sachen und ehrlich, wenn ich es noch könnte, ich hätte sie gerne öfter zum lachen gebracht, ich schaute so gerne die freude auf ihrem gesicht und hörte so gerne ihre stimme dazu.

warum ich ausgerechnet das erwähne, weil ich für meinen geschmack noch zu oft  am wege stehen bleibe und zögere, soll ich weiter gehn, weil ich über ein unerledigtes vergangenes gestolpert bin, das wird nun der stein des anstosses und mir zur last. es gehört zum ade und machs gut einfach dazu.

natürlich liebe ich den regen und den wald und die gemächlichen tage im august und die melancholischen sonntage, wenn alles fast still steht, natürlich liebe ich die freundlich gesprochenen worte, den herzlichen kuss auf der wange und arm in arm mit jemand zu gehn, den ich mag; und den wind, wenn er sich einigermassen zähmt und nicht wut wird, und die langen gespräche über gott und die welt, heisst, über alles und jedes, das erfreuliche und das ausgesprochen abgeschmackte.

und natürlich möchte ich mit dafür sorgen, dass die welt ein guter ort zum leben bleibt oder dort, wo er es nicht ist, endlich wird oder wieder. und deshalb und wie schon vorher ist mir jede perspektive recht, die  zur erkenntnis beiträgt.

und natürlich liebe ich musik und tanz und fest, mir ist das lachen nicht vergangen und die freude nicht, und dazu braucht es nicht viel.

und doch ist in der mitte von allem eine tiefe melancholie.

dann sitze ich da und spüre den  riss, der mitten durchs leben geht. und  hören tu ich geschrei und aufruhr.

nur eine stufe tiefer ist es still.

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die kleine sommerprovokation: The HU

 

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nachwehen des sturms und helikopter über favelas und schüsse, sonstwo wird abgeholzt und das wasser wird knapp. kaum passiert etwas, wird schon an legenden gestrickt. aber die realität zerlegt sie auch wieder sehr schnell. das grobe herrscht und es ist beileibe nicht nur geschmacklos und vulgär, die macht zeigt ihr hässlichstes gesicht.

weshalb ich am liebsten die zeitung nicht mehr aufschlagen würde, ist macht nicht von vornherein missbrauch, frage ich, jedenfalls mute ich mir mehr als die schlagzeile nicht zu, vielleicht noch eine längere zwischenüberschrift, aber keine fotos der machthaber bitte, denn darin möchte ich ganz gewiss nicht lesen.

ich möchte auch keinen minister sehn, der sich auf den sommerlochseiten der zeitung spreizt, denn selbst wenn dort allerhand konstruktives ausgebreitet wird, geht mir der satz nicht aus dem  sinn: leute, zieht euch warm an, es kommen stürmische zeiten.

es sieht allgemein nicht so gut aus, aber die hyazinthen blühn blau, weiss und rosa und der garten hat sich von den hitzestrapazen erholt, die katze verteidigt ihr revier und wenn sie was von mir will, sie überlistet mich, bin ich gerne zu diensten und wenn ich ganz altmodisch die zeitung hole, erfreut mich die frische luft und die fassade blüht knallig rotorange, campsis radicans, klettertrompetenblume.

der café ist stark und ich verreise bei jedem schluck für momente nach peru, von woher er zu mir kommt, geröstet, wie ich es gerne habe, von Knopes (dies ist eine unbezahlte reklame).

der wind bewegt campsis und gesträuch und ich kann mich noch nicht entschliessen, den montagsgeschäften nach zu gehn, weil es so auguststill ist und die autos, die vorbei rauschen, klingen verirrt, nicht am rechten platz jedenfalls.

ich sitze in einem stillen zimmer, alle sinne hochaufmerksam ausgefahren, in der ferne tickt eine uhr, der raum ist eine insel, eine oase, eine höhle, die mich birgt und behutsam hält und für momente sehe ich keinen unterschied zwischen den dingen rings und mir selber, ein körper neben anderen körpern und diese sind mindestens so rätselhaft wie ich mir.

und drausen wolken, draussen klart es auf und draussen verhüllt sich wieder, der august steht fast still, fast bewegungslos, wie verzaubert.

und dann, mitten  drinn, packt es mich und ich bringe die stille zum tanzen, es muss schon kräftig sein und wild, aber geformt und so wie: The HU.

P.S.: jaja, ich weiss schon, ich weiss: was singen die da, die ahnen, die ehre, die nation … politisch uncorrect, ja doch, rechts, aber die musik und die stimmen. darf man das gut finden?

ein wind, der einen beunruhigt

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wiederholung, ich hole wieder in mein bewusstsein die fliegenden dächer, die videos in endlosschleife des einheimischen tornados, da wird man stumm. da wird man klein und duckt sich. das war haarscharf vorbei. das war kein vorgeschmack, das war keine warnung. das war die sache selbst. nicht wie kriegsverwüstung und die leute stehen fassungslos davor, nein, krieg, ganz einfach krieg.

das lachen, das unsere sonstigen seltsamen anstrengungen begleitet, ist ein bitteres.

c’était un cas de force majeure.

sind sie versichert, gegen hagel, sturm, tornado, hurrikan, erdbeben, weltuntergang?

in der nacht begegne ich mir selber und einer von uns beiden sagt, wir sind wieder einmal heil davon gekommen. das ist nicht selbstverständlich.

nachts die sorge um haus und hof und kind und kegel. nachts liegt man wach. keine geräusche im haus, kein knacken der holztreppen, überhaupt nur stille.

man ist sprachlos.

man erholt sich sehr schnell und redet zu viel, wie man noch einmal davon gekommen ist. überhaupt sagt man sich jeden tag, du bist noch einmal davon gekommen. nicht erst nach diesem sturm, nicht erst nach diesen bildern.

nachts fliegende dächer.

das erschüttert einen, diese verletzlichkeit, diese brutale gewalt, diese zerstörungswut; denn die ist es selber. als hätte sie sich von uns losgelöst und sei als solche erschienen, zehn minuten nur. das reicht völlig.

ich seh darin keine personifikation, das war nicht persönlich, obschon es persönlich trifft, dein haus, ihr haus, das war allgemein und zufällig und dann auch wieder nicht.

man ist sehr klein, das zur erinnerung.

ich stelle keine vergleiche an, ein existentieller tornado oder ein perönliches erdbeben meinetwegen. ich schwelge auch nicht in sturmvisionen.

aber sehr beeindruckt bin ich schon.

am besten sagt man nicht zuviel, am besten lässt man sowas auf sich wirken; still, man wird still. man schaut, man sagt gar nichts, man kann beschreiben, aber die beschreibung wird dem ding nicht gerecht.

man geht in deckung.

am nächsten tag scheint die sonne, aber es ist ein wind, der einen beunruhigt.

am übernächsten tag scheint die sonne und es ist windstill, es ist sonntag mitten im august und ganz still, mitten hinein läuten glocken, unbeschwerte stimmen vor dem fenster, ein auto, ich halte das fest zu meiner beruhigung.

die normalität ist eine scheinbare, sie reisst manchmal auf und  und erschüttert den festen grund, auf dem man gerne stehen würde.

das unerwartete sitzt in einer ecke, geduldig, meine zeit kommt.

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