alles endet in jedem augenblick und setzt wieder neu ein

ich weiss, man führt einen mit sich, der sortiert alles in säuberlich getrennte kästchen, rümpft über alles die nase, sucht nach mehr, ohne etwas bestimmtes zu meinen, er/sie/es will nicht hier sein sondern dort. unbedingt und sofort am besten, du müsstest, du solltest, du könntest und warum tust du es nicht , sodann die schwere der umstände als einwand und darüber ausgiebig lamentieren, das hast du dir selber eingebrockt.

in dem licht hier, selbst unter einer regendecke, aber mit einem helleren hoffnungsstreifen am horizont überm meer, sinkt das gerede zurück in die bedeutungslosigkeit und steigt wieder auf, unablässig der versuch mich selber in eine ecke zu treiben und dort gibt es keine aussicht, aber dem licht hält das gerede nicht stand, das licht ist zu grundlegend optimistisch.

 

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foto marie z.

 

und dann erst die vergleiche, das leben mit marie, das es nun nicht mehr gibt, das gehen am meer und in den hügeln überm meer, die autofahrten überall hin, die farbigen märkte, das sitzen und reden, das vertraute, die nähe, ich denke zurück an der schnur der zeit und er scheint unendlich, ein raum bevölkert von ihr und mir, das lachen, das weinen, streit und versöhnung, und alles im glück, hans im glück, so fühlte ich mich.

überall sehe ich uns um die ecke kommen, verjüngt,  ein zeitreisender. erst gestern abend plötzlich der film, wie wir vor einem der hügel- und bergorte  in einer ansteigenden kurve die letzten meter zum auto  zurück legen, das schlägt im gemüt ein wie der blitz, etwas krümmt sich, kriegt keine luft und ich öffne das fenster und atme tief durch vor der schwarzen wand der nacht, rechts im bild einige lichter von fern und das andauernde rauschen des meers,

das jetzt so nehmen, wie es ist, ich bin noch am leben und habe nichts weiter zu tun, als eben das, ein blick in den garten hinüber zum meer, graublau, scharf die trennlinie zum wolkigen licht und darüber das graublau leuchtende wolkengeschicht und näher braungrün gesprenkeltes von hecke und gras (mit vögeln darin, kleinen dunkelgrau wendigen) und das fenster, der tisch, die schreibenden hände und seitlich: der morgencafé und bald das aufstehn und gehn, vor allem das gehen am meer und der regen, der wind.

ich muss die weite wieder entdecken für mich, das grosse ausholen, die weiträumigkeit des gefühls. was mit marie von selber ging, nun muss ich es alleine leisten, sonst fehlt mir die luft zum atmen. es ist ein körper bedürfnis, hat mit dem stoffwechsel zu tun, der gehirnlüftung, dem bewegungsapparat, mit der blutzirkulation und sowieso der atmung. recht bedacht sind wir ganz eingebettet in die umgebung und überheben uns, wenn wirs vergessen.

also die weite: ich sehe mein leben nach vorne völlig offen, keine mauern links und rechts, keine verengung, ich gehe dem unbestimmten entgegen, dem möglichen und was ist es nicht, dem unwahrscheinlichen und unmöglichen auch gerne, dem grenzenlosen, sonst falle ich ins enge, atemlose, ins tote vor dem totsein. ich halte die metamorphose für ein gutes leben, sowieso: vor mir der horizont verschwimmt nun im dunst, die wolkdecke ist heller noch als vorhin, das licht wandert, in der hecke die vögel sind weggeflitzt, der wind hat sich gelegt, das gras noch regennass, im haus schritte, eine tür geht, ich hebe die tasse zum mund und trinke aus.

alles endet in jedem augenblick und setzt wieder neu ein.

 

wo das gebirge dem meer begegnet

seltsam am meer das abgewandte gesicht, die blicke seitwärts, mein verborgenes leben.  man grüsst, man ist freundlich, selbst beim schnellen vorbeigehn auf dem sentier des douaniers, aber was geht wirklich in den menschen vor.

heute morgen gibt es sogar sonne und man ist geneigt die fassade gelten zu lassen, wenigstens für augenblicke. aber die beunruhigung bleibt. was treibt uns um, selbst lächelnden gesichts gibt es ein zweites, ein leben seitwärts? ein ungelebtes?

andererseits, in diesem winterlicht, bläulich über dem meer und den hügeln ist es aufgehoben und marie, die das alles hier ist, die nicht da ist, damit ich berichten kann, was ich so beunruhigend finde heute morgen an mir selber, sie lächelt. ein lächeln liegt über allem, alles erfasst und besänftigt es. apaisement, sagen sie hier dafür: reg dich nicht auf, nimm es gelassen. selbst in der bläulichen kälte am meer rinnt hässlich und schön zu einem zusammen.

sie scheint es hervor zu locken, noch das verborgenste, das ist ganz neu und ich gehe wie im traum am meer und lausche dem sanften klappen der wellen.

seltsam, ich hatte angst, hier seien die erinnerungen noch spitzer und schnitten noch mehr, aber erst hier konnte ich lassen, was  unversehnds erschien, sonst lief ich davon.  Hier berühren die bilder mich schmerzlich und schön und was erscheint, bringt das tröstende zugleich mit.

sie ist welt, die marie, sage ich , und hier ist sie hügel und felsen, steinerne kaskaden ins meer, hier ist sie grenze und übergang, und die graublaue fläche des meers und ein goldrand am horizont, hier ist sie näher, hier stellen sich keine dinge dazwischen, hier höre ich sie reden, sie braucht keine worte, hier bin ich willkommen und nicht nur mein präsentabelster teil.

davor hatte ich am meisten angst, dass keiner mehr da ist, wenn ich an meiner unfähigkeit und der schwachsten stelle hängen bleibe,  und  einhalt gebietet, das tat sie mit einem empörten blick und einem scharfen wort. nun weiss ich, es geht ohne worte, ich bilde mir ein, beim blick hinunter aufs meer und ins licht, schaut sie mir über die schulter.

vorgestern bei der ankunft zeigte ich ihr den schnee auf pins und palmen, das kannte sie nicht und ich fühlte mich schuldig, so ganz ohne sie im wind, der den schnee durch die strassen trieb.  die leute waren begeistert, wenn man das selbstverständlichste aussprach, il neige à la côte, c’est extraordinaire et très beau, ein gebet fast, ein mantra dieser seltsamen wintertage am meer, n’est-ce pas que c’est beau.

und als ich schon gestikulieren und weisen wollte, dämmerte mir, sie war das alles doch selber und  keine erklärung mehr nötig.

überm meer reisst die sonne die wolken auf und vergoldet den tag. hier ertrag ich mich selber, wenn ich am fenster sitze, der blick ist sehr weit und die dinge sehr einfach.

zum ersten male bin ich in der erinnerung aufgehoben, selbst wenn es  weh tut.

postscriptum: da die rede ist von grenzen und übergängen, es gibt sie hier im grenzland nicht für jeden. mit marie bin ich noch einmal im october über die grenze gefahren, die für die flüchtlinge geschlossen ist, sie versuchen es über gebirgspfade, an schluchten entlang und in den dörfern an der grenze wachen Polizei- und Militärpatrouillen. kleinen gruppen begegneten wir auf der italienischen seite, sie bewegten sich schnell auf die grenzlinie zu oder waren schon auf dem rückmarsch. In jedes auto fiel der strenge kontrollblick und einer stand vor gericht, weil er ein herz hatte. man fühlt sich nicht gemütlich in dieser situation: fast spürt man den druck von afrika her, der hier bei uns und sonstwo  erzeugt wird und die menschen in bewegung setzt und nun aufeinmal wollen wir nichts von ihnen wissen und nichts von dem, was sie in die fremde treibt. auch das liegt über der landschaft, in der das gebirge  dem meer begegnet.

so confusing

heute morgen habe ich mich halberwachten bei der ersten tasse café, dessen bereitung als eingefahrenes ritual meiner geistigen anwesenheit fast gar nicht mehr bedarf, mit zeug regelrecht bombardiert, so dass ich in einen zustand von höchster verwirrung geriet. wie in einem missratenen film rosa luxemburg lenin trotzky pasolini rudi dutschke gesichter von toten clowns auch solche die es nicht wissen überlebende  reden über geld der besitz von geld dazwischen weitere tote sitzreihen im kino und weiteres reden über geld lächelnde politiker in grossaufnahme poren wie untertassen und schnurrbarthaare mitten in die kamera.

entsetzen meinerseits. der café hilft ein wenig.

niemand hat mich gezwungen, unbedarft bin ich  hinein gestolpert. ein tag mit gruselrand, sonnig und sehr kalt. auf meinem schreibtisch listen mit to do’s.

dazu noch: einmischung von gelesenem am vortag, träume ich oder wache ich wirklich schon, morgenfantasien und der kräftige eisige wind weht nichts beiseite.

I confess, ich bin gerne allein, aber nur weil ich sonst erinnert werde, dass es einmal was sehr nahes mit jemand gab, der … warum  steht bloss in todesanzeigen, da sei einer und eine entschlafen. nur um zu sagen, gestorben, mausetot und kalt,  wenn man seinen namen sagt, auch morgens im halbschlaf, antwortet er nicht mehr. der tod ist brutal.

wenige kenne ich, die, lebenssatt, gerne gingen. die meisten wollen noch bleiben, aber wehren ist zwecklos. kapituliert man nicht gerne, finalement, vor einer grösseren macht, die keine unterschiede kennt, nur gleichheit von der wurzel her?

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ich lese, auch das noch, die menschliche lebensspanne ist etwa 71, alles danach reine zugabe. ich kenne leute, die sind mit 80 fit und berufstätig,  sehen jünger aus als ich, dem das leben, das er führte, furchen eingegraben hat, wehmutsgräben und schmerzritzungen, eine seltsame skulptur.

ich suche schon länger nach auswegen, nach türen, durch die ich mich davon machen kann, weil die kälte, die mir morgens schon zu früh in die knochen fährt,  dieselbe meint, von der adorno spricht (er hört nicht auf zu sprechen). in romanen zum beispiel, natürlich elegant gelungenen, älteren demnach und politisch nicht correcten wie etwa die wasserfälle von slunj.

was ich eigentlich sagen wollte: meine verwirrung hält an, vom hundersten ins tausendste der diversionen und abweichungen, die sich weiter verzweigen. dabei dreht sich alles nur um die eine frage (sie ist in meine träumen nicht aufgetaucht, versteckt sich aber darunter, dessen bin ich gewiss):

wenn ich jetzt abtreten müsste, was würde ich sagen, vor allem: was würde ich fühlen und denken. wie würde der körper reagieren, der noch behende treppen hinauf läuft zum arzt, der im vierten stock seine praxis hat. ich meine, an einem tag mit sonne und blauem himmel.

des regrets? und welche? dass es mir nicht gelungen ist, eine revolution anzuzetteln in mir? dass ich kein ganz anderer geworden bin? einer, der, egal, was der arzt sagt, lächelt, wenn er auf die strasse tritt und das leben ihm um die ohren fliegt?

ja, das würde ich mir ernstlich vorwerfen müssen! ich meine nicht stoisch, nicht trotz allem, sondern freudig bis zum zuletzt. rein wegen dem abenteuer, dem schon gelebten und wegen dem letzten, dem, was ich noch nicht weiss.  und bis ans ende, selbst in der winterlichen kälte, die das hässliche aus seinem versteck treibt, suche ich nach der wärme der schönheit.

so heute nacht in meinem traum: sie kam unversehends um die ecke, ein mann oder eine frau, fragte ich mich, langbeinig, schlank und elegant und gross, verwirrend ein gesicht an der grenze, ein übergang, sie zog mich an, die ganze person unwiderstehlich schön. ich starrte nicht, ich fragte nach dem weg und sie/er sagte zu meiner weiteren verwirrung quinlivan und zeigte ins ungefähre.

als ich aufwachte, es war noch früh, so gegen vier, suchte ich nach dem rätselwort, bis ich es fand und las und war verdutzt, denn dort stand: true to the end.

sonst wäre ich ganz fremd hier

natürlich gehe ich durch die strassen der stadt und kenne mich aus, es ist meine stadt, hier lebe ich – meistens, wenn ich nicht untertauche in meiner höhle im berg, ein haus der träume.

ich weiss, wie die leute hier reden, ich verstehe die sprache, bin den klang gewöhnt und doch: verstehen wir uns wirklich. dieselbe sprache zu reden, genügt  nicht, das reichte nicht einmal gestern. heute halten mich solide gedanken, in denen ich mit andern zuhause bin. je vielfältiger sie buchstabiert werden, desto besser und farbiger. natürlich ist es schön, wenn alles zusammen kommt, wenn in der vertrauten lokalen sprache komplizen sich treffen.

sonst wäre ich ganz fremd hier. das auskennen reicht  nicht mehr. das könnte ich auch von anderen städten sagen, in denen ich bloss  gast bin.

 

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eines tages bin ich aus einem traum aufgewacht. ich hatte mich in meinen stadtgewohnheiten eingerichtet, erzählte mir die alten geschichten, wie sie ist und angeblich immer war, machte mir vor, ich kenne mich aus, weil die wege durch meinen bilderraum führen. als ich die augen aufschlug, war ich in einer fremden stadt.

ich rede mir das nicht ein, ich rede von meinem gefühl.

immerhin ist sie nun polyglott und hat viele gesichter, die ich wenigstens flüchtig ansehe, wenn ich meiner  wege gehe. sie ist unruhig, eine mir  fremde ungeduld, sie steht unter hochspannung und wuchert hektisch nach allen seiten.

anfangs dachte ich, es liegt an mir, ich bin über nacht zum antimodernisten mutiert, sagte ich mir, und der fortschritt lässt sich nicht aufhalten. was man sich so alles sagt, wenn man aus dem vertrauten heraus geworfen ist. man hört, den alten geht es zu schnell und sie werden abgehängt, dumm gelaufen. aber das ist es nicht, ich bin noch nicht lahm, laufe nach wie vor gerne durch die strassen der stadt und schaue. ich fühle mich nicht überholt, weil ich mich in eine andere richtung bewege.  manches schnelle, das mir unterkommt,  ist  bloss hektischer leerlauf, das schnelle geld, das süchtige zocken um immer mehr,  man kann sich kein leben davon kaufen und die todesangst steigt.

fremd ist mir genau das. der ersatz, der sich nun installiert. die monokultur, die schon auf entferntere viertel übergreift, das glatte über der leere.

fremdheit ist keines von den schnellen gefühlen, die gehen schon kaum sind sie gekommen. es ist beharrlich, habe ich einen fuss vor die tür gesetzt, ist es da.

ich weiss jetzt, warum ich so gerne am bahnhof flaniere. manchmal singt melusina, wenn überhaupt, dann noch dort.

 

schwellen, grenzen, übergänge

irgendwann schläft man ein. ich sage man, denn ich war nicht dabei. ich lauere auf den moment und denke / jetzt/ aber das ist noch zu früh. es ist wie mit der narkose, irgendwann warst du weg und fragst dich, was ist der letzte eindruck, man schiebt deinen körper hinüber, wohin … das wars dann schon. wie kann man so weg sein. was ist mit der kontinuität? an / aus. mich irritiert das jedesmal, wenn ich dran denke. die unterbrechung kommt im ich-bewusstsein nicht vor.

morgens das wieder auftauchen ist verschieden, man hat das gefühl langsam wieder einzutauchen, fast noch kein ich, die körperwahrnehmung ist vage, nebulös, wolkig, wattig und verdichtet sich/ langsam / allmählich / so auch die bewusstheit, sie nimmt zu.

 

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ich gehe gerne müde herum, verrichte dinge in zeitlupe (so nehme ich es wahr, eine schwere ist darin, eine verlangsamung nach unten), ich zögere das hinlegen hinaus, tue dinge noch so nebenbei, ich möchte das untertauchen genau verfolgen, bis in den halbschlaf, wenn der körper schon inert ist und das bewusstsein es noch mitkriegt, manchmal dauert es die ganze siesta hindurch. ich war nicht ganz weg, ich habe es noch wahrgenommen / wie angehalten alles und still / das aussen fast ausgeschaltet / sehen mit geschlossenen augen / empfinden herab gedämpft / aber vorhanden / ich kriege es mit / wie aus dem augenwinkel.

abends hingegen verpasse ich den moment, nicht einmal die annäherung wird noch erinnert.

kann man da nicht angst kriegen.

um die konsistenz des ich?

jedenfalls lauere ich seither auf den übergang. übergänge überhaupt, schwellen erlebnisse/ man überquert eine türschwelle und steht verwundert in dem raum, was man hier wollte / oder die grenze zwischen drinnen und draussen / jemand bringt mir  in seinem reden den spiegel meiner ängste / deshalb gehe ich jeden morgen gespannt vor die tür, die wärme des hauses noch im rücken und schon die kälte des morgens im gesicht, ein janus des zeitungholens.

oder das schweigen, das plötzlich entsteht, wenn jemand zu reden aufhört. und der andere, statt sofort zu antworten, wird angehalten in dem schweigen, bevor er den mund öffnet.

vor  allem der übergang zwischen leben und tod, und plötzlich weht ein unhörbarer wind und fegt dein leben leer.

dann fielen wir aus der zeit

manchmal schreibe ich mich ins nirgendwohin und der regen wischt es weg. aber heute morgen war es sehr klar, ich suchte im traum nach möglichkeiten, das perfekte zu widerrufen und dem ideal abzuschwören,  der selbstoptimierung als ziel und zweck.

ich meine die entwicklungskraft kommt von woanders.

stattdessen die seite der schwächen, der risse und spalten, des unsicheren vorantastens und der halbherzigkeiten, des gänzlich unnützen und unproduktiven, der trauer zum beispiel, die selbst im gehen, im halben lächeln sich zeigt  ich liebe das unfertige, das die zeichen davon trägt, wie es gemacht wurde.

ich bin kein leninist, merke ich, sondern ein anhänger des sinnlosen aufstands, der halbfertigen sätze, des anklangs und des fragments.

es gibt kein halbes verständnis, sagst du. aber ich erkenne im ersten schritt auf eine verborgene wahrheit zu einen reichtum. wenn keiner sinnlos anrennt  gegen die grenze, und ihre endgültigkeit verneint und scheitert, dann gäbe es den reichtum nicht, den funken im versagen, den beginn einer ahnung, wie es sein könnte.

und gleichzeitig, ich gebe es auf. ich desertiere und bewege mich zwischen allen fronten, unentdeckt, und wenn ich erwischt werde beim sammeln von wahrheitsfetzen hier wie dort, auch beim feind, so spiele ich den harmlosen verirrten.

das ist der grund für mich,  von neuem zu beginnen, nachts überschreite ich die grenze und bewege mich im niemandsland, im nowhere und rede mit den toten über die sterblichkeit und die schönheit im unvollkommenen, im schmerz und verlust. nachts betrachte ich den riss, der in allem ist, die verbeulten und geschundenen dinge und richte mich ein im durcheinander.

Ich habe mich schon immer gerne verirrt und in labyrinthen nach dem ausgang gesucht, ich drehe mich im kreise, um vorwärts zu kommen.

heute vor zwei monaten hat marie z. zu atmen aufgehört … entstand eine stille, die sich ausweitet und an stärke gewinnt. erst in den geräuschen der welt nehme ich sie wahr.

ich sage ja nicht, dass die stille perfekt ist.

gerade heute spüre ich fetzen von zorn und missbilligung, nichts persönliches, einen hilflosen zorn, der nicht kraftlos ist. manchmal wurde marie z. wütend und meinte nicht mich, sondern die männer allgemein und was sie sich herausnahmen seit unerdenklichen zeiten, die imaginierte weiblichkeit. aber sie meinte auch mich, das unpersönliche in mir, die  spuren der männlichen herrschaft in mir. sie wusste, wovon sie dann sprach.

marie z. war nicht die perfekte frau, über den ausdruck hätte sie gelacht. ich liebte sie wegen allem, sie hatte stellen in sich, die waren gebrochen, wunden, die sich nicht schlossen. wir stiessen an ihren kanten zusammen und ihre schwächen zeigten  mir die eigenen. es gab einen unaufgelösten rest und eine komplizierte schönheit. eine wärme und eine kälte, eine fülle von nicht vollendetem, die mich anzog.

manchmal sah sie auf den grund meiner zerbrochenen seele, dann fielen wir aus der zeit.

deshalb bin ich wohl noch hier

das blasse winterblau heute noch verdünnter von der kälte, die dinge treten spitz hervor, raue konturen der schornsteine, dachsimse, die baumkronen erstarrt. eine krähe segelt elegant über das dach. selbst die kleinstadtfinanzmetropole  wirkt heute gedämpfter als sonst. wenigstens meine ich das aus den geräuschen von unten heraus zu hören. (die prognosen allerdings, so lese ich, sind nicht die allerbesten, am horizont zeichnen sich umwälzungen ab)

ich wohne hier auf abruf, in einem permanenten provisorium, lasse mich vom tag überraschen, wenn wieder eine illusion mehr abbricht, die ich über mich hegte.

SIE fehlt, an allen ecken und enden, sie hat das beste in mir hervor gelockt und das dunkeste hielt sich selber in schach, die lust mich wegzubeamen aus dieser verworrenen welt.

ich gebe es zu, ich schaue zuviele star trek folgen, wenn abends und nachts die verlassenheit als dunkle welle in mich hinein schlägt. aber im alpha quadrant und auf deep space nine gibt es dramen wie überall und helfen tut allerhöchstens ein blick auf das foto mit ihrem lächelnden gesicht, als verabschiede SIE sich schon leise.

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was einen über wasser hält, ist eine rätselhafte kraft, die weit über das gedankliche hinausreicht, jedenfalls rennen meine gedanken hinterher und versuchen zu begreifen: habe ich hier noch was zu tun? und was wäre das? auch diese erfahrung auszuhalten und damit weiter zu gehn, wohin? manchmal entgleitet mir jeglicher sinn. und das, was ich lese, stimmt mich nicht optimistisch:

unsere neuronennetze halluzinieren bewusstsein? die wissenschaft fragt nach dem kausieren von bewusstsein doch nur, um es messbar und also handhabbar zu machen, wozu. manche träumen von manipulation, optimierung nennen sie das, kann man identität durch eine andere ersetzen, erinnerung löschen und neue einimpfen. platte halluzinationen von verfügbarkeit, kontrolle und macht, flatland einweg stapfen, langweilig immer die gleiche trottspur (wenn nicht simple unsterblichkeitsmanien und existenzangst dahinter stecken).

altertümlich barbarische weisen in der welt zu sein, doch auch diese fantasien erscheinen im bewusstsein, sogar solche, die es ad absurdum führen. bewusstsein, das bewusstsein untersucht, das ist ein neckisches spiel. was, wenn es ein urphänomen wäre und reicher als alle sogenannten wissenschaftlichen verwertungsfantasmen?

mir scheint die interessantere frage, was vermag bewusstsein? zäunt es sich ein in enge pferche? oder wandert es, dehnt es sich aus, wird die welt farbiger oder verarmt sie? spricht sie noch oder beginnt sie schon, sich dem gierigen zugriff zu entziehen?

meine lieblingsepoche ist die romantik und ihre anfänge im sturm und drang. das war nie mainstream und wirkte im untergrund als korrigierende strömung. das ist ein anderes denken.

darin erscheint als das eigentlich verrückte: der messbarkeitswahn, die verachtung der phänomene und die missachtung ihrer würde  (man zwingt sie und sie offenbaren weder ihre schönheit noch ihre wahrheit), die autodestruktive logik des kapitalistischem verwertungszwangs (die überflutung der welt mit waren, der irrationale konsum, das wuchernde wachstum und das entleeren der welt, der menschenpark, die geistige und materielle verarmung). Man fragt sich, ob der kapitalistische erneuerungsdrang, damit alles beim alten bleibt, ausreicht, um die kurve zu kriegen. man sieht, neuerdings ist der rückfall ins autoritäre angesagt, eine minderung von bewusstsein, ein herunterschalten in alte reflexe. der schwarm reagiert auf kommando, die herde trottet folgsam, das denken sinkt in den untergrund.

entzieht sich nicht schon die schönheit?

abends und nachts, wenn ich nicht schlafen kann, höre ich nicht auf, eine reichere, schönere, solidarischere, interessantere welt der unendlichen friedlichen vielfalt zu imaginieren, eine manifestation des romantischen geistes. ich kann nicht anders, deshalb bin ich wohl noch hier.

 

 

 

natürlich muss das alles gesagt werden

die stille breitet sich aufeinmal konzentrisch aus, als hätte jemand den dingen zu schweigen geboten. dabei hört nur das radio auf zu dudeln und die stimme mit den freitagabend angeboten ist einfach weg.

ich lausche, der garten im schnee wird still und über die nachbarschaft fällt ein sanfter zauber,  für einen augenblick bin ich fast glücklich und darin ist SIE abwesend da,  nun tut die stille weh.  es ist ein zeichen von ihr.

heute morgen beim aufwachen war mir, als hörte ich einem geheimen treffen zu in einem jenseitsraum, schweigend, sie und ich. keine störende interferenz von sorgen und redenmüssen, und die dringlichkeit, hier zu  sein, zu hören, gespannt zu lauschen, als ob der ganze körper lauschte, ohne irgendetwas sonst, war wieder da, als die stimme im radio abbrach, shut up, es reicht.

anders, denn vorher war es ein hinweisen auf einen punkt und immer wieder, als würde ich dahin geführt an einer hand, zu lassen und in die stille zu gehn.

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natürlich müssen die dinge gesagt werden, deutlich und überdeutlich, das meine ich auch.

ich frequentiere seit längerem, weil ich was zu verpassen glaube, ein sogenanntes social media. was für ein lächerlicher begriff für das sich drehen und wenden in der selbstbestätigung, im wechselweisen schulterklopfen. während der zug rollt.

eindeutig, ich gehöre am liebsten zur vorhut: der kühle scharfe wind des cutting edge. aber im ernst: sind wir nicht längst nachhut geworden?

wir zetern, schicken uns die nächste scharfe analyse von teilkatastrophen, winken mit fähnchen like, sad, angry, wow und verteilen  herzchen hier und da, sagen ganz treffende dinge und der zug rollt, nicht in die gewünschte richtung.

und wir laufen hinterher und haben recht.

spiessen die vorurteile auf, demaskieren die konstrukte, die altneuesten menschenfeindlichen anwandlungen, mit denen andere längst wieder operieren; provokatorisch keck und verschmitzt spielen sie auf alten ängsten und rankünen  wie auf einem instrument und  kriegen, was sie wollen: medienaufmerksamkeit, entrüstungssturm mit halbherziger entschuldigung, und weitere entrüstung und aufmerksamkeit.  die grosse zahl applaudiert insgeheim, verstohlen und auch offen wieder oder schweigt anästhesiert.

wir aber kommentieren hektisch.

und wer ist wir?

wir sind von algorithmus gnaden; wir rufen und gestikulieren, entrüstet und entsetzt, der zug fährt weiter.

Ich meine, stille ist angesagt und in der stille, gründlicheres denken und die alte frage/ was tun?

das gilt für mich.