Versuch 29: ein trost, kein trost, was auch immer

die ungeduld morgens beim hinaus schauen auf den garten im regen. der schmerz, wenn nachts der traum mir enthüllt, wie ich Maries tod erlebe. nach luft schnappen, ein fisch auf dem trockenen.

die bilder und skulpturen einer freundin, wesen einer parallelen welt, ein schauen, ein recken von hälsen, ein zeigen mit dem ganzen körper, sie sind beunruhigt über uns, die gleich nebenan, getrennt nur durch eine dünne membran, fast nur gedachtes, ihr übliches geschäft treiben wie im traum. die welt dort ist farbiger und eindringlicher als unsere, dieser an intensität überlegen.

mein erstaunen heute morgen, dass ich noch am leben bin, aber beunruhigt, dass ich Maries tod so erlebe. als beunruhigung. als frage schon beim erwachen, als immer neue frage. eindringlich, fast stur. mein leben: so kann es nicht bleiben. morgens früh schon die evidenz. die bestätigung beim blick auf ihr foto, sie lächelt und ich fühle mich eingeladen, mehr noch aufgefordert. sie stupst mich an aus dem unsichtbaren.

morgens früh schreckt mich das nicht, noch das ungefähre des seins, das provisorium, das herum tasten nach einem festen grund, und es gibt ihn nicht.

natürlich, gäbe es ihn, ich wäre freudig überrascht, das herum tasten hätte ein ende. aber nichts findet sich bisher. das unsichere hat sich fest installiert, die ungewissheit.

und ohne diese begriffe? nur das lebensgefühl?

zuerst: ein betrogener liebhaber des lebens, danach: allmählich: ein trotz, eine verbissenheit schon vor dem aufstehen, darauf die frage: wie lebt es sich ohne (gewohnten) rahmen, ohne kontext oder in einem der fragezeichen und schliesslich: verzicht, verzicht auf die antwort, jetzt aber: manchmal erschrocken; leicht; überrascht;“firwëtzeg“: als gebe jemand mir einen schubs.

so war Marie, denke ich, bin ich auch so?

die strasse im regen, der verwilderte garten, das mühelose gehen, das lächeln von Marie. ein trost, kein trost, was auch immer.

versuch 28: die diskreten geräusche des bröckelns

der slogan verschlägt mir die sprache: „aal wäiss männer? brauch kee mënsch.“ das ist nämlich schon länger mein problem. meine persönliche frage. ich rede mich nicht mit uralten geldbesitzern, politik gerontokraten  oder sonstwie patriarchalem heraus. zuhauf gibt es das.

es geht um mich, geht es um mich?

denn: ich selber brauche mich immer weniger, dieses sammelsurium aus geschichten, erinnerungen also, und gewohnheiten. mein ich und meine bedeutung habe ich mir lange genug mühsam eingeredet, mein besonderes ist mir zur last geworden.

als der tod den spiegel zertrümmerte, in dem ich zu existieren schien, war es zuerst ein schmerz und langsam ist eine erleichterung. soweit es mich noch gibt, bin ich marie z.’s erfindung, die mir wohl in fleisch und blut übergegangen ist. ich war gerne so, wie sie mich haben wollte, aber es gelang nie ganz, es blieb ein unauflösbarer rest. ich merkte, ich war nie auf der höhe des bildes. ich habe mir  das vorgeworfen. nach ihrem tod wurde das innere gerangel schlimmer, denn nun offenbarte sich, auch sie war und ist meine erfindung.

während ich das schreibe, vernehme ich im hintergrund die diskreten geräusche des bröckelns, des implodierens, alleine vermag ich unsere beiderseitige konstruktion nicht zu stützen.

ich habe allerdings nicht vermuten können, dass der letzte rest des gebäudes auf diese weise fallen würde: beim betrachten von drei fotos, die marie z. und mich zeigen. wir sitzen an einem tisch nebeneinander, sie hat mich im arm, sie hat ihren kopf an mich gelehnt, sie schaut mich von der seite her an, einmal ernst und einmal lächelnd und in dem augenblick, in dem ich das sehe, verschwindet der unauflöslich scheinende rest, ich erblicke etwas bisher übersehenes, ich fühle die wirkung, es gibt keine worte und keine gedanken, alles ist komplett, kein riss und kein spalt mehr, und ich sehe mich, wie ich sie ansehe, wie ich da sitze und sie lehnt sich an mich und ich sehe ihre hand auf meiner hüfte, ich schaue bloss, ich sehe es tatsächlich zum ersten mal, ich fasse es nicht in worte, dazu gibt es keine veranlassung, aber in meinem gefühl schliesst sich ein kreis, in meinem wortlosen wissen verschwindet ein rätselfleck, sofort, ohne intervall, im sehen geschieht es von anfang an und hat seither nicht aufgehört.

die konstruktion hat sich im nichts aufgelöst. und ob man mich braucht oder nicht braucht, ist sich gleich. keine frage.

ich gehe einfach die strasse hinunter, ich spüre den leichten wind, ich sehe, was ich sehe und der zweifel ist weg, ich wüsste nicht einmal mehr zu sagen, worauf er sich bezog.

ich merke nur, wie sehr ich dieses flackern des zweifels war, wie sehr ich diesen mangel, diesen rest, diesen riss und spalt meinetwegen empfand und wie sich darin eine alte geschichte am leben hielt und nun ist sie weg.

eine schöne irritation

heute morgen verstehe ich nichts. einer kramt noch in den erinnerungen der nacht und ein anderer ist schon am nachmittag, wenn die sonne scheint. dazwischen: ein zögern, ein blinzeln, ich erwache in etwas unglaublichem, heisst es nicht jetzt?

ich starre: ein einziges fragezeichen.

(meistens, wenn ich in verwirrung am morgen gerate, dann weiss ich, es ist das sammelsurium von fakten, behaputungen, meinungen und weltansichten aus dem virtuellen zeitungsumblättern zu schnell nach dem erwachen, doch diesmal ist es was anderes, sagen wir: eine schöne irritation.)

zuerst dachte ich, ich bin mitten in der nacht aufgewacht und horche gespannt nach nebenan. nebenan etwas wie eine wand? sehen kann ich nichts genaues, ein farbenspiel und die ahnung, mehr als ahnung, ein gefühl? mehr noch: der eindruck, als seien wahrnehmungsgrenzen aufgehoben, dort ist ein raum, aber was ist ein raum? dort ist ein reichtum von …, eine fülle …  intensität … weite schönheit … eine atemberaubende freiheit. ich kenne dieses äusserst gespannte neuerdings nur vom schmerz, aber dort eng, sehr eng, und hier und nun ist es wie schmerz umgestülpt in etwas leuchtendes, offenes, fliessend glückliches.

dazu die gewissheit: es ist nichts anderes als das, in was ich eintauche jeden tag morgens beim erwachen, kein anderer raum als der.

als ich erwache, ist es ein verwunderlicher plastischer traum. kaum zu beschreiben, ein erlebnis jenseits. vielleicht mit vorsichtigen worten zu ertasten.

ich verweile länger darin, in dem nachgefühl.

irgendwann, wohl beim zähneputzen fällt mir ein, worüber ich mich gestern abend geärgert habe: wahr ist nur, was sich im experiment verifizieren lässt. ich denke an den andern satz: wahr ist, was funktioniert. bei solchen sätzen spüre ich unweigerlich die enge des schmerzes, die reduktion auf etwas sehr kleines, armes. wohlgemerkt,  ich halte nicht heimlich einen unsichtbaren, schwebenden, kaltes feuer speienden kalten drachen in der garage, den sagenhaften von carl sagan.

aber ich ahne, der raum mit allen dingen und wesen darin ist unendlich viel reicher, als man mir weismachen will.

am meer um die zeit/entwurf

am meer um die zeit, das ist magisch, die luft ist blau, der himmel sowieso und das meer erst. der winter am meer ist blau. wenn die sonne am werk ist, liegt über den dingen ein blauer schimmer und die leute am sentier des douaniers grüssen FREUNDLICH. SELBST IM WINTER HöRT DAS BLüHEN NICHT AUF, GELB, DUNKELROT UND ORANGE, NUR SCHAUT MAN GENAUER, ES IST NICHT überall.

neuerdings schneit es sogar auf palmen und pins, hecken und gras und alles staunt stumm, der wind kann eisig werden und am meer ist man fast allein.

gestern redete ich mit marie über den schnee, seit sie welt ist, scheint die mir schöner geworden, das bist du, sage ich ihr und: schönheit ist ein attribut der welt, auch das schmerzhaft schöne und das hässliche, sage ich marie, machen oft wir, die menschenleute, etwa wenn der flüchtlingsstrom an der grenze stautt und niemand herein gelassen wird, strenge gesichter bei der kontrolle und die italiener sind wie immer eleganter, sogar in uniform.

die erinnerungen, die ich mit dir habe, sage ich marie weiter, sind meistens sehr schöne, deshalb tun sie auch mehr weh, so dass ich am meer mit den tränen kämpfe, wie man so schön sagt. überhaupt ist marie mir hier noch näher als in der kleinen stadt, nichts gerät hier zwischen uns beide, ausser …und sie war doch eben noch da, rief mich hinaus an die sonne und lächelte das lächeln von marie, eine mischung aus frechheit und herzlichem charme, das mich immer erwischte. es tut weh, aber hier kann ich wenigstens atmen, wenn ich an sie denke und es krampft mir die brust nicht zusammen. am meer war es unbeschwert, das leben schien leicht, selbst wenn es schwer war.

Schauen

eine alte freundin hat mir ihre sachen geschickt, bilder von bildern und skulpturen, vielleicht kann ich sie überreden, mir ein bild für meine texte zu leihen. ich möchte dieses bild, genau dieses und kein anderes, mit wörtern aus der unsichtbarkeit heben, an ein tageslicht, ich wähle die trübe beleuchtung eines frühen märztages am meer, ein braun gesprenkelter rasen im vordergrund, gerupft und irgendwie lädiert, eine hecke, ein zaun und dahinter graublau das meer und ein hellerer himmel, der, dem betrachter zu, sich zunehmend verdunkelt. das bild hingegen wie aus einer paralellen welt, vielleicht ist es eine welt der toten, langbeinige geschöpfe, farbig, aber keine aufdringlichen farben, leicht gedämpft,a ber nicht matt und die figuren, die langbeinigen mit der tendenz zur entkörperung, nur andeutungsweise eine dichte substanz, recken die hälse auf etwas hin, ihre gesten weisen dorthin, ihre haltung neigt sich dorthin, beunruhigt, wie flatternd von einer seltsamen inneren bewegung, die sie selber sind (das innen nach aussen gekehrt, verkörperungen desselben, fast schon keine körper mehr oder nur grob noch, andeutungsweise), aber wohin neigen sie sich, wohin schauen sie, recken sie sich, das eben bleibt ausgespart, aber es wird sichtbar in einer art bewegung  auf sie zurück, sie sind das, worauf sie schauen, wenn man sie genauer betrachtet, so liest man in allem: sie schauen auf uns und das, was wir anstellen mit einer einst schönen welt. etwas schreit, noch in den schönen farben, den andeutungen, die die bilder sind, etwas schreit in diesem versuch, die andere seite der medaille zu zeigen, wenigstens einen schatten davon, eine spur.

natürlich erinnert man sich an urtümliche ritzungen auf wänden und steinen, es ist sogar eine uralte bewegung darin, nochmals und nochmals etwas zu zeigen, was dem heutigen auge unsichtbar geworden ist, dass sich gleich hinter der dünnen wand nebenan eine welt regt, eine welt, die voller sorge die gesichter her wendet zu uns, deren glanz bei weitem unsere übersteigt, wohin aber der zugang sich immer weiter verengt.

ich sage nur, man muss schauen, nicht gleich die wortmaschine einschalten, sortieren, eine schublade finden, das ist … nein, das ist eben kein schauen, das ist ein gerede. wenn ein bild mit gerede erfassbar wäre, wozu wäre es dann ein bild. also auch hier schauen, und ich rede nur von einer bewegung, die sich in mir tut, wenn ich schaue, mein blick geht unwillkürlich an die wand, die ich gleich neben mir vermute und die keine wand ist, aber anscheinend für viele immer mehr zu einer wird, die begrenzung einer kleinen, einer sehr kleinen welt.

einstürzende neubauten

Die neueren sachen sind alles verworfene entwürfe. Je nachdem sind es anläufe, treppenstufen sind wichtig, ich dokumentiere sie für mich.

die idee ist aus den blog einträgen ein buch für ein paar freunde zu machen, früher nannte man sowas privatdruck.

 

was sie wünschte, war genau das, die substantiellere leichtigkeit

als müsste ich etwas wegstemmen, so ist mir beim schreiben. ich schreibe dinge der tiefe weg, hinaus ins freie, damit sie anschaulich werden. gehen sie damit weg? nein, sage ich mir. du erhebst glaubenssätze auf ein piedestal und sie fallen dir danach in den rücken.

ich beginne den tag mit fragen. was ich angeblich über mich weiss und wie meine welt funktioniert.  ich meine die innere ökonomie und den überbau, der sich darüber etabliert, die automatisierten gedanken, die einschlagen und die gefühle verheeren. steige schon frühmorgens über innere zäune und wundere mich, niemand ausser mir selber verlangt dieses gewicht an trauer und verlassenheit.  nun gut, sie ist nicht da und hat einen heftigen abgang hingelegt, ich bin voller bewunderung für ihre stärke, aber sie verlangt gar nichts von mir. jedenfalls kein niederschmetterndes gefühl beim erwachen und du denkst, wieder so ein beschissener tag.

leiden mit fassung und den schmerz stoisch ertragen. heute morgen sage ich mir, nur das wirklich nötige davon, und ich beginne dinge beiseite zu räumen, die im wege stehn. es sind einige. etwas in mir rebelliert gegen die beständige trauerlast. wäre es nicht an der zeit, die sechsunddreissig uns zugemessenen jahre anders zu würdigen, ich meine, produktiver, beschwingter und wenigstens anzufangen damit.

meine erinnerungsphobie in ehren, aber ist es nicht eine masslose übertreibung bei jedem vergangenheitsfetzen so zu tun, als öffne sich vor mir ein abgrund. ich will es gar nicht vergessen, das leben mit ihr, wie es war, die hellen und dunkleren intensitäten, es hat mich umgerissen und es hat mich  gehoben, weit über mich selber hinaus.

seltsamerweise sind es die scheinbar unbedeutenden details: sie tritt aus einem gelb blühenden frühlingsgebüsch an einem berghang hevor und schaut ganz ernst. oder: sie sitzt im garten auf einem stuhl und sieht verwegen aus mit verwuschelten haaren und ihr kleid ist rot. manchmal redet sie. manchmal lacht sie. sie hat nicht oft geweint. manchmal war sie verzweifelt. sie konnte sehr wild sein. ich hatte manchmal angst, sie läuft mir weg, weil ich langweilig werde.

die farbe des himmels wechselt beständig, wenn ich an sie denke.

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wieso kann man nicht gefasster auf alle einzelheiten blicken.

ich habe angst ich verlier mich darin. weil es unzählige sind. weil sie jede ecke betreffen, die ich betrete. weil sie mich überfallen, wenn ich wehrlos bin, ein alter, der mitten im leben die fassung verliert.

aber auch das ist nur ein gedanke, keiner, der gut tut. und meinem fragen hält er nicht stand.

deshalb frage ich weiter. mit dem fragen, so denke ich, verliere ich alles, meine seltsame sicht auf die dinge, meine in trauer verhedderten knäuel gefühle, meine gedanken, wie die welt angeblich ist, mein seltsames beginnen und aufhören, ich tue die dinge halb, erinnere mich, es schnürt mir die kehle zu und ich lasse entmutigt die hände sinken. aber auch diese angst löst sich auf, es gibt weniges, das sich dem fragen erfolgreich widersetzt.

was habe ich gedacht? du darfst dich nicht umdrehn wie bei lot und seiner frau? oder wie in der geschichte des sängers, der sie ein zweites mal verliert?

mir geht ein gespenst nach, es heisst die erinnerung tut weh, ich wende den kopf und sehe durch einen schleier des schmerzes auf ein fliehendes bild.

tatsächlich habe ich bilder einer vergangenen existenz, sie sind vielfarbig und schief und gerade, die meisten sind schön, schön im sinne von: man kann länger darauf verweilen, man sieht einzelheiten, winzige details, welche die schönheit des ganzen spiegeln.

wehmut: dieses leben ist nun vorbei, ein neues beginnt, angereichert durch das vorherige. soll ich das neubeginnen beklagen.

ich sitze am fenster, schaue in raffinierte wolkenbeschichtung und lichtspielerei über dem meer, sehe den leichten fluggesten eines vogels zu. in mir wächst das spezifische seelische gewicht, es hält mich fester am boden, wenn ich da sitze und hinein spüre, ist es von kraftvoll friedlicher textur, aber schwerer. ich gehe entschlossener, merke ich. es ist nicht egal, wohin es mich führt, ich lasse es offen, gerne überrascht von allem kommenden. und: ich muss gar nichts tun.

ich rücke mit fragen an und vieles von dem befragten entfernt sich. ich bin deswegen nicht böse. was sie wünschte, war genau das, die substantiellere leichtigkeit.

im regen geborgen

das verletzliche der zentralisierten zivilisation: die heizung ist ausgefallen, die warmwasserversorgung hängt dran und jemand hat schon telefoniert,. gottseidank funktioniert der herd, also café trotz allem und unterdessen mache ich feuer im kamin (ich fühle mich schnell an früher erinnert, wenn einer der erwachsenen vor den andern aufstand und feuer machte in wohnzimmerofen und küchenherd, im winter gab es eisblumen am fenster, wenn man morgens erwachte,  ich habe keine erinnerung an frieren oder beklagen, man war nicht so empfindlich wie heute, aber um auf den punkt zu kommen, ich trauere dem nicht nach, bessere zeiten warens  bestimmt nicht und keine romantik des feuermachens in der kälte am frühen morgen).

jedenfalls habe ich heute morgen beim feueranzünden das verlässliche gefühl, ich kann für mich sorgen, ich bin keineswegs von allen guten geistern verlassen und zu allem überfluss regnet es. seit meiner kindheit fühle ich mich im regen geborgen, eingehüllt, aufgehoben und im regen war ich draussen abenteuerlich allein, ein regenforschungsreisender.

das gefühl der behaglichkeit stellt sich sofort ein, als ich den regen auf den terrassensteinen höre beim aufwachen. kein gedanke an wetterklagen, der scheissregen oder sowas, nicht einmal nach tagen.

nur einmal machte der regen mir angst, auf einer reise in die berge des nördlichen perus, weil es den ganzen tag und die ganze nacht aufs blechdach prasselte, trommelte, goss und schüttete, cats and dogs, so dass ich die kleine zufahrtsstrasse schon überflutet sah von schlamm und geröll. aber der regen war auch dort wunderbar, mittags kam er verlässlich und durchnässte die leichtsinnigen in einer minute bis auf die haut, er legte die landschaft in einen feinen dunst, man sass unterm vordach und trank zuckerrohrschnaps zum spektakel, selbst die vögel machten hier laute wie fliegende frösche und an der oberlandleitung wuchsen seltsame pflanzengebilde, als ginge hier wasser nahtlos in luft über und diese sei von wässriger beschaffenheit.

wenn es am meer regnet, bleibt der himmel meist hellgrau, eine matt schimmernde kuppel und der ausgetrocknete rasen scheint sich zu regen, das grün wird kräftiger und die olivenbäume neigen sich wie lauschende.

ich sitze da in froher erwartung und fühle mich gesegnet, ohne dass eine(r) dazu die hände heben muss.

und doch, auf die dauer sehnt man sich nach mehr licht, selbst hier, wo es unter dem regenschleier heller ist und die landschaft wie samtig im dunst.

mittendrin beim hinaus schauen formt sich langsam der eindruck, ein überlebender zu sein, trotz allen lebenszeichen ringsum der einzige und immer wieder blicke ich verstohlen zur seite, als müsste jemand neben mir sitzen und gehn und andere entfernter im rücken. schau ich  hinaus auf das meer, das nun mit dem himmel verschmilzt, weiss ich, mein blick nimmt die gleiche richtung wie sonst auch ihrer. immerhin beim erwachen höre ich marie sagen, denke in eine andere richtung, in der es sonne gibt und kommenden frühling.

ich ertappe ich mich dabei, wie ich ihr erzähle, dass die scheite im kamin satt prasseln und der raum sich behaglich erwärmt, die hitze spüre ich schon im rücken und an den wangen, und was ich sonst noch sehen kann an diesem morgen am meer und es regnet noch immer. die spatzen, so sage ich ihr,  fallen vom himmel wie dunkle kugeln und im letzten augenblick der landung entfalten sie ihre wahre form und hüpfen geschäftig über den rasen.

seit marie weg ist, weiss sie erst ganz, wer ich bin, sie sieht nun in mich hinein und liest wie im buch die geheimsten gedanken, ich verstecke nichts mehr und sie ist ganz ohne urteil. bei diesem verrückten gedanken merke ich, die glieder gehn in die entspannung und räkeln sich träge.

am horizont taucht gerade das meer aus dem dunst auf und drückt in einem hellen streifen die wolken nach oben. der regen hört auf und setzt wieder ein, die spatzen fallen zahlreicher vom himmel und in der ferne keckert eine möwe.

ich lege holz nach, die heizung geht noch immer nicht und marie ist nicht da. nur in gedanken reden wir unablässig, ohne zeichen und laute, und sie sieht mir bei allem zu, so hätte ich es gerne.